Welche Pläne haben Sie an der University of Maine?

Ich möchte meine Bemühungen um die Einrichtung eines Instituts für mathematische Methoden der Terrorismusbekämpfung fortsetzen. Das hatte ich bereits 2003 in den USA vorgeschlagen, in Österreich 2005, allerdings funktioniert das aufgrund von Österreichs Neutralität hier nicht. Im vergangenen Jahr wurde hingegen in Dänemark ein "Counterterrorism Research Lab" eröffnet. Ich war einer der Eröffnungredner.

Ebenfalls vergangenes Jahr bekam das "International Institute for Applied Systems Analysis" in Laxenburg einen neuen Direktor, Detlof von Winterfeldt, der früher ein Forschungsinstitut für Terrorismusbekämpfung in Los Angeles geleitet hat. Es gibt also ein Interesse an mathematischen Methoden in der Terrorismusbekämpfung, auch in Österreich.

Apropos Netzwerke: Inwieweit und auf welche Art nutzen Terroristenzellen das Internet?

Natürlich verwenden Terroristen das Internet. Auf einer Konferenz in Kanada hat ein Forscher über seine Erfahrungen mit Terroristen-Websites berichtet und versucht, sie zu kategorisieren. Der Risikomathematiker Gordon Woo, der in London arbeitet, hat vorgeschlagen, Websites und deren Links auf andere Websites zu untersuchen, um aufgrund der zahlreichen Links feststellen zu können, welche die wichtigsten Seiten im Netz sind. So könnte die Exekutive herausfinden, wer diese Websites betreibt.

Terroristisch-rassistische Gruppen in den USA, wie "The League of the South" oder "The Sons of Confederate Veterans", verwenden das Internet recht intensiv. In einem ihrer Newsletter hat die "Confederate Society of America" etwa angekündigt, gegen alle vorzugehen, die nicht ihre Meinung vertreten. In einem Kapitel seines medienkritischen Buches "Hot, Fat and Clouded. The Amazing and Amusing Failures of America´s Chattering Class" hat Barrett Brown über jenen Terrorismus berichtet, den auch ich selbst erlebt habe: Robert Stacy McCain, Redakteur der "Washington Times", so Barrett Brown, hätte unter einem Pseudonym für die Vorherrschaft der Weißen plädiert. Auch Leute in prominenten Positionen gehören solchen Organisationen an: US-Senatoren etwa, die beim "Council of Conservative Citizens" sprechen. In deren Newsletter wurde einmal dazu aufgerufen, eine Meute hinter mir her zu hetzen. Sie arbeiten mit Einschüchterung und Mord-Drohungen.

Welche geografischen Unterschiede im Terrorismus haben Sie eigentlich wahrgenommen? Was unterscheidet den Terrorismus in den USA von jenem in Europa?

Ein Unterschied ist, dass sich diese Gruppen in den USA immer wieder durchsetzen. Ich hatte eine unbefristete Stelle an der Vanderbilt University in Nashville, die ich aufgeben musste. Obwohl ich also einiges zur Terrorismusbekämpfung in den USA beitragen hätte können, ist man mir dort aus dem Weg gegangen. Außerhalb der USA habe ich keine persönlichen Erfahrungen mit dem Terrorismus gemacht.

Was bedeutet für Sie der 11. September 2001 heute?

Nichts anderes, als was er mir immer bedeutet hat: Ich bin ein Amerikaner, der von Unter stützern des Ku-Klux-Klan und rassistischen Gruppen angegriffen wurde. Der 11. September hat mich nicht überrascht. Aber ich will keine Tränen über den 11. September vergießen, solange niemand Tränen über Tulsa, Oklahoma, weint, als die weiße Mehrheit der Stadt die schwarze Minderheit nur deshalb eliminierte, weil er wirtschaftlich erfolgreich war.

Warum interessieren Sie sich überhaupt für den Terrorismus?

Ich musste, wie gesagt, aus Tennessee flüchten, weil es rassistischen Gruppen gelungen war, mich zu verleumden, was übrigens bis in die Gegenwart anhält. Ich mag den Ku-Klux-Klan nicht und habe das auch öffentlich gesagt. Als in Nashville eine aus öffentlichen Geldern finanzierte Statue zu Ehren des Klan-Gründers errichtet wurde, setzte ich mich für deren Entfernung ein. Man warf mir daraufhin vor, weiße Menschen zu hassen, was natürlich nicht stimmt. Es wurde behauptet, ich würde einen Genozid gegen weiße Menschen fordern, ich wäre Kommunist - solche Dinge wurden über mich geschrieben.

Ich dachte fatalerweise, dass ich den Gegenbeweis antreten und etwas tun müsste, um meine Reputation wiederherzustellen. Und weil man in den USA Geld mag, gründete ich ein Unternehmen namens "Phoenix Mathematics", dessen Aufgabe darin bestehen sollte, mathematische Lösungen zur Stärkung der inneren Sicherheit zu liefern. Ich dachte, dass ich dafür öffentliche Förderungen bekommen könnte und damit nicht mehr von Universitäten abhängig wäre. Phoenix Mathematics war aber nicht so erfolgreich, wie ich es mir erhofft hatte.

Während Ihres Aufenthalts in Österreich haben Sie sich wahrscheinlich eine Meinung über das hiesige Universitätssystem oder die österreichische Bildungspolitik gemacht. Was denken Sie darüber?

In den Vereinigten Staaten gibt es keinen freien Universitätszugang, das ist wohl der größte Unterschied. So betrachtet, ist das österreichische Universitätssystem besser als jenes in den USA. In Harvard zahlt man 50.000 Dollar im Jahr, um studieren zu können. Abgesehen davon, habe ich keine tiefschürfenden Unterschiede festgestellt. In England beispielsweise ist man, wie ich meine, den falschen Weg gegangen, als man versuchte, die Studiengebühren anzuheben, um mehr junge Menschen zu einem Studium zu bewegen. Die Folge ist: Ein junger Mensch in England, der sein Studium abschließt, hat 20.000 Pfund Schulden.