Ira Mollay, Betreiberin der Agentur "Mutmacherei", über die Wichtigkeit
von Good-News und das positive Veränderungspotenzial des Grantelns.

"Wiener Zeitung": Frau Mollay, wie funktioniert die "Mutmacherei"?

Ira Mollay: Die Grundidee ist, die Aufmerksamkeit auf Positives zu lenken. Wir holen jetzt seit fünf Jahren Projekte und Initiativen vor den Vorhang, die sich für einen Wandel einsetzen, sei es so-zial, ökologisch oder wirtschaftlich.

Also eine PR-Agentur für Nachhaltigkeit?

"Das Beschäftigen mit den positiven Ideen Anderer tut allen gut": Ira Mollay (l.) im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiterin Saskia Blatakes. - © Luiza Puiu
"Das Beschäftigen mit den positiven Ideen Anderer tut allen gut": Ira Mollay (l.) im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiterin Saskia Blatakes. - © Luiza Puiu

Nein! Der Ansatz ist ein ganz anderer. Meiner Einschätzung nach wollen diese Menschen, die solche Projekte betreiben, eine bessere Zukunft für uns alle gestalten. Und das macht mich persönlich dankbar und es macht mir Mut. Ich hab’ irgendwann begonnen, in meinen Vorträgen einzelne Projekte vorzustellen, und da hörte ich sehr oft von den Zuhörern: "Das hat mir jetzt Mut gemacht." Daher der Name. Dieses "Mut machende" will ich einfach weitergeben.

Was haben die Projekte davon?

Sie sind vielen Hindernissen und Kritik ausgesetzt. Die Betreiber müssen sich für staatliche Förderungen bewerben, sich um Investoren bemühen und dauernd erklären, was das Tolle an ihrer Idee ist und warum sie quasi besser sind, als alle anderen. Sie kriegen immer wieder Gegenwind, weil ihnen Leute, die selber vielleicht nichts tun, erklären, warum gerade ihre Idee nichts werden kann und was daran alles falsch ist. Ich fand das eigentlich nicht in Ordnung, dass engagierte Menschen sich dauernd derart beweisen und angreifen lassen müssen. Sie brauchen Rückenwind. Es ist wichtig, dass jemand auf sie zukommt und sagt: "Wir finden super, was ihr macht und wir unterstützen euch, so gut wir können." Der einzige Zusammenhang mit einer PR-Agentur ist, dass wir auch berichten und Öffentlichkeit schaffen. Aber PR handelt im Auftrag - und das tun wir nicht, sondern wir suchen uns die Projekte selber aus.

Was muss eine Idee haben, um von Ihnen "Rückenwind" zu bekommen?

Sie sollte möglichst viel an Paradigmenwechsel schaffen und möglichst alle drei Säulen der Nachhaltigkeit abdecken. Wenn etwas produziert wird, sollte auf die Umwelt geachtet werden und auf die Mitarbeiter. Viele lassen sich da sehr viel einfallen. Bei der "Mutmacherei" sind viele soziale Betriebe dabei, aber nicht nur. Es geht einfach um Visionen und Engagement.

In Deutschland gibt es mit Harald Welzers Stiftung "Futurzwei" ein ähnliches Modell. Wer hat hier wen inspiriert?

(Lacht.) Ich habe erst lange nach der Gründung der "Mutmacherei" von Futurzwei erfahren. Als ich Harald Welzer bei einer Veranstaltung traf, war ich fasziniert, denn wir haben genau den gleichen Ansatz, die gleiche Grundidee. Wer zuerst da war, weiß ich nicht. Die Mutmacherei gibt es jedenfalls seit fünf Jahren. Was ich schön finde, ist, dass im Laufe der Zeit immer mehr Menschen auf ähnliche Ideen kommen, weil eine starke Sehnsucht nach Positivität herrscht.

Warum ist das so?

Ich glaube, dass die Menschen mittlerweile erkennen, dass ihnen Negativität nicht gut tut. Nachdem wir jetzt jahrelang auf die Projekte geschaut haben, beschäftige ich mich zurzeit intensiv mit der Frage, warum wir überhaupt Positivbeispiele brauchen. Was machen die mit unserer Psyche, mit unserem Gehirn? Als Coach habe ich deshalb auch ein Trainingsprogramm entwickelt, "Brain 4.0". Man geht davon aus, dass es im Gehirn so etwas wie ein veraltetes Betriebssystem gibt, das eine Tendenz zum Negativen hat. Angst und Vorbehalte dienen dazu, uns vor Bedrohungen zu beschützen. Aber eben auch vor Veränderungen. Die Folge ist, dass Negatives vor unserem geistigen Auge stark "aufgeblasen" wird. Alles, was nur im Entferntesten fremd erscheint, meiden wir.

Gilt das für alle Menschen?

Als Schutzmechanismus ist das in jedem von uns angelegt. Die Frage ist, wie geht man damit um. Wenn man sich viel mit negativen Gedanken beschäftigt, kann das schnell eine Negativspirale auslösen, aus der man nur schwer herauskommt. Viele Menschen haben das für sich schon herausgefunden, dass es das eigene Leben leichter macht, wenn man mehr auf das Positive schaut. Neuropsychologie und Hirnforschung zeigen immer deutlicher, dass wir unser Gehirn selbst zum Guten verändern können. Das Gehirn formt sich danach, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Wenn man ständig negative Schlagzeilen liest, dann nimmt man in der Folge auch viel mehr Negatives wahr. Man glaubt, die Welt sei ein fürchterlicher, schrecklicher Ort und es ginge ohnehin alles den Bach hinunter.

Gerade das reiche Österreich ist als Hort der Grantler und Suderer verschrien. Sie haben also noch Hoffnung?

(Lacht.) Ja! Wir haben zwar diesen Ruf - und an dem ist schon viel dran. Aber das ist per se nichts Schlechtes. Wenn man darüber redet, was nicht passt, kann das ja auch ein Motor sein, etwas zu ändern. Schwierig wird, wenn man sich aufs Jammern konzen-triert und nichts tut. Erstens verbreitet es schlechte Stimmung, und zweitens tut es einem selbst nicht gut. Es macht krank und führt zu einer Lähmung und einer gelernten Hilflosigkeit. Das ist übrigens ein gutes Beispiel für positives Denken: Diesen grantigen Bevölkerungsteil gibt es, aber eben auch ganz viel Engagement.