Wie muss ein Mann sein, den Sie mögen?

Weder zynisch noch widerlich!

Was macht einen Mann für Sie widerlich?

Die Unfähigkeit, eine Verbindung zwischen Liebe und Sexualität zu sehen. Freud sagte einmal, dass der Sexualität der göttliche Funke soweit genommen worden sei, dass man ihn tatsächlich nicht mehr zu finden vermag. Ohne Sexualität wären Sie und ich nicht auf der Welt, gäbe es die Menschheit nicht. Doch der sexuelle Akt ist regelrecht verschandelt worden. Wenn es nur noch um Zynismus oder reine Technik geht, dann . . .

. . . hat das mit Liebe nichts mehr zu tun?

Genau! Bei allem Wissen darum, dass manche Ehen katastrophal sind und Familien ein fürchterliches Gefängnis darstellen können: Wenn man nicht zu einem Menschen eine tiefere Bindung entwickelt, also so etwas wie Liebe verspürt und das Gefühl hat, dass diese Person einem wichtiger ist als alles andere auf der Welt, ist das Leben doch trostlos!

Wenn man nun aber keinen Partner mehr hat oder Single ist?

Dann kann es auch ein Enkelkind oder ein Freund beziehungsweise eine Freundin sein, für die man tiefe Zuneigung empfindet. Das Wesentliche ist, Beziehung zueinander aufzunehmen.

Was bedeutet für Sie in diesem Zusammenhang Emanzipation?

Emanzipation bedeutet auch Befreiung vom steten Kreisen um sich selbst. Ich habe es bei einer Enkelin erlebt, die ein Kind bekommen hat und nun zum ersten Mal jemanden mehr liebt als sich selbst. Die Liebesfähigkeit macht einen Menschen doch erst zum Menschen. Die Fähigkeit, jemanden lieben zu können, egal ob er schön, hässlich oder was auch immer ist, macht merkwürdigerweise glücklich. Und nicht die Tatsache, geliebt oder bewundert zu werden. Lieben zu können, befreit uns von einem übergroßen Ich-Gefühl und auch davon, uns selbst allzu wichtig zu nehmen. Ich persönlich habe zwar Angst davor, zu verwahrlosen, aber wichtiger ist es mir, mich von Herzen um einen Menschen zu sorgen und dafür, dass es ihm oder ihr gut geht.

Und wie steht es mit der Emanzipation in der Berufswelt?

Emanzipation bedeutet zunächst einmal nichts anderes als Befreiung von Unterdrückung. Einerseits geht es in diesem Zusammenhang also darum, dass wir uns selbst nicht zu wichtig nehmen, andererseits müssen wir uns aber auch selbst achten, uns im Berufsleben durchsetzen, Achtung erringen und anderen Menschen Respekt entgegenbringen. Wenn ich den kurzen Lebensabschnitt bedenke, der dem Menschen gegeben ist, bedeutet dies nur eine kurze Zeitspanne, in der er die Kraft hat, sich auch in der Berufswelt durchzusetzen. In der Jugend ist man abhängig und im Alter hat man nicht mehr genug Energie. Es bleibt also nicht viel Zeit, um unsere Fähigkeiten und Begabungen an den Mann oder an die Frau zu bringen. Und Sie müssen danach trachten, nicht unterdrückt und misshandelt zu werden.

Die Journalistin Bascha Mika ist wütend auf die Frauen und wirft ihnen in dem Buch "Die Feigheit der Frauen" vor, zu bequem zu sein. Hat sie Ihrer Meinung nach Recht?

Mein Gott! Wir wurden doch über Jahrhunderte hinweg in Rollen hineingezwungen. Wir sind dazu erzogen worden, es als weiblich anzusehen, zu Hause zu bleiben, für die Kinder und den Ehemann zu sorgen, also im familiären Umfeld die Liebende zu sein. Dagegen galt es als männlich, sich draußen in der Welt zu behaupten. Und wenn sich nun heutzutage die Frauen in der Welt behaupten, gelten sie schnell als vermännlicht. Es geht also nicht um Feigheit und Bequemlichkeit, sondern um Traditionen. Die jahrhundertealten Rollenzuweisungen können sich doch nicht von heute auf morgen ändern.

Ist es also Zeit für eine Frauenquote? Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bekanntlich dagegen.

Da muss ich Frau Merkel vehement widersprechen. Was über Jahrhunderte hinweg Rollentradition war, ändert sich nicht von heute auf morgen. Die Männer müssen sozusagen "geschubst" werden, um anzuerkennen, dass Frauen andere Rollen übernehmen. Die Männer denken doch gar nicht daran, ihre Rollen aufzugeben, an die sie sich so gewöhnt haben. Richtig ist natürlich, dass mit der Gewöhnung auch eine Einengung der Möglichkeiten einhergeht. Das mögen manche bequem nennen. Aber eine Rolle zu übernehmen, die bisher keine traditionell weibliche war, kostet sehr viel mehr Kraft, als eine traditionell männliche Rolle weiterzuführen.

Beruflicher Erfolg hat ja auch damit zu tun, dass man gelegentlich die Ellbogen ausfährt und Konkurrenten aus dem Feld drängt. Sind Frauen generell weniger aggressiv als Männer?

Nein, aber anders. Rein körperliche Aggression findet sich bei Frauen weniger, allein schon deshalb, weil sie nicht über die gleiche Muskelkraft wie Männer verfügen. Frauen treten eher hilflos um sich. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke und an Streitsituationen mit meinem Bruder, dann erinnere ich mich noch sehr gut daran, dass ich in meiner Wut wild um mich geschlagen habe, aber dabei nicht gezielt vorgegangen bin.

Frauen werden, wenn sie aggressiv sind, häufig als zickig empfunden.

Frauen sind eher verbal aggressiv, sie können mit Worten vergiften. Frauen wird auch eine gewisse Hinterhältigkeit zugeschrieben.