Ein anderes Signum Ihrer Arbeit ist, dass Sie gerne mit Kollegen zusammenarbeiten, etwa mit Friederike Mayröcker oder Bodo Hell. Warum?

Das Schönste an meinem Beruf ist, dass ich durch das künstlerische Tun mit Menschen zusammenkomme, die man normalerweise nicht kennen lernt. Das betrachte ich als großes Glück meines Berufes, dass ich Friederike Mayröcker, Bodo Hell und viele andere Künstler, Schriftsteller und Musiker kennen lernen und mit ihnen zusammenarbeiten durfte. Ich gehe ja mit diesen Gefährten auch immer ein Stück Weg mit.

Da ich auch seit Jahrzehnten diese Tageszeichnungen mache - also jeden Tag eine Zeichnung zu den Erlebnissen und Geschehnissen -, kommt das, was man mit den Kollegen erlebt, auch in diesen Zeichnungen vor. Wenn ich etwa mit Friederike Mayröcker zusammentreffe, schreibt sie in die Tageszeichnung immer ein "F" hinein. Dieses "F" wird dann von mir umrandet, damit kein anderer in ihren Kosmos hineinschreibt. Oder wenn ich über sie, Bodo Hell oder andere Kollegen etwas in der Zeitung entdecke, dann wird das in die Zeichnung hinein collagiert. Überhaupt lasse ich immer gerne Kollegen an meinen Tageszeichnungen mitarbeiten. Das macht alles viel lebendiger und spannender.

Wie sind Sie darauf gekommen, das aufwändige Projekt der Tageszeichnungen zu starten?

Das hat sich ergeben. Ich hatte überhaupt keine Zeit. Aber der Drang zum Arbeiten war so schmerzhaft, dass ich, wenn ich einen Tag nichts gemacht habe, das Gefühl hatte, dass mir etwas fehlt. Deshalb habe ich einen Zyklus mit täglichen Zeichnungen begonnen. Das habe ich in Singapur angefangen und ein Jahr lang durchgehalten. Dann habe ich nur mehr Wochen- und Monatszeichnungen gemacht und schließlich aufgehört. Aber mir ist diese Tätigkeit so abgegangen, dass ich 1988 wieder mit den Tageszeichnungen begonnen habe. Ich finde das sehr befriedigend. Das ist ein bisschen so, wie jeden Tag einmal tief Luft zu holen. Da denke ich nach, schaue mich um, fange mit einem Strich an - mein Denken geht über die Hand - und dann ist das schon da. Ich werde das sicherlich bis zum Ende meines Lebens machen.

Was haben Künstler, was andere Menschen nicht haben?

Friederike Mayröcker hat einmal in einer Rede gesagt, dass ihre künstlerische Begabung eine Art Rucksack ist, den sie durchs Leben trägt. Die Gabe, das Geistige auszudrücken, ist ein Privileg, das den Künstlern vorbehalten ist. Andererseits ist das ein schwerer Rucksack, den man nicht einfach ablegen kann, denn ein Künstler bleibt immer Künstler.