"Wiener Zeitung": Frau Händler, Sie feiern heuer Ihr 27-jähriges Bühnenjubiläum. War Ihnen schon als Kind klar, dass Sie Kabarettistin werden wollen?

Andrea Händler: Im Grunde wollte ich nie Kabarettistin werden. Das ist halt passiert. Eigentlich wollte ich Schauspielerin werden und große Tragödien spielen. Mein Plan war, mit 16 die Aufnahmeprüfung am Reinhardt-Seminar zu machen. Doch daraus wurde nichts.

Warum scheiterte der Plan?

Weil ich zuerst die Matura machen musste, sonst hätte ich es mir mit meinen Eltern verscherzt. Doch gleich danach bin ich zur Aufnahmeprüfung marschiert, bin auf der Stelle durchgefallen und wollte nicht mehr länger leben. Gerettet hat mich ein Freund, der den Kontakt zu Herwig Seeböck hergestellt hat, bei dem ich dann meine Schauspielausbildung absolvierte. Alfred Dorfer, Reinhard Nowak und Roland Düringer waren damals ebenfalls bei Seeböck.

Wie kam es zu Ihrem ersten Kabarettauftritt?

Im Kabarett Niedermair gab es den Nachwuchswettbewerb "Sprungbrett". Auch Dorfers kurz zuvor gegründete Kabarettgruppe "Schlabarett" war für diese Veranstaltung gemeldet. Doch wenige Tage vor dem Wettbewerb stieg der weibliche Part von "Schlabarett" aus, ich war die Einspringerin, lernte innerhalb einer Woche die Rolle - und wir gewannen den Wettbewerb. Ab diesem Zeitpunkt haben wir gemeinsam gespielt.

Wie alt waren Sie damals?

19 Jahre. Natürlich konnten wir nicht vom Kabarett leben. Wir hatten alle Nebenjobs. Ich verkaufte damals Souvenirartikel am Flughafen.

Aber insgeheim hatten Sie immer noch den Wunsch, Schauspielerin zu werden und tragische Rollen zu spielen?

Ja. Einmal hat es ja auch geklappt. 2003 durfte ich in Villach in Felix Mitterers "Mein Ungeheuer" eine ernste Rolle spielen. Das war schon ein Erlebnis, Leute einmal auf eine andere Art zu faszinieren. Das war wirklich eine tolle Erfahrung.

Die Gelegenheit, Ensemblemitglied an einem Theater zu werden, hat sich für Sie nie ergeben?

Das stand allein schon deswegen nicht zur Debatte, weil Herwig Seeböck von Anbeginn darauf geachtet hat, dass wir freiberuflich bleiben, also uns nicht fix an ein Haus binden. Seine Meinung war: Wenn man unbekannt werden will, geht man an ein Theater. Und mit dieser Ansicht hatte er in gewisser Weise auch Recht.

Trotzdem sind Sie immer wieder auch im Theater zu sehen. Momentan etwa in der Josefstadt in Peter Turrinis Goldoni-Bearbeitung "Campiello".

Andrea Händler. Foto: Robert Wimmer
Andrea Händler. Foto: Robert Wimmer

Das macht mir großen Spaß. Weil es eine Abwechslung zu den vielen Solo-Kabarettabenden ist. Das ist wie im Kindergarten. Lange Zeit habe ich nur allein gespielt, und nun darf ich mit den anderen Kindern in der Sandkiste sitzen.

Das klingt so, als wären Sie im Grunde Ihres Herzen eher ein Teamworker als eine Einzelkämpferin?

Ja, das bin ich. Solokabarettistin bin ich letztlich nur deshalb geworden, weil meine Kabarettgruppe plötzlich nicht mehr existent war und jeder ein Soloprogramm gemacht hat. Also blieb mir auch nichts anderes übrig.

Mittlerweile arbeiten Sie bereits an Ihrem achten Soloprogramm.

Ja, gemeinsam mit der Journalistin Angelika Hager.

Gibt es schon einen Titel für das neue Programm?

"Händler naturtrüb", Premiere ist am 4. Oktober 2011.

Wie darf man sich die Zusammenarbeit mit Angelika Hager vorstellen?

Wir treffen uns, trinken eine Flasche Prosecco und reden darauf los. Am Tisch liegt ein Aufnahmegerät, das alles festhält. Manchmal sind Passagen dabei, die man 1:1 niederschreiben und ins Programm einfließen lassen kann.

Sie brauchen also den gegenseitigen Austausch?

Auf jeden Fall. Mich allein hinzusetzen und zu versuchen, ein Programm zu schreiben, funktioniert einfach nicht. Ich brauche einen Menschen, der die Geschichten, die aus meinem Mund sprudeln, zu Papier bringt. Im Alleingang schaffe ich das nicht.

Ihr Bühnenhumor ist also auch Ihr Privathumor?

Ja, ich muss mich damit identifizieren können.

Können Sie sich vorstellen, zur Abwechslung einmal politisches Kabarett zu machen?

Nein, dafür interessiere ich mich zu wenig für Politik, speziell für Tagespolitik. Meine Kabarettprogramme müssen immer mit Themen verbunden sein, die mich persönlich beschäftigen. Deshalb greife ich lieber sozialkritische Themen auf - Dinge, mit denen sich auch viele andere Menschen identifizieren können.

Sehen Sie sich als Kabarettistin, die sich für Frauenthemen stark macht?

Im Grunde passiert das eher automatisch, einfach aus der Tatsache heraus, dass ich eine Frau bin. Was ich nicht machen könnte, ist ein - wie ich es gerne bezeichne - Pseudo-Emanzenkabarett, wo ausschließlich auf die bösen Männer geschimpft wird. Ich denke, bei mir steigen Männer wie Frauen gleich gut oder gleich schlecht aus. Trotzdem fühlen sich Männer immer viel schneller angegriffen.

Wie sieht es mit den Gagen aus? Verdient man als Kabarettistin genauso viel wie die männlichen Kollegen?

In meinem Beruf verdiene ich genauso viel wie die Männer. Wir bekommen keine Gagen ausbezahlt, sondern sind prozentuell am Kartenverkauf beteiligt. Wer mehr Publikum hat, verdient auch mehr. Das ist gerecht.