Zum Beispiel?

Ein Low-Cost-System für die Wasserdesinfektion in der Dritten Welt. Das basiert darauf, dass Sonne Keime im Wasser abtötet. Man braucht Wasser eigentlich nur in Plastikflaschen zu füllen und lange genug in der Sonne stehen zu lassen, um dann Trinkwasser zu bekommen. Das Pro-blem ist allerdings, dass man von außen nicht sehen kann, wann das Wasser so weit ist. Am Happylab gab es Leute, die einen Schraubverschluss mit Sensor entwickelt haben, der genau das misst und obendrein billig ist. Nach ersten Proben ist das System erfolgreich in Serie gegangen. Oder es gab jemanden, der bei uns ein Gefäß für Protein-Shakes entworfen hat. Auch der verkauft bereits kommerziell. Und auch Roboter, für die sich die Wiener Feuerwehr interessiert, sind bei uns als Prototypen gemacht worden. Daran sieht man also schon, dass der Zugang zu Technologien wie 3D-Druck, CNC-Fräsen, Lasercutten, den kleine Entwickler früher aus Kostengründen nicht hatten, einen enormen Innovationsschub bedeuten kann.

Öffentliche Stellen und erst recht die Wirtschaft müssten an dieser Entwicklung großes Interesse haben und daher auch bereit sein, sie zu fördern. Tun sie das?

Das Happylab ist zwischen 2008 und 2010 in Wien aus einem EU-Projekt im Bereich der Robotik entstanden. Wir haben damals ein Labor mit Geräten für die digitale Produktion gehabt, nutzten die aber natürlich nicht permanent. Daraus hat sich die Idee ergeben: Wenn wir es nicht ständig brauchen, können wir es ja für andere öffnen. Förderungen dafür gab es aber kaum. Inzwischen erkennt die Politik aber sehr wohl, dass der Bedarf an Fab-Labs, also Orten wie das Happylab, wo Private neue Technik wie den 3D-Druck nützen können, sehr groß ist. Wir haben heuer im Herbst ein Happylab in Salzburg eröffnet, in Graz und Linz besteht ebenfalls Interesse. Auf der Wirtschaftsseite ist die Haltung noch ziemlich ambivalent.

Vielleicht, weil die Fab-Lab-Bewegung auch etwas Kapitalismuskritisches hat: Wenn jeder Konsument seine Sachen selbst entwirft und dann im Fab-Lab um die Ecke mit dem 3D-Drucker ausdruckt, wo bleibt dann die Macht der Konzerne?

Der Gedanke einer demokratischeren Wirtschaft stellt sich in diesem Zusammenhang ja tatsächlich. Für mich bedeutet Demokratisierung, dass der Konsument in den Produktionsprozess eingreifen kann und nicht mit Produkten beglückt wird, die er vielleicht gar nicht braucht. Da kommt freilich auch die ganze Open-Source-Problematik ins Spiel, die Frage, ob Firmen die digitalen Baupläne ihrer Produkte verstecken oder im Gegenteil öffentlich machen sollten, um sie für Verbesserungen zugänglich zu machen. Die einen sehen das als Chance, andere als Bedrohung. Letztlich passiert derzeit auf der Produktebene dasselbe, was in den letzten zwei Jahrzehnten mit Information passiert ist. Früher konnten die meisten Menschen Information nur konsumieren, die Produktion war im Wesentlichen einer kleinen Gruppe vorbehalten: den Journalisten. Heute kann jeder Videos ins Netz stellen, Blogs schreiben und seinen Senf dazu geben. Auf der physischen Ebene kommt das jetzt auch. Der Konsument will eben mitreden, ob die Couch so oder so breit ist, so oder so weich. Man könnte fast sagen, auf die Demokratisierung der Information folgt die Demokratisierung der Produktion, das Internet der Dinge eben.

Wobei es im Internet auch jede Menge Schrott zu sehen und zu lesen gibt. Werden wir in Zukunft neben kruden Verschwörungstheorien und schlecht recherchierten Blogs auch noch tollpatschig designte Tische der Marke Eigenbau haben, selbst gebastelte Schränke und Selfie-Betten, die beim Sex zusammenbrechen?

Vielleicht. Und wenn es so kommt, werden wir lernen, damit umzugehen. Noch vor zwanzig, dreißig Jahren konnte jeder bei einem Buch, einem Artikel davon ausgehen, dass diese Texte irgendeine Form der Selektion, der Qualitätskontrolle durchlaufen. Bei Informationen aus dem Netz ist das heute meist nicht der Fall. Und trotzdem können die meisten von uns auch im Internet die Spreu vom Weizen trennen. Es haben sich außerdem letztlich auch im Internet Formen der Qualitätskontrolle etabliert wie Bewertungen von Blogs in anderen Blogs, Klickraten, Ratings, was auch immer. Im Internet der Dinge wird es ähnlich sein. Aber natürlich wird nicht alles, was auf den Markt geworfen wird, perfekt sein. Das ist es heute aber auch nicht.

Beim Thema Open-Source darf natürlich auch die Frage nach geistigem Eigentum nicht fehlen. Wenn Musik digital verfügbar ist, ist die Versuchung, sie zu klauen, groß. Bei Bauplänen auch. Erst recht, wenn ich die Dinge selbst ausdrucken kann.

Das ist sicher eine Herausforderung. Andererseits zeigt gerade die Musikindustrie, dass es möglich ist, hier einen Weg zu finden. Die Musikindustrie lebt ja ganz gut im neuen Zeitalter. Und abgesehen davon greift der Schutz durch das Urheberrecht in der Realität ohnehin sehr selektiv. Wie viel Schutz hat schon ein einzelner Designer gegenüber einem Konzern, der ihm eine Idee stiehlt? Der Konzern hält im Notfall einen Rechtsstreit ja viel länger durch. Deshalb gibt es ja auch die Idee, Innovationen nicht zu verstecken, und zu hoffen, dass das Patent eines Tages von einem Großkonzern gekauft wird, sondern stattdessen Vertriebswege zu finden, wo man größere Mengen direkt an die Leute bringt. Bei Produkten, die mit einem 3D-Drucker ausdruckbar sind, kann man zum Beispiel das Design um einen kleinen Beitrag auf einer Internetplattform zum Download anbieten. Ausdrucken soll es der User dann selbst.