Auf einer Wellenlänge dürften Sie mit Ihrem Schriftsteller-Kollegen Werner Kofler gewesen sein. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und Freundschaft?

Fians Freund Werner Kofler (1947-2011). - © Foto: Marko Lipus
Fians Freund Werner Kofler (1947-2011). - © Foto: Marko Lipus

Kennengelernt haben wir einander 1976, als ich für den "Fettfleck" Texte keilte. Werner Kofler hat uns von Anfang an Texte zur Verfügung gestellt. Wir haben uns dann öfter getroffen, und irgendwann, das war, glaube ich, 1978, hatte er einen gebrochenen Ellbogen, weil er bei einem Spaziergang ausgerutscht war. Aufgrund dieser Verletzung konnte er auf der Schreibmaschine natürlich nicht tippen. Er musste zu diesem Zeitpunkt allerdings für den Wagenbach Verlag das Manuskript für sein Buch "Ida H." abliefern. Also hat er mich gefragt, ob ich ihm helfen könne, und da ich - das war der Vorteil der Handelsakademie -, das Zehnfingersystem beherrschte, habe ich eingewilligt, und Kofler hat mir "Ida H." diktiert.

Woraufhin Werner Kofler offensichtlich Gefallen am Diktieren gefunden hatte?

Das Diktieren hat ihm sichtlich Spaß gemacht, wohl auch im übertragenen Sinn. Ich habe danach noch drei oder vier weitere Manuskripte für ihn getippt, dann hatte er andere Sekretäre.

Zeigten Sie ihm damals auch Ihre Texte?

Ja. Er war ein schrecklich strenger Lehrer. Und irgendwann gab es dann von ihm ein Hörspiel, das nicht so recht funktioniert hat, und ebenso eines von mir. Wir beschlossen, ein gemeinsames daraus zu machen, nannten es "Feiner Schmutz, gemischter Schund", und es hat wunderbar geklappt. Daraufhin haben wir noch fünf weitere Hörspiele gemeinsam geschrieben. Das war eine sehr angenehme Arbeit.

Generell galt Werner Kofler als eher streitbarer Zeitgenosse.

Möglicherweise bin ich der einzige, der niemals mit ihm Streit hatte. Er war gewiss ein schwieriger Mensch, aber ein wirklich grandioser Dichter, der sträflich unterschätzt wird. Ich hoffe, es wird etwas mit der geplanten Werkausgabe im Wiener "Sonderzahl"-Verlag, damit Werner Koflers Schaffen nicht in der Versenkung verschwindet.

Germanisten ziehen gerne Vergleiche zwischen Ihrem und Werner Koflers Werk. Sehen Sie sich als Verwandte im Geiste?

Das waren wir schon, sonst hätte unsere Freundschaft nicht über 30 Jahre gehalten. Uns hat natürlich auch verbunden, dass wir beide Kärnten sehr gerne mögen.

Es gibt auch die Theorie, dass vieles, was in Koflers Texten rätselhaft erscheint, vor dem Hintergrund Ihres Werkes schärfere Konturen gewinnt. Sehen Sie das ähnlich?

"Ich wollte schon als Mittelschüler Schriftsteller werden. Und wenn man das will, ist auch klar, dass man sicher nicht Germanistik studieren wird." Antonio Fian - © Foto: Robert Wimmer
"Ich wollte schon als Mittelschüler Schriftsteller werden. Und wenn man das will, ist auch klar, dass man sicher nicht Germanistik studieren wird." Antonio Fian - © Foto: Robert Wimmer

Darüber habe ich, ehrlich gesagt, noch nicht nachgedacht. Ich glaube schon, dass vieles in Werner Koflers Werk schwer zu verstehen ist, manche Anspielungen sind sehr speziell. Uns hat aber auch verbunden, dass wir im Gegensatz z. B. zu Thomas Bernhard, dessen Satire von Pauschalverurteilungen lebt, immer konkrete Namen nennen, wenn es zur Sache geht.

Dieser Zugang zur Realsatire brachte Ihnen auch den oft und gerne zitierten Vergleich ein, Sie seien der Manfred Deix der österreichischen Literatur.

Dieser Vergleich ehrt mich sehr. Deix ist meiner Ansicht nach von den österreichischen Zeichnern der inhaltlich gnadenloseste und technisch beste. Er ist auch ein erstklassiger Reimer.

Manfred Deix nutzt für seine Recherchen, die österreichische Volksseele zu erkunden, vorzugsweise die Barbara-Karlich-Show. Dient Ihnen diese Sendung ebenfalls als Inspiration?

Nein, die Karlich-Show halte ich nicht aus. Lieber gehe ich in Wien oder Spittal ins Wirtshaus, nicht um die absurden Gespräche mitzuhören, sondern um diese Atmosphäre zu spüren, in der selbst das Absurdeste möglich wäre.

Christine Dobretsberger, 1968 in Wien geboren, freie Journalistin und Autorin, Geschäftsführerin der Text- und Grafikagentur Lineaart.