Wenn man es frühchristlich sieht, ist die Apokalypse hinter uns. Oder wir leben gerade drinnen.

Die berühmteste Beschreibung der Apokalypse stammt aus den Offenbarungen des Johannes. In Ihrem Buch deuten Sie dessen "Zahl des Tieres" 666 ebenfalls auf astronomische Weise.

Auch diese Zahl hat meiner Meinung nach mit der Präzession zu tun: der Richtungsänderung der Erdachse durch die Kreiselbewegung der Erde. Im gesamten Mittelalter haben die arabischen und jüdischen Astronomen die Präzession mit einem Wert von 2000 Jahren pro 30 Grad gerechnet. Und jedes Sternbild, durch das der Frühlingspunkt innerhalb von rund 2000 Jahren wandert, ist in drei Dekane unterteilt, die in alten Kalendern als Personen dargestellt worden sind. In der Offenbarung heißt es: "Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist 666." - 2000 durch 3 ist 666. Die apokalyptische Zahl 666 bezieht sich auf die Jahre der Präzessionsdauer pro Dekan von 10 Grad und beschreibt, wann das Zeitalter des Sternbilds Fische zu Ende geht.

Die Astronomie hat schon immer einen erstaunlichen Eindruck auf die Menschen gemacht. Einerseits sind viele alte Kultstätten auf bestimmte Sterne bzw. auf Sonnenwendtage oder die Tag-und-Nacht-Gleiche ausgerichtet. Und andererseits glauben die Menschen vielfach noch heute, dass die Erde untergeht, wenn eine Epoche endet, so wie das mit dem Maya-Kalender im Dezember 2012 war. - Woher kommt das?

Ich glaube, das kommt daher, dass sich Menschen, die sich nicht genau damit beschäftigen, Zeit mit Zeitrechnung gleichsetzen. Die Zeit rechnen wir nun einmal nach dem Lauf der Erde und der Himmelskörper. Und wenn man simpel denkt, dann glaubt man vielleicht, die Himmelskörper verursachen die Zeit. Und so ist es ja auch in der Bibel und in vielen Schöpfungsgeschichten beschrieben, dass der Lauf der Planeten die Zeit hervorbringt. Hier werden Ursache und Wirkung verwechselt. Aber messen kann man die Zeit natürlich auf diese Weise.

Apropos Zeitmessung: Sie haben einen Vorschlag für eine astronomische Kalenderzählung entwickelt, die "Countdowntage zur Equinoktialen Planetenkonjunktion" (CEP). Worauf basiert dieses Modell?

Die Astronomen brauchen, um Zeitdifferenzen einfach berechnen zu können, eine fortlaufende Tageszählung. Da waren bis in die jüngere Vergangenheit die Julianischen Tage - Julian Days (JD) - in Verwendung. Diese Zählung gibt die Zeit in Tagen an, die seit dem 1. Jänner 4713 v. Chr. vergangen sind. Der 1. 1. 2016 wäre in Julianischen Tagen zum Beispiel JD 2,457.389. In der Zwischenzeit gibt es eine Handvoll Tageszählungen, die auf die Julianischen Tage aufbauen. Ich habe einen neuen Vorschlag eingebracht, nämlich auf eine besondere Planetenkonstellation hinzuzählen: Am 20. März 2675 kommt es erneut zu einer Planetenreihe wie am 5. Mai 2000, aber diesmal an einem Frühlingstag - das ist ein unglaublicher Zufall . . .

. . . dann ist aber Weltuntergang, oder?

(Lacht) An diesem Tag sind auch die äußeren Planeten jenseits von Saturn, die in der Antike noch nicht bekannt waren, also Uranus und Neptun nahe dieser Planetenansammlung. Dass so eine Konjunktion noch einmal eintritt, ist derzeit noch nicht berechenbar. Das ist ein zentraler Punkt in der Geschichte der Zeit. Und auf den Punkt hin habe ich einen Countdown erstellt: die Countdowntage zur Equinoktialen Planetenkonjunktion (CEP). Am heurigen 24. Dezember sind es etwa 240.415 Tage bis zu dieser Konjunktion.

Wie wird CEP in der wissenschaftlichen Community aufgenommen?

Derzeit ist es noch zu früh für ein Urteil, aber einige Astronomen verwenden den Countdown schon täglich und zeigen sich persönlich davon beeindruckt.

Ich habe meinen Religionslehrer in der Schule einmal gefragt, warum der Jahreswechsel eigentlich auf den 31. Dezember und nicht auf den 25. Dezember fällt, wenn wir ab Christi Geburt zählen. Aber er hat die Frage nicht verstanden.

Der 25. Dezember war ein kulturell wichtiger Tag im alten Rom. An diesem Tag wurden die Wintersonnenwende, die Saturnalien und die Geburt des Mithras gefeiert. Aber, und das ist auch das Spannende: Die Anno-Domini-Zählung sagt eigentlich, dass der erste Tag des Jahres 1 Anno Domini auf den Frühlingsbeginn gefallen ist, und sie heißt auch "Anni ab incarnatione domini nostri Iesu Christi". Das Fest der Inkarnation Jesu war der 25. März, also der damalige Frühlingspunkt. Heute heißt dieses Fest Maria Verkündigung.

Warum beginnt die Jahreszählung trotzdem im Jänner und nicht im März?

Das lunare Jahr im antiken Rom begann vermutlich im März, denn unsere Monatsnamen September, Oktober, November, Dezember - der Siebte, Achte, Neunte, Zehnte - ergeben ja nur einen Sinn, wenn man mit dem März zu zählen beginnt. Die Verlegung des Jahresbeginns auf den Jänner geschah 153 vor Christus. Julius Cäsar hat dann im Jahr 46 vor Christus statt des Mondkalenders, der Schaltmonate aufwies, den Sonnenkalender eingeführt. Und um diesen neuen Kalender genau im Anschluss an den alten Mondkalender zu beginnen, wurde am Ende des damaligen Mondkalenders der erste Tag des neuen Sonnenkalenders angesetzt. Nun ist der alte Mondkalender an einem Neumond ausgelaufen, und dieser Neumond ist in jenem Jahr zehn Tage nach der Wintersonnenwende eingetreten. Und das ist vermutlich der Grund, warum das neue Jahr nicht am Tag nach der Wintersonnenwende beginnt, sondern 10 Tage später. Dieser Mondstand im Jahr 46 v. Chr. ist aus meiner Sicht die Ursache, warum wir den Jahresbeginn nicht an einem Kardinalspunkt des astronomischen Jahres haben.