Wird es neue Folgen von "Schnell ermittelt" geben?

Ja, gerade drehen wir wieder einen 90-minütigen TV-Film.

Ist Ihnen dieses längere Format recht? Im Rahmen der vorangegangenen Staffeln dauerten die einzelnen Folgen ja nur 45 Minuten?

Das 90-Minuten-Format ist mir sehr recht, weil man die Geschichten intensiver erzählen kann. Das Schöne an Angelika Schnell ist ja auch, dass sich diese Figur im Laufe der Jahre weiterentwickeln durfte. So gesehen kann diese Rolle gar nicht langweilig werden. Schließlich verändert sich ja auch ihr Umfeld, die Kinder werden älter, die Probleme verlagern sich, Angelika Schnell darf ein ganzer Mensch sein. Auch das Publikum kann ganz anders in eine Serie hineinkippen, wenn die Möglichkeit geschaffen wird, mit den einzelnen Figuren mitzuleben. Wenn es beispielsweise um die Frage geht, kommen Angelika und ihr Ex-Ehemann Stefan wieder zusammen? Die lieben sich doch eigentlich, wann kommt es endlich wieder zum ersten Kuss? Für Andreas und mich ist es ein großer Genuss zu wissen, dass sich die meisten Zuseher das wünschen und es macht riesigen Spaß, da mitzuspielen.

Andreas Lust spielt ja nicht nur in "Schnell ermittelt" an Ihrer Seite, sondern ist als Filmpartner schon so etwas wie ein Dauerbrenner in Ihrem Leben.

Ja, Gott sei Dank, muss ich sagen. Das erste Mal haben wir vor 19 Jahren miteinander gedreht und seither wirklich sehr oft. Wir waren nie zusammen, haben aber ein bisschen das Gefühl, als wären wir es gewesen, weil wir uns schon so gut kennen und oft Liebespaare oder Ex-Ehepaare gespielt haben. Die Zusammenarbeit funktioniert einfach gut und er ist ein ganz fantastischer Kollege und Freund.

Gab es rückblickend betrachtet Rollen, die Ihnen emotional zu schaffen machten?

Es gibt schon Figuren, die sehr reinkriechen. "Tod in den Bergen" war beispielsweise sehr heftig, auch "Oktober November", der letzte Film von Götz Spielmann - da begibt man sich schon in Tiefen und muss aufpassen, dass man seinen Humor nicht verliert. Aber Gott sei Dank habe ich ja viel davon und bin auch in einem sehr gesunden Umfeld. Insofern geht das dann relativ schnell wieder vorbei.

Woran arbeiten Sie momentan?

Wir haben gerade in München "Unter Verdacht" mit Senta Berger abgedreht. Ich spiele eine schwer depressive, sozial gefährdete Mutter, die mit dem Leben völlig überfordert ist. Auch das war eine ausgesprochen spannende Zusammenarbeit.

In welche Richtung gehen Ihre Wünsche für die Zukunft?

Wirklich wichtig wäre mir momentan eigentlich nur, dass wir angesichts der vielen Krisen und Konflikte, die sich momentan in der Welt abspielen, etwas näher zusammenrücken. Es hat mich sehr beeindruckt, wie die Menschen bei der Hochwasserkatastrophe im Juni spontan zusammengeholfen haben, dass dieses Miteinander funktioniert, wenn es darauf ankommt. Davon kann man nicht genug haben. Dann wiederum muss man mitansehen, wie die Menschen in Syrien gerade alles verlieren und unfassbar bedroht sind. Ich glaube, das einzige was man tun kann, ist aufeinander zu schauen und großzügig zu sein, nicht hartherzig im Umgang mit Unbekannten. Daran läge mir sehr viel.

Christine Dobretsberger, 1968 in Wien geboren, freie Journalistin und Autorin, Geschäftsführerin der Text- und Grafikagentur Lineaart.