Mich interessiert die Aufgabe, weil sie neu ist. Wenn der Ringturm nicht gut gewesen wäre, hätten sie es nicht wieder gemacht. Das war eh das Beste, was dort bis jetzt passiert ist: Don Giovanni und die Frauen - aufsteigende, kreisende Menschen. Das hat einen Sinn, weil die Architektur eine Bewegung bekommt. Die Leute erreiche ich mit meinen Weinetiketten und meinen Briefmarken auch.

Für Ihre Attersee-Wurst haben Sie damals aber auch viel Kritik geerntet.

Das ist ein Blödsinn, die amerikanischen Künstler wie der Warhol haben das auch dürfen. Das, was ich gestalte, Coladosen oder Sachertorten-Kisten, das sind meistens Geschenke, ich verdiene nichts dran. Das ist ein Riesenerfolg, weil es unter Menschen kommt. Wofür das Geld gespendet wird, darf ich mir aussuchen.

Gibt es etwas, das Sie keinesfalls "atterseeisieren" würden?

Ich lehne viel ab, ich kann ja nicht ununterbrochen was unterstützen - ich muss mein Werk weiterentwickeln. Ich lebe ja davon. Das Geld selbst hat mich aber nie interessiert, ich habe keine Kinder, ich brauche niemanden erhalten. Wenn’s mir einmal schlecht geht, werde ich irgendwas verkaufen. Ich bin so arm aufgewachsen, ich habe gelernt zu hungern und zu warten.

Ich erzählw Ihnen eine Geschichte über den H.C. Artmann: Ich sitze in Berlin und sehe ihn unten auf der Straße im Mistkübel herumstierln, er findet eine Kartoffel und isst sie. Ich habe eigentlich weinen müssen, so ein bedeutender Mensch - und so wenig kann er in der Welt mit seinem Beruf überleben. Da habe ich gesagt, ich werde sicher nie im Leben etwas anderes als ein Künstler. Das war mir ein Vorbild, dass jemand so weit gehen muss, damit er Künstler bleiben kann.

Sie waren selbst Flüchtlingskind. Was geht in Ihnen angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise vor?

Es beschäftigt mich leider so, dass ich schon Angst habe, den Fernseher einzuschalten, weil es mir zu viel ist. In Wahrheit wird sogar zu wenig präsentiert, weil so viel auf der Strecke bleibt, es ertrinken viel mehr Menschen, es werden viel mehr erschossen. Ich war gerade in Ägypten, bin mit einem Schiff den Nil hinaufgefahren. Mein Guide, ein Kopte, erzählte von kleinen Orten, in denen alle erschossen wurden. Davon ist nie etwas in der Zeitung gestanden, die bringen alle Christen um, es ist verheerend. In unseren Zeitungen steht mehr über Fußball als über Flüchtlinge. Wir sind ein reiches Europa, wir müssen dieses Problem lösen. Wir Künstler versuchen natürlich zu spenden, aber das geht ja in Dimensionen, die kann ein Privatmensch nicht stemmen.

Sie haben die Slowakei, Ihre erste Heimat, als Kind verlassen. Wo haben Sie heute so etwas wie ein Heimatgefühl?

Ich habe keine Heimat in dem Sinn, ich lebe von einem zum anderen Tag. Mich interessiert die Vergangenheit nicht, für mich ist der Sinn des Lebens, dass man Teil der Schöpfung und an ihr beteiligt ist - und das tue ich auch mit gewaltiger Kraft und Ernst. Für mich ist Erfolg schon wichtig, aber es ist nicht der Sinn des Lebens.

Beschäftigt Sie Ihre Stellung am Kunstmarkt?

Nein, das interessiert mich überhaupt nicht, das ist lächerlich. Das hängt ja nur von Manipulanten ab, da ist immer Schwindel dabei. Der große weltweite Kunsthandel - das hat mit Kunst nichts zu tun. Der große Kunstmarkt kann mich von Österreich aus nichts angehen, wir haben diese großen Kunsthändler nicht. Wir haben den österreichischen Handel - und der reicht auch aus, um zu leben.

Sie kennen die österreichische Kulturszene seit über 50 Jahren. Was wäre Ihrer Ansicht nach zu tun?

Das Problem in Österreich ist so wie in vielen Ländern, dass Kultur mit öffentlichen Geldern immer einen Hauch von Korruptheit hat. Es gibt immer zu wenig Geld für Kultur, aber ich bin gegen Stipendien. Das sind Tröpferl- aktionen, jedem jungen Künstler 3000 Euro zu geben und nach drei Monaten muss er wieder betteln. Das ist meistens verschenktes Geld. Ich glaube, dass Kunst nicht zum Geldverdienen da ist. Jeder will Maler werden, weil das am schnellsten geht, da kann man mit einem mittelmäßigen dekorativen Bild Geld verdienen. Ein dekoratives Bild ist aber nicht Aufgabe der Kunst. Die Aufgabe ist, eine Meinung zu haben, zu verändern mit der Kunst, neue Wege zu finden. Das ist wichtig, nicht das Geldverdienen. Sie haben von 1990 bis 2009 an der Angewandten unterrichtet. Ist der Künstlerberuf einer, zu dem Sie jungen Menschen raten würden?

Nein, ich rate niemandem dazu. Aber wenn’s so viele werden wollen! Ich kann auch was weitergeben, ich kenne die Kunstgeschichte, kenne 50 Jahre Attersee-Sein. Die Studenten lernen dadurch auch, selbst eine eigene Sicht zu entwickeln, nicht die aus Lehrbüchern oder schlechten Kunstbüchern, die meistens von einfallslosen Kuratoren geschrieben worden sind. So unterrichte ich nicht.

Wenn man heute die Jugend in die Schulen schickt, lernen alle das Gleiche - und die Hälfte davon ist falsch. Oder sie googeln, das ist unsere Bildung heute.

Wohin entwickelt sich die Kunst Ihrer Meinung nach?

Ich bin der Meinung, dass die Aufgabe des Menschen ist, schöpferisch an der Schöpfung beteiligt zu sein. Mit einer eigenen Aussage. In der heutigen Kunst wird nur abgekupfert, wir haben die dritte oder vierte Postmoderne, das ist langweilig. Damit könnte man eine Art Ende der Kunst voraussehen: neue Generationen, die keine Bilder mehr brauchen, weil sie die im Fernsehen haben oder sie sich ausdrucken lassen. Oder sie haben eine elektrische Wand, wo sie sich den Louvre einschalten können. Das heißt, es muss etwas Neues passieren.