Es war einfach die Art, wie wir bei den Proben miteinander umgehen konnten. Ich fand ihn streng, aber gerecht. Kritik bezog sich immer nur auf die Arbeit und ging nie unter die Gürtellinie. Und er ist nicht nachtragend.

Sie konnten also Kritik zum Ausdruck bringen, wenn Sie etwas nicht in Ordnung fanden?

Ich konnte das sagen. Schließlich sind wir eine große Strecke zusammen gegangen und da entwickelt sich einfach Vertrauen.

Im Jahr 2000 folgten Sie Peymann nach Berlin. Was war letztlich ausschlaggebend, dass Sie drei Jahre später wieder ans Burgtheater zurückkehrten?

Es gab immer die Option zurückzukommen, und es lag an mir, diese Entscheidung zu treffen. Als aus Wien das Angebot kam, mit Brandauer "Hamlet" zu machen, habe ich nicht gezögert. Und drei Jahre Berlin haben mir fürs Erste auch gereicht.

Wovon hatten Sie genug?

Es ist einfach so, das muss man ganz offen sagen: Für Theaterschauspieler ist Wien einfach die Insel.

Ist es also tatsächlich so und nicht nur ein oft bemühtes Klischee?

Nein, das ist so. Theater und Schauspieler haben in Wien einen ganz anderen Stellenwert beim Publikum als dies beispielsweise in Deutschland der Fall ist. Das konnte man zuletzt auch wieder beim Jubiläumskongress "125 Jahre Burgtheater" sehen. Früher wurden sogar die Kutschen geschmückt, mit denen die Kollegen zum Theater gebracht wurden. In Wien wird dem Theater und dem Schauspieler eine große Wertschätzung entgegen gebracht. Und das vermisst man dann natürlich, wenn man in einer anderen Stadt spielt.

Andererseits waren Ihre Anfänge in Wien auch nicht immer einfach. In Ihrer Autobiographie gibt es die Episode mit dem Taxifahrer, der Sie nach einer Abendprobe am Bühneneingang des Burgtheaters abholte. Als er erfuhr, dass Sie eine Deutsche sind, forderte er Sie auf auszusteigen, weil er nicht unterstützen wollte, dass das österreichische Nationaltheater in deutscher Hand ist.

Ja, aber letztendlich beweist auch diese Begebenheit, dass sich die Menschen in dieser Stadt um die Zukunft des Burgtheaters kümmern. Der Taxilenker fand die damalige Situation einfach nicht in Ordnung.

Wobei sich die Ablehnung wohl in erster Linie gegen Peymann richtete.

Natürlich. Mein Glück ist, dass ich einen sehr günstigen Nachnamen habe.

Stimmt, der Name Happel ist auch Fußballfans ein Begriff.

Deswegen wurde ich hier auch sehr schnell aufgenommen.


Zur Person

Maria Happel, 1962 geboren, wuchs in einem Ort namens Rück im Spessart (Südwest-Deutschland) auf. Abitur in Hanau, anschließend Ausbildung am Bühnenstudio Hedi Höpfner in Hamburg. Ihre Karriere begann an den Schauspielhäusern in Bremen, Köln und Hannover, bevor Claus Peymann sie 1991 ans Wiener Burgtheater holte. Im Jahr 2000 folgte sie Claus Peymann zunächst ans Berliner Ensemble, ehe sie zur Spielzeit 2002/03 wieder ans Burgtheater zurückkehrte.

Neben der Schauspielerei führt Maria Happel auch Regie. Anfangs überwiegend bei den Festspielen Reichenau, später auch am Burgtheater bzw. am Landestheater Niederösterreich. Daneben ist Maria Happel eine versierte Hörspielsprecherin. Sie spielt Klavier und Orgel und ist eine ausgebildete Mezzosopranistin.

1999 wurde sie mit der Kainz-Medaille der Stadt Wien geehrt, im Jahr 2003 erhielt sie den Nestroy-Theaterpreis als "Beste Schauspielerin" für ihre Rolle als Maria Planck in dem Stück "Das Leben der Plancks". 2004 wurde sie mit dem ORF Hörspielpreis in der Kategorie "Schauspielerin des Jahres" ausgezeichnet.

Maria Happel ist mit ihrem Kollegen Dirk Nocker verheiratet, mit dem sie zwei Töchter hat.

Literaturhinweis: Maria Happel "Das Schnitzel ist umbesetzt. Was bisher geschah...", Amalthea Verlag, 232 Seiten, 22,95 Euro.

Christine Dobretsberger, 1968 in Wien geboren, jahrelang Kulturredakteurin bei der "Wiener Zeitung", lebt nun als freie Journalistin, Autorin und Geschäftsführerin der Text- und Grafikagentur "Lineaart" in Wien.