. . . oder Ein-Personen-Unternehmen.

Dafür haben sie wenig Sensibilität. Und sie sind leider immer noch nicht die Vordenker, wie man Arbeit sinnvoll verteilt. Der Aspekt der Endlichkeit der Ressourcen wird nicht genügend beachtet. Wir dürfen die Umweltfrage heute nicht mehr auf die Atomkraft und Energiewende-Thematik beschränken.

Und wie grenzen Sie sich vom kommunistischen Gedankengut oder von Globalisierungskritikern ab?

Wir sind für eine ökosoziale Marktwirtschaft. Ich glaube nicht, dass es einen grundsätzlichen Gegensatz gibt zwischen Unternehmertum, Marktwirtschaft und nachhaltiger Zukunft. Ganz im Gegenteil: Wir brauchen die Unternehmen, ihre Fähigkeiten und gut ausgebildeten Kräfte, um diesen Wandel hinzubekommen und unseren Wohlstand aufrechtzuerhalten.

Von Globalisierungskritikern grenzen wir uns nicht so sehr ab. Wir brauchen den Primat der Politik und des Sozialen. Das haben auch die Väter der sozialen Marktwirtschaft immer gesagt. Weder Ludwig Erhard noch Walter Eucken oder John Maynard Keynes hätten den Raubbau für gut geheißen und gebilligt, dass die Finanzmärkte völlig entgleist sind.

Dass die deutsche Bundesregierung jetzt endlich den flächendeckenden Mindestlohn einführt, ist ein Segen für ganz Europa. Damit die bösartige, ganz problematische Niedriglohnarbeit ein Ende hat. Das reichste Land Europas hat heute und in Zukunft ein echtes Armutsproblem! Von den vielen Exporten hatte die Bevölkerung ja nichts.

Sie spielen auf das Bild vom "Exportweltmeister" Deutschland an.

Mit dem Weltmeistergerede haben sie die Wähler und Wählerinnen bei der Stange gehalten. Was wir brauchen, ist eine "Große Koalition" der Finanzkrisenverlierer für ein soziales Europa. Die große Frage ist, ob wir es schaffen, die Probleme Europas solidarisch zu lösen oder nicht. Das erhoffe ich mir von den Sozialdemokraten. Und ich hoffe dass der Sozialdemokrat Martin Schulz (der bisherige EU-Parlamentspräsident und Spitzenkandidat der Europäischen Sozialisten bei der Europawahl, Anm.) im Herbst EU-Kommissionspräsident wird. Die unsoziale Entwicklung der letzten 20 Jahre braucht ganz dringend ein soziales Korrektiv. Aber eben auch ein ökologisches. Deshalb wollen wir mit unserem Buch Mut machen und sagen: Lasst uns doch der Realität ins Auge sehen. Wir müssen vor gar nichts Angst haben, es ist alles da, was wir brauchen. Gemeinsam können wir für uns und für die nachfolgenden Generationen eine gute Zukunft gestalten. Packen wir’s an.

Heike Hausensteiner war von 1996 bis 2005 Politik-Redakteurin der "Wiener Zeitung", danach war sie u.a. Autorin der Eurobarometer-Berichte für Österreich, Chefredakteurin des Monatsmagazins "european - was uns verbindet". Sie schreibt nun für österreichische und deutsche Medien.