Bei allen Vorteilen schüren die Sozialen Medien auch Neid.

Vor allem bei Singles. Viele fragen sich: Was stimmt mit mir nicht? Warum habe ich nicht diese tolle Wohnung und sitze nicht mit meinem Partner schmusend am Südseestrand?

Wichtig ist, sich selbst realistisch einzuschätzen und sich nicht von den makellosen Bildern einschüchtern zu lassen.

In meiner Praxis erlebe ich erfolgreiche, warmherzige, reizende Frauen, die seit Jahren auf der Suche sind und nicht den passenden Partner finden. Es herrscht so viel Druck und Unzufriedenheit! Darüber sollten wir auch im Freundeskreis ganz offen sprechen.

Auch in Beziehungen sind viele unzufrieden, zum Beispiel, weil der Partner oder die Partnerin lieber ins Handy starrt. Haben wir verlernt, wirklich präsent zu sein?

Wir haben alle zu wenig Zeit für uns und für die Beziehung. Wenn dann noch ständig das Handy daneben liegt, wenn wir zusammen sind, und es auch abends noch aus allen Ecken flimmert und lärmt, dann macht das etwas mit uns. Wir brauchen es, uns in die Augen zu schauen und wirklich zusammen zu sein. Da muss man manchmal darauf pochen, das Handy auszuschalten oder wegzulegen. Innehalten, runter vom Gas und vielleicht hinausgehen ins Beisl ums Eck auf ein Glaserl Rotwein! Dieses Getriebensein ist ganz typisch für unsere Zeit.

Caroline Erb (r.) im Gespräch mit Saskia Blatakes. - © Luiza Puiu
Caroline Erb (r.) im Gespräch mit Saskia Blatakes. - © Luiza Puiu

Sprechen wir über Pornos und ihre permanente Verfügbarkeit. Welche Auswirkungen haben sie auf unsere Beziehungen, auf unser Sexleben?

Ein Erwachsener kann sich im Internet Inspiration suchen, aber er sollte sich seiner Identität halt schon sicher sein. Das Wichtigste ist, miteinander zu sprechen und Grenzen zu setzen. Das können Vierzigjährige natürlich besser als Jugendliche. Deshalb können Pornos auch eher für Heranwachsende problematisch sein, die noch nicht so gefestigt sind, was die eigene Sexualität betrifft. Wenn das die ersten prägenden Bilder sind, dann gute Nacht! Das zu erreichen, wird schwierig. (Lacht.) Vor allem bei Jugendlichen gibt es heute einen irrsinnigen Körperkult, zum Beispiel darf sich kein einziges Haar mehr am Körper der Frauen und Männer befinden. Diese Bilder sind sehr dominant, und vielen fällt es schwerer, beim Sex bei der Sache zu sein und im Moment zu leben.

Was empfehlen Sie Eltern?

In Kontakt bleiben mit dem oder der Jugendlichen. Verhindern kann man es wohl kaum, dass Jugendliche so etwas sehen. Eine umfassende Sexualaufklärung und Medienkompetenz sind sehr wichtig, um die Bilder auch richtig einordnen zu können. Aber es geht um die Verdichtung. Macht das Kind auch noch anderes, Sport zum Beispiel, oder sitzt es nur noch vor dem Computer.