Im Zuge der aktuellen Bienenschutzdebatte wurde in verschiedenen Medien propagiert, müde Bienen mit einem Tropfen Zuckerwasser zu füttern? Macht das Sinn?

Moosbeckhofer: Das könnte ich mir nur in einem sehr speziellen Fall vorstellen, nämlich unter einer Linde. Linden sind für Hummeln und Bienen sehr attraktiv. Eine Zeitlang hat man auch gerätselt, ob der Nektar für diese Insekten giftig ist, weil man viele tote Tiere unter den Bäumen gefunden hat. Heute weiß man, dass es ein Problem des Nahrungsmangels bzw. der Nahrungskonkurrenz ist. Die Linde blüht zu einer Zeit, in der andere Futterquellen in vielen Gegenden schon knapp werden. Die Bäume locken aus der ganzen Gegend Bienen und Hummeln an, die diesen Nektar trinken wollen. Wenn aber nichts mehr da ist, können sie nicht auftanken und fallen erschöpft zu Boden. Denen könnte man einen Tropfen Zuckerwasser geben. Dann fliegt die Biene entweder nach Hause oder stürzt sich wieder auf die Blüten.

Grundsätzlich aber bringt es nichts, müde Bienen zu füttern, denn es ist von der Natur so vorgesehen, dass eine kranke oder alte Biene den Stock verlässt und außerhalb stirbt. Damit reinigt sich der Stock selbst von Krankheitserregern.

Sind Bienen intelligente Lebewesen?

Moosbeckhofer: Vom Lernverhalten her sind Bienen extrem dressurfähig, da genügt eine Duftkombination mit einem Tropfen Zuckerwasser - und schon hat die Biene den Duft gelernt. Man kann Bienen innerhalb kürzester Zeit auf Formen, Farben und Zeit dressieren. Bienen kennen die "Blumenuhr", d. h. manche Pflanzen bieten Nektar oder Pollen nur zu bestimmten Tageszeiten an und die Biene weiß genau, wann das ist. Bienen können auch durch Belaufen eines Hohlraumes dessen Volumen schätzen. Auf die Kleinheit ihres Gehirns bezogen, sind Bienen außerordentlich leistungsfähig. Man wundert sich, wie eine Biene mit ihren paar Neuronen solche Leistungen vollbringen kann! Aber wahrscheinlich macht sich die Biene - im Unterschied zum Menschen - keine Gedanken und Sorgen und plant nicht für die Zukunft . . .

Ist ein Bienenvolk demokratisch organisiert?

Moosbeckhofer: Ich möchte nicht sagen, dass alle Macht vom Volke ausgeht, aber eine Bienenkönigin ist nichts ohne ihre Bienen. Es gibt eine sehr große Abhängigkeit im Bienenvolk. Jedes Lebewesen ist auf das andere angewiesen, und manche Entscheidungen werden durch Abstimmungsverhalten getroffen. Schon ein paar Tage, bevor ein Schwarm auszieht, fliegen Spurbienen aus und erkunden mögliche Nistplätze in der Umgebung. Dann kommen sie zurück und animieren weitere Bienen, sich die Plätze anzuschauen. Je nachdem, wieviel Werbung diese für einen bestimmten Platz machen, entscheidet sich der Schwarm.

Ist Imkern wieder modern geworden? Früher waren Imkerversammlungen ja doch eher "Altherrenrunden"?

Kopetzky: Die Imkerschaft ist stark im Wandel begriffen: Von denen, die jetzt neu beginnen, tun es viele sehr bewusst und aus anderen Beweggründen als früher. Durch Menschen, die aus unterschiedlichsten Fachgebieten kommen, hat die Stadtimkerei einen Aufschwung erlebt. Viele stehen dem Phänomen der globalisierten Wirtschaft distanziert gegenüber und setzen auf kleinteilige, regionale Bewirtschaftung. Dadurch werden auch viele neue und als naturnah propagierte Methoden ausprobiert - und bewährte auf den Kopf gestellt. Wenn das aber bedeutet, das Bienenvolk möglichst sich selbst zu überlassen, sind diese Versuche meist zum Scheitern verurteilt.

Moosbeckhofer: Auch die Statistiken zeigen, dass jetzt wieder mehr junge Leute und mehr Frauen imkern. Heute gibt es viel mehr frei zugängliche Informa- tion. Früher waren das fast Geheimzirkel, und es gab wenig Austausch und Wissensweitergabe zwischen den Imkern. Jeder hatte seine Geheimrezepte, und jeder hat die Bienenbeute (Kisten, in denen die Bienen wohnen, Anm.) des anderen abgewandelt und verbessert - schließlich gibt es auch den Spruch, dass jeder Imker, der etwas auf sich hält, ein Buch schreibt und ein neues Beutenmaß erfindet. Dabei ist es der Biene rein biologisch völlig egal, in welcher Kiste sie sitzt, wir haben das am Institut ausprobiert.

Kopetzky: Das scheint ein mitteleuropäisches Phänomen zu sein, denn auf der ganzen anderen Welt haben sie Dadant als Beutenmaß - und damit hat es sich. Wahrscheinlich gibt es hier viel mehr Bastler und Tüftler.

Was sind die größten Anfangsfehler in der Imkerei?

Kopetzky: Man soll bloß nicht glauben, dass einem die Fehler der Anderen nicht passieren, und es ist wesentlich, mit mindestens drei Völkern zu beginnen, außer man imkert in der Gruppe. Nur so hat man ausreichende Vergleichsmöglichkeiten, weil sich jedes Bienenvolk ein bisschen anders verhält, und kann eine strikte Auslese treffen, um die besten Bienen weiter zu züchten. Man sollte immer mehr Bienen haben, als man braucht. Bienenhaltung ist nicht so einfach, wie oftmals suggeriert wird, aber das ständige Weiterlernen und Weiterentwickeln ist auch die Herausforderung daran.

Moosbeckhofer: Mir wäre auch wichtig, den Jungimkern zu vermitteln, dass es gesetzliche Vorschriften für die Aufstellung von Bienen gibt, es müssen etwa bestimmte Abstände zu den Nachbargrundstücken eingehalten werden. Auch wenn die Imkerei grundsätzlich frei ist, gibt es eine Reihe von rechtlichen Rahmenbedingungen bis hin zum Lebensmittelgesetz, die beachtet werden müssen. Wir sind auch immer wieder mit enthusiastischen Anfängern konfrontiert, die möglichst "natürlich" ohne jeden Eingriff imkern wollen. Diese tun den Bienen keinen Gefallen, wenn sie sich nicht um die Varroamilbenbekämpfung und um die Schwärme kümmern oder einfach leere Bienenkisten in der Landschaft aufstellen wollen. Schon aus seuchenhygienischen Gründen ist eine gewisse Kontrolle notwendig. Daher gefällt mir das Kooperationsprojekt gut, weil es die Menschen langsam an die Bienenhaltung und die Verantwortung, die damit verbunden ist, heranführt. In der Gruppe lassen sich auch viele Tätigkeiten leichter organisieren und abstimmen.