Caroline Erb: "Es gibt Menschen, die ständig eine narzisstische Bestätigung brauchen und ihren Marktwert mit immer neuen ,Dates‘ bestätigen wollen. Die trifft man aber online und offline, das Internet ist da nur ein Abbild der Realität." - © Luiza Puiu
Caroline Erb: "Es gibt Menschen, die ständig eine narzisstische Bestätigung brauchen und ihren Marktwert mit immer neuen ,Dates‘ bestätigen wollen. Die trifft man aber online und offline, das Internet ist da nur ein Abbild der Realität." - © Luiza Puiu

Wiener Zeitung": Haben Sie sich schon einmal online verliebt?

Caroline Erb: Nein, als ich meinen Mann kennengelernt habe, gab es das noch gar nicht. (Lacht.) Aber wenn ich alleine wäre - mit Mitte vierzig und zwei Kindern -, würde ich das sicher ausprobieren. Wo sollte ich sonst noch jemanden kennenlernen? (Lacht.) Außerdem kenne ich die Materie theoretisch von meiner Arbeit - und praktisch, weil das viele Freunde, Bekannte und Klienten machen.

Macht es einen Unterschied, ob man eine Dating-Plattform nutzt oder eine Partnerbörse?

Ja! Es ist ganz wichtig, sich vorher zu überlegen: Was will ich? Der Markt ist riesig. Bei den einen Anbietern geht es mehr ums Flirten und Daten, bei den anderen geht es um langfristige Beziehungen. Man sollte sich auch den Männer- und Frauenanteil anschauen, der sollte möglichst ausgewogen sein. Auch Anonymität und Datenschutz sind sehr wichtig - man will ja nicht mit Namen und Foto im Internet gefunden werden. Und bevor man sich ewig hin- und herschreibt, sollte man lieber einmal telefonieren und sich möglichst schnell und unkompliziert im Kaffeehaus verabreden. Sonst hat man vielleicht eine Fantasievorstellung im Kopf, der dieser Mensch in der Realität gar nicht standhalten kann.

Manche von uns erinnern sich noch an eine Zeit vor dem Internet. Was hat sich verändert?

- © Luiza Puiu
© Luiza Puiu

Seit beinahe zwanzig Jahren suchen Menschen im Internet nach neuen Partnerinnen und Partnern. Es steht mittlerweile auf Platz eins, wenn man Paare fragt, wo sie sich kennengelernt haben. Es ist nicht mehr exotisch, es ist nicht mehr tabuisiert. Das Angebot ist riesig, man hat das Gefühl, es gibt für jedes Bedürfnis und jede Nische etwas. Trotzdem sollte man nicht alles auf eine Karte setzen, sondern auch außer Haus gehen, aktiv bleiben. Wenn man nur auf dem Sofa sitzt und darauf wartet, vom Traumprinzen oder der Traumprinzessin im Netz gefunden zu werden, könnte man möglicherweise enttäuscht werden.

Nicht alle Singles sind auf der Suche. Viele erfolgreiche, junge Frauen entscheiden sich heute gegen Kinder und oft auch gegen einen Partner.

Die Zeiträume, in denen Menschen Single sind, werden definitiv länger - und man muss das auch nicht negativ konnotieren. Der Trend geht zum Langzeitsingle und gerade Frauen bleiben oft sehr lange alleine. Für Männer und Frauen rückt der Zeitpunkt, an dem sie sich fix binden wollen, immer weiter nach hinten.

Aber das ist oft eher eine Lebensphase. Wir wissen aus Studien, dass sich nach einer gewissen Zeit die absolute Mehrheit nach einem Partner sehnt. Viele denken, sie können sich in Ruhe um den Beruf und die erträumte Eigentumswohnung kümmern und der passende Partner wird sich dann perfekt und auf Knopfdruck einfügen. Aber so ist es dann oft nicht. Es geht um auch um Kompromissfähigkeit. Ab einem gewissen Alter weiß man, was man sucht und was man bereit ist zu geben. Man weiß zumeist, ob man Kinder will oder nicht. Und ganz wichtig: Man weiß, wie viel Partnernähe man braucht. Darin sollte man sich wirklich ähnlich sein. Sonst will der oder die eine Tag und Nacht gemeinsam verbringen - und dem oder der anderen genügt es, sich einmal pro Woche zu sehen.