Von Wien aus starteten Sie dann Ihre internationale Karriere und gastierten an den renommierten Opernhäusern der Welt. Angesichts der Tatsache, dass Sie wenige Jahre zuvor als Schlager- und Filmstar reüssierten, ist das Tempo dieser Karriere doch sehr außergewöhnlich. Wie kamen Sie mit dieser Situation zurecht?

Ich hatte gar keine Zeit, darüber nachzudenken. Jede neue Aufgabe war ein Sprung ins eiskalte Wasser.

Wie reagierten die hiesigen Kammersängerinnen und Kammersänger darauf, dass plötzlich eine junge Kollegin Hauptrollen singt, die zuvor Schlager- und Filmstar war?

Am Anfang war es schon ein Spießrutenlauf. Ich musste immer die höchsten Leistungen erbringen, 100 Prozent haben nicht gereicht, um zu überzeugen.

Da Ihre Karriere nicht kontinuierlich gewachsen ist, sondern in großen Schüben vorangetrieben wurde, stellt sich die Frage, wer Sie bei diesen Gewaltleistungen unterstützt hat?

Ich hatte immer großes Glück mit meinen Gesangslehrern. Jede Rolle, jedes Lied habe ich mit ihnen zusammen erarbeitet. Heute weiß ich, dass dies für mich der einzig richtige Weg war, sowohl für meine Stimme als auch für meine Karriere. Das Gleiche gilt in ähnlicher Form für die Korrepetitoren, die mich besonders in meinen Anfangszeiten sehr karniefelt haben! Natürlich war es für mich verständlich, dass diese renommierten Opern-Korrepetitoren echte Zweifel hegten, ob ich mit meiner sogenannten Schlagervergangenheit fähig sein würde, im "Rosenkavalier" eine Sophie oder in "Ariadne auf Naxos" eine Zerbinetta zu singen. Es war mein Ehrgeiz, es besser als gut zu machen, und ich war sogar dankbar für diese unerbittliche Strenge! Ich konnte Höchstleistungen bringen und letztendlich alle Zweifel wegsingen.

Ihren Ausführungen zufolge gewinnt man fast den Eindruck, Sie hätten intensive Probenzeiten sogar ein bisschen genossen. Ich bin ein Mensch, der sagt: Der Weg ist das Ziel. Zu Beginn hat man ein Ziel vor Augen, das sich im Laufe der Zeit zugunsten des Weges ein bisschen verwischt.

Der Tag der Premiere ist Ihnen im Grunde nicht so wichtig wie die Probenzeiten?

Ja, ich bräuchte eigentlich keine Premiere, sondern nur diese acht Wochen intensive Probenzeit, bis alles perfekt ist. Dann könnte der nächste Weg bereits beginnen.

In Ihrer Autobiografie "Ein Leben nach Spielplan" lassen Sie durchklingen, dass Sie es sich manchmal schwieriger gemacht haben, als es eigentlich notwendig gewesen wäre. Beispielsweise haben Sie in Lieder zusätzliche Koloraturen eingebaut. Oder wenn ich an das Lehár Festival 2015 denke: Im Musical "My Fair Lady" ist die Mrs. Higgins normalerweise eine reine Sprechrolle. Sie waren die erste Mrs. Higgins, die auch gesungen hat. Was reizt Sie an diesen ständigen Herausforderungen?

Das ist der Anspruch, den ich an mich stelle - auch heute noch. Für die Konzerte, die ich mit meinem Gesangsensemble, das heißt, mit meinen Schülern gebe, suche ich mir Lieder in einer für meine Stimme passenden Tonart aus und lege noch höheren Wert auf die Interpretation.

Die Kunst liegt heute also in noch stärkerem Maße im Detail?

Ja, man zeigt musikalische Feinheiten. Ich überlege mir, womit kann ich jetzt die Menschen erfreuen und dem Werk gerecht werden? Es liegt mir enorm viel daran, das Niveau zu halten.

Würden Sie sagen, dass Sie mit derselben Ernsthaftigkeit an ein Wienerlied herangehen wie an eine Opernarie?

Da gibt es für mich keinen Unterschied. Ich habe zum Beispiel im Musikverein mit den Wiener Symphonikern und unter dem Dirigat von Robert Stolz ein Galakonzert mit Robert-Stolz-Liedern gesungen und wenige Tage später mit den Wiener Philharmonikern die 2. Symphonie von Gustav Mahler mit Josef Krips am Dirigentenpult. Es gab keine stimmlichen Qualitätsunterschiede. Auch einfachen Liedern liegt die hohe Klassik zugrunde. Diese Einstellung versuche ich auch meinen Schülern zu vermitteln. Hohes Niveau ist für mich Bedingung und Voraussetzung für alles. Auch die viermal jährlich stattfindenden Konzerte in meiner Mühle könnten jederzeit an einer großen Spielstätte aufgeführt werden.

Nach Schlager, Film, Operette und Oper möchte ich noch Ihr fünftes Metier ansprechen: Wie kamen Sie auf die Idee, Theaterschauspielerin zu werden?

Ich muss dazu sagen, dass all diese Dinge auf mich zugekommen sind. Ich habe nur darauf reagiert. In diesem Fall ging die Initiative von Georg Thomalla aus. Wir kannten einander von meinem ersten Film, "Das Fräulein vom Amt". Er fragte mich, ob ich in Berlin am Theater am Kurfürstendamm die Hauptrolle in "Miniaturen" von Curt Goetz spielen möchte. "Was", sagte ich, "so ganz ohne Singen?" So war meine erste Reaktion.

Letztlich haben Sie 111 Vorstellungen en suite vor ausverkauftem Hause gespielt. Wie ließen sich Theater und Oper in stimmlicher Hinsicht verbinden?

Ich habe immer großen Wert auf Technik gelegt. Und letztlich gibt es sowohl im Schauspiel als auch im Gesang nur eine einzige Technik, nämlich die totale Beherrschung des Atems. Die zweite, ebenso wichtige Grundregel ist, niemals über sein stimmliches Limit zu gehen. Das heißt, durch äußerste Konzentration und Disziplin konnte ich diese beiden Sparten wunderbar verbinden.

Wenn man Ihnen zuhört, wird einem bewusst, welche Fokussierung und Bündelung aller verfügbaren Kräfte hinter solch einer Karriere steckt.