Was halten Sie vom Pensionssplitting bei Ehepaaren, das oft als Lösung vorgeschlagen wird?

Gar nichts. Das hilft Paaren mit niedriger Pension auch nicht weiter, sie haben davon insgesamt keinen Cent zusätzlich. Ich bin der Meinung, dass der Staat die Aufgabe, für die Pension der Mütter aufzukommen, nicht den Männern zuschieben darf. Das macht die Frauen dann ja erst recht wieder von den Männern abhängig. Außerdem profitiert der Staat enorm von dieser so wichtigen Arbeit. Ganz abgesehen davon, dass die meisten Frauen auch Pflegedienste bei Eltern und Angehörigen leisten. Sicher wird man nie den vollen Aufwand dafür entlohnen können. Aber mit einem Schulterklopfen ist es halt auch nicht getan, weil man davon die Wohnung und andere wichtige Lebensbedürfnisse nicht bezahlen kann.

Was erwarten Sie sich für die Demonstration am 1. September am Heldenplatz in Wien?

Wir werden mit einem Bus voll Vorarlbergerinnen - und auch Männern - am Heldenplatz stehen. Das Parlament wird ja derzeit umgebaut und viele Beamte sind auf den Heldenplatz übersiedelt. Wenn sich noch viele andere Mitkämpferinnen und Mitkämpfer aus den Bundesländern und aus Wien zu uns gesellen, würde mich das sehr freuen. Aus mehreren Bundesländern sind schon Ankündigungen einer Teilnahme gekommen.

Das klingt dennoch sehr bescheiden.

Diese Bescheidenheit hat ihren Grund: Die Menschen meiner Generation lassen sich nicht so leicht mobilisieren. Zwar bekomme ich sehr viele Zuschriften, die mir Recht geben und Erfolg wünschen, aber die meisten von uns alten Menschen haben mit Demonstrationen nie viel am Hut gehabt. Außerdem sind viele meiner Unterstützerinnen schon ziemlich gebrechlich und haben nicht mehr die Kraft, zu verreisen, oder sie müssen ihren Partner pflegen und können deshalb nicht von zu Hause weg. Ich weiß von einer 90-Jährigen, die mit dem Rollator dabei sein wird - wenn sie es schafft. Unter diesen Voraussetzungen kann ich mir nicht allzu große Hoffnungen auf eine Massen-Demonstration machen.

Was tun Sie, wenn Sie Ihr Ziel nicht erreichen? Sie haben in einem Interview gesagt, Ihre Bewegung soll durchaus so resolut sein wie die Bregenzerwälderinnen, die einstmals mit Dreschflegeln ihre Feinde vertrieben.

Die Dreschflegel kommen sicher nicht zum Einsatz. Aber eine fast 80-jährige Mitstreiterin hat zu mir gesagt, im Fall, dass keine unserer Forderungen erfüllt wird, wäre sie bereit, einen Hungerstreik vor dem Parlament durchzuführen. In diesem hohen Alter ist ein Hungerstreik ziemlich gefährlich. Und die Schlagzeile "Österreich lässt seine alten Mütter hungern" würde sich gewiss nicht sehr gut machen. Wollen wir also hoffen, dass es nicht so weit kommt.

Wenn man bedenkt, dass Sie ziemlich viel Rückenwind von Parteien, Organisationen und Einzelpersonen bekommen haben, könnten Sie sich vielleicht doch weiterhin als Kämpferin für Frauenrechte engagieren?

Ich habe keinerlei Ambition, mich parteipolitisch zu betätigen. Ich verspüre eine große Ungerechtigkeit und wenn diese Ungerechtigkeit einigermaßen ausgemerzt ist, gebe ich sehr gerne wieder Ruhe.