Der außergewöhnlich rührige und bestens vernetzte Ordinarius ist nicht nur im Lehrbetrieb, als Verfasser und Herausgeber von mehr als hundert Publikationen längst zu einer einschlägigen Trademark geworden: Der doppelte Doktor fungiert auch als vielfacher Berater von Unternehmen sowie achtfaches Aufsichtsratsmitglied und setzt sich obendrein gerne als Experte bei Gesetzgebungsvorhaben und Fachgutachter in Szene.

Bei seiner Dauerjagd nach Aufträgen ist Jud naturgemäß nicht davor gefeit, gelegentlich einen Bock zu schießen: Im Vorjahr verblüffte er etwa mit einem Gutachten in der Causa Skylink (kolportiertes Honorar: 430.000 Euro): Er gab dem Flughafen Wien nämlich die Empfehlung, "keine personellen Maßnahmen" zu treffen. Im Klartext: Die amtierenden Vorstände, die wohl notgedrungen etwas mit dem Fiasko beim Terminalbau zu tun haben mussten, sollten seines Erachtens nicht in die Wüste geschickt werden.

Nie in den "Wiener Olymp", doch überall in der Praxis

Der Grazer Rechtsprofessor hat es blendend verstanden, in einschlägigen Kreisen - etwa bei der Bank Austria oder der Raiffeisen-Gruppe - unverzichtbar zu werden: Während seinem steirischen Kollegen Romuald Bertl der akademische Sprung nach Wien gelang, hat Jud zwar als Professor "den Olymp nie geschafft" (ein Beobachter). Doch im Gegensatz zu Bertl, der sich geschäftlich auf die grüne Mark konzentrierte, legte er stets auf breite Präsenz in der Praxis Wert.

Speziell in Wien, wo Tochter Brigitta Zöchling-Jud mittlerweile zur ordentlichen Zivilrechtsprofessorin avanciert ist, knüpfte Jud ein beachtliches Netzwerk. Der Brillenträger konnte, meint ein Jud-Kenner, "aus seiner akademischen Kompetenz und dem kaufmännischen Instinkt das Maximum herausholen". Seine Gutachten hätten jedenfalls "Hand und Fuß - auch wenn er nicht immer über den Dingen steht".

Nicht alle Branchenkenner urteilen ähnlich freundlich: Jud, der im katholischen Cartellverband CV bestens verwurzelt ist und auch zu den Roten gute Kontakte unterhält, sei "ein reiner Gefälligkeits-Gutachter", meint etwa ein Wiener Top-Anwalt. Er tauche "überall auf, wo man gut verdienen kann". Der geschäftstüchtige Professor habe zweifellos "Charme und das Geschick, mit Leuten umzugehen". Und er "kann sich", findet ein anderer prominenter Jurist, "immer sehr gut auf die Anliegen seiner Auftraggeber einstellen".

Auf diese Weise ist er zu einem beliebten Ratgeber geworden, auf den schon der seinerzeitige Bank-Austria-General Gerhard Randa bevorzugt gehört hat, aber beispielsweise auch die Ottakringer-Chefs, der Airliner Nikolaus Lauda sowie der Gastronom Attila Dogudan.

Die Kasse klingelt bei Jud, den manche für einen "juristischen Hans-Dampf-in-allen-Gassen" halten, folglich unentwegt, weil er am liebsten in unterschiedlichen Funktionen zugleich auftritt. Ein Beispiel: Als Aufsichtsratschef von Do & Co muss er sich zwar mit 12.000 Euro jährlicher Vergütung begnügen, für Beratungstätigkeiten kam er zuletzt allerdings mit einem sechsstelligen Betrag zum Zug. Auch bei der Strabag fettete er im Vorjahr seine 50.000 Euro-Gage als oberster Kontrollor von Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner um weitere 100.000 Euro für zusätzliche Rechtstipps auf.

Weder Bankendeal-Affäre noch FPÖ-Geruch schadeten

Waldemar Jud, der Ende der Achtzigerjahre kurzfristig als potenzieller Obmann der FP Steiermark und Jörg Haider-Fan im Gespräch war, verstand es als Wissenschafter seit jeher, in der Praxis - sprich: Wirtschaft und Politik - eine veritable Instanz zu werden: Er war seinerzeit bei der Umwandlung der Salzburger Stadtwerke in eine Aktiengesellschaft als Gutachter engagiert, arbeitete an der Novelle des Immobilienfondsgesetzes mit und erstellte 1992 eine Expertise über die Auslands-Flops des damaligen Länderbank-Vorstands.

Als ihn der damalige Finanzminister Viktor Klima als Berater für den großen Banken-Deal (die Bank Austria kaufte die Creditanstalt) holte, ging völlig unter, dass Jud seit Jahren nicht nur als Aufsichtsrat der Creditanstalt, sondern auch als Konsulent der Bank Austria tätig war. Die offensichtliche Unvereinbarkeit befasste sogar das Parlament, doch Jud stieg mit einer weißen Weste aus.

Masseverwalter: Honorar "ohne Gegenleistung"

Schon Mitte der Neunzigerjahre fungierte Jud als Aufsichtsratschef der Lauda Air. Kurz darauf wurde er Vorstand der Privatstiftung Lauda, Oberaufpasser bei Do & Co, und etwas später mischte er auch in den Kontrollgremien der Ottakringer Brauerei mit. Fortan gab es am laufenden Band Angebote, Mandate in Aufsichtsräten zu übernehmen, darunter von der Steiermärkischen Sparkasse oder der Schöckelseilbahn AG.

Nicht immer allerdings war ihm dabei das Glück hold: Die von ihm überwachten Firmen Forstinger, Tiroler Loden und Styrian Airways taumelten nämlich allesamt in Turbulenzen - in zwei Fällen kam es letztlich zum Absturz. Der 2003 übernommene Nebenjob bei der steirischen Fliegerfirma bescherte Jud bald Unannehmlichkeiten: Er habe trotz massiver Liquiditätsprobleme des Unternehmens horrende Prämien und Honorare kassiert. Diesen waren allerdings laut Masseverwalter "keine erkennbaren Leistungen" gegenübergestanden.