Sie produzieren unentwegt, bezeichnen sich als Kunstmaschine: Was ist Ihr Motor?

Ich male nur, weil ich dem Jetzt in die Nähe komme, weil ich die Gottnähe spüre und ein Ersterlebnis habe, das für mich zu einem Ganzkörperorgasmus führt. Ich bin eine Maschine, die dieses Glücksgefühl braucht. Das ist ein Mitgrund, warum ich überhaupt arbeite. Innerhalb des Malens passiert etwas, das ich mir nicht ausdenken kann.

Sie sind jetzt 75 Jahre alt geworden, wird Ihr Schaffensdrang mit dem Alter stärker?

Der ist immer gleich. In den Spiegel schau’ ich mich nimmer, aber die jugendliche Sehnsucht ist gleich geblieben. Ich denke nur ans nächste Bild. Dieser Rausch, wo mich eine andere Hand führt, das ist ein Glücksgefühl, das man mit keinem anderen vergleichen kann. Das heißt an der Schöpfung wirklich beteiligt zu sein. Ich bin ein Schauspieler der Kunst, weil ich in meinen Bildern auch gerne die Hauptrolle spiele. Ich erlebe die Bilder, das Wasser, das ich male. Ist eigentlich ein schöner Beruf, muss ich sagen.

Julia Rumplmayr lebt als freie Journalistin in Oberösterreich.