Weil man Todesangst hat! Hofmannsthals Texte müssen sich reimen. Ein vertauschtes Verb, ein improvisiertes Wort - und man ist verloren! Bei einem Prosatext kannst du dich notfalls noch irgendwie hinüberschwindeln, wenn dir ein ganz bestimmtes Wort nicht einfällt. Das geht bei Hofmannsthal nicht - und darin gründet auch die größte Angst aller "Jedermann"-Spieler.

Was gab letztlich den Ausschlag, dass sich Anfang der 1960er Jahre die Weichen in Richtung Film gestellt haben? Obgleich Sie einen Dreijahresvertrag am Theater in Bonn in der Tasche hatten, entschieden Sie sich für den Film und drehten nun am laufenden Band, zunächst in Berlin, anschließend in Hollywood, London, Rom . . .

Ich hatte damals schon viele kleine und größere Rollen beim Film gehabt und im Sommer nach meinem neunzehnten Geburtstag kam von Richard Widmark das Angebot, den amerikanischen Film "Geheime Wege" zu drehen. Ab diesem Zeitpunkt ging es dann eigentlich so richtig los. Kurz darauf kam der Vertrag nach Amerika, das passierte alles im Laufe eines Sommers . . .

Würden Sie sagen, dass es Ihre mutigste berufliche Entscheidung war, nach Hollywood zu gehen?

Ja, und diese Entscheidung musste ich auch jeden Tag überprüfen. Die fremde Stadt, die fremden Menschen, die fremde Sprache, damals stürzte vieles auf mich ein. Ja, das war wirklich mutig, aber mutig aus Unwissenheit, aus jugendlicher Unerfahrenheit heraus.

Trotz Ihrer fulminanten Karriere haben Sie auch das Kunststück eines intakten Familienlebens zuwege gebracht. Sie sind seit 49 Jahren verheiratet, haben zwei mittlerweile erwachsene Söhne - wie ließ sich all dies unter einen Hut bringen?

Das kann man ja nicht erklären. Mein Mann und ich können es uns selbst nicht erklären. Mein jüngerer Sohn meinte einmal: "Zwischen euch kann man kein Blatt legen." Und so ist es. Wir sind sehr eng. Wir waren so jung, als wir uns kennen gelernt haben. Wir sind wirklich sehr zusammengewachsen und einen gemeinsamen Weg gegangen.

Sind Sie ein toleranter Mensch?

Mein Mann würde jetzt zwar lachen, aber ich glaube, ich bin sehr tolerant geworden.