Resilienz, also unsere psychische Widerstandskraft, kann in Beziehungen auch ein wichtiger Punkt sein. Wie geht man mit Problemen um? Lasse ich Nähe zu? Dafür ist entscheidend, welche Bindungen man als Säugling und als Kind erlebt hat. Es reicht zumindest eine wichtige Bezugsperson, die für uns da war und uns Sicherheit und Nähe gegeben hat.

Aber wenn jemand gleich aufgibt oder sich nicht mehr meldet, kommt der für mich ohnedies nicht in Frage! Man darf die Selbstachtung und den Selbstwert nicht verlieren. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, wenn man verliebt ist. Aber es gibt auch viele positive Beispiele, viele schöne und feste Beziehungen. In den Medien überwiegen leider oft die negativen Tendenzen unserer Zeit.

Sprechen wir über Tinder und Co. Das gefühlte Überangebot an potentiellen Partnern empfinden manche als Stress.

"Bevor man sich ewig hin- und herschreibt, sollte man lieber einmal telefonieren und sich möglichst schnell und unkompliziert im Kaffeehaus verabreden." (C. Erb) - © ullstein bild/Classen
"Bevor man sich ewig hin- und herschreibt, sollte man lieber einmal telefonieren und sich möglichst schnell und unkompliziert im Kaffeehaus verabreden." (C. Erb) - © ullstein bild/Classen

Das macht schon etwas mit uns. Auf der einen Seite gibt es diese scheinbare Verfügbarkeit unzähliger Partnerinnen und Partner. Was ja auch positiv ist: Wir können so Menschen treffen, die wir ansonsten niemals im Leben kennenlernen würden. Es wohnen ja auch nicht alle in der Stadt, wo es tendenziell leichter ist, neue Menschen kennenzulernen.

Aber wenn man andauernd das Gefühl hat, da könnte es noch jemanden Tolleren geben, muss man sehr auf seine Gefühle hören und sagen: Aus! Ich lass mich jetzt einfach auf diesen Menschen ein.

Spürt man es nicht sowieso, wenn man wirklich verliebt ist?

Um die Chemie der Liebe kommt man nicht herum. Spätestens beim ersten Treffen entscheiden alle Sinne mit: Wie riecht jemand, wie bewegt er sich, wie rollt jemand sein R?

Ist das nicht ein Argument gegen Partnerbörsen? Wieso sollte man Kompatibilität berechnen, wenn letztendlich die Chemie entscheidet?

Wichtig ist, erst einmal aus der Passivität herauszukommen und sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Durch Persönlichkeitstests auf seriösen Partnerbörsen, bei denen es vor allem darum geht, wer langfristig und gut zu mir passt, kann man einmal schauen, wo es aus psychologischer Sicht Übereinstimmungen geben würde. Dazu kommen das Foto und die Möglichkeit einer Selbstbeschreibung, bei der man zum Beispiel sieht, ob jemand Humor hat und über sich auch lachen kann. Aber erst beim persönlichen Treffen zeigt sich dann, ob auch die Chemie stimmt.

Online-Partneragenturen haben neben der großen Auswahl an Gleichgesinnten noch einen weiteren Vorteil: Sie helfen sehr schüchternen Menschen oder jenen, die beruflich oder familiär sehr eingespannt sind, dabei, jemanden kennenzulernen.

Wenn man alleinstehende Menschen fragt, ob sie eine Beziehung wollen, antworten nämlich die meisten: Ja! Wenn man dann aber fragt, ob sie auf Partnersuche sind, sagen die meisten energisch: Nein! Vielleicht, weil sie sich nicht in dieser Rolle der Suchenden gefallen. Was ich auch interessant finde: Für den Job sind die meisten bereit, in ein anderes Land zu ziehen, für die Liebe meistens nicht. Liebe ist immer mit Risiko verbunden. Ich habe einmal eine qualitative Studie durchgeführt, wo es ums Kennenlernen ging - und da hat ein Teilnehmer gesagt, die Storyline müsse passen, also wie man sich kennengelernt hat. Er wollte eine schöne Geschichte, die er einmal seinen Enkelkindern erzählen kann. Die Ansprüche sind wirklich enorm.