Wenn man Dinge verschenkt oder fast verschenkt, ist irgendwann niemand mehr bereit, dafür einen angemessenen Preis zu bezahlen. Bei Medieninhalten im Internet ist genau das heute der Fall: der User erwartet, dass der Content gratis ist.

Ich weiß nicht, ob das immer stimmt. Aber selbst wenn es so wäre: Im Elektronikbereich gibt es viele Unternehmen, die gerade deshalb erfolgreich sind, weil sie ihr geistiges Eigentum gratis hergeben. Ein gutes Beispiel ist Arduino, ein Hersteller von Mikrokontrollern. Arduino stellt die Baupläne seiner Mikrokontroller ins Netz. Jeder kann die gratis runterladen und ganz legal nachbauen. Trotzdem geht es dem Unternehmen gut, weil eben nicht jeder die Lust und die Zeit hat, sich seine Kontroller selber zusammenzulöten. Gleichzeitig profitiert Arduino aber davon, dass es auch Leute gibt, die die Kon-troller selber bauen, weil dadurch unglaublich viel Know-how entsteht, das Arduino nutzen kann. Und auch außerhalb der Elektronikbranche kann sich ein offenes System lohnen. Bei Ersatzteilen kann es billiger sein zu sagen: Bevor ich den Aufwand für Verwaltung, Verpackung, Versand habe, verschicke ich lieber den Bauplan an den Kunden und der soll sich das selbst ausdrucken.

Vorausgesetzt, er hat zu Hause einen funktionstüchtigen 3D-Drucker. Wird in zehn Jahren wirklich jeder so ein Gerät daheim haben, das ihm alle möglichen Dinge des täglichen Bedarfs produziert?

Das ist schwierig zu beantworten. Im Prinzip glaube ich schon, dass 3D-Drucker ähnlich populär sein werden wie heute normale Computerdrucker. Andererseits gibt es wie bei herkömmlichen Druckern auch hier Beschränkungen. Ich kann zum Beispiel nur Dinge drucken, die im Bauraum meines Druckers Platz haben. Das heißt, für große Dinge brauche ich auch große Geräte und die werden die meisten User nicht unbedingt daheim stehen haben wollen. Am Ende wird es wohl so sein: Für manche Anwendungen wird man Geräte zu Hause haben, wie heute für den Druck im A4-Format, für andere Anwendungen wird man mit seinem Datenträger zu einem Dienstleister gehen. So wie heute, wenn Sie etwas in einem großen Format ausdrucken wollen.

Wie real ist die immer wieder erwähnte Gefahr, dass man mit 3D-Druckern auch Waffen ausdrucken kann, in Zukunft vielleicht sogar Bomben?

Mit etwas bösem Willen kann auch heute jeder höchst gefährliche Dinge zu Hause produzieren. Ich muss kein Chemiker sein, um im Internet zu recherchieren, wie man eine Bombe baut. Aber es stimmt schon: Jedes Werkzeug kann missbräuchlich verwendet werden, auch ein 3D-Drucker. Trotzdem wäre ich gegen zu strenge Auflagen oder Beschränkungen. Wenn einer, warum auch immer, Gewalttaten begehen will, wird er das auch ohne 3D-Drucker schaffen.

Ein anderer Einwand ist: Der 3D-Druck bedeutet das Ende des Handwerks, weil wenn jeder selbst designen und produzieren kann, niemand mehr Einzelstücke produzieren lässt, zum Beispiel beim Tischler.

In den allermeisten Fällen haben die Leute auch heute keine handgefertigten Einzelstücke vom Tischler, sondern eher Ikea-Möbel. Insofern kann der 3D-Druck zu deutlich mehr Vielfalt führen als heute. Derjenige, der sich ein teures Einzelstück nicht leisten kann, aber auch nicht den Einheitsbrei der großen Hersteller haben will, kann hier tätig werden. Das teure Designerstück vom Handwerker wird deshalb nicht aussterben.

Piotr Dobrowolski, geboren 1965, war u.a. Außenpolitik-Chef bei "Format" und Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Frontal" und ist nun als freier Journalist tätig.