Heute sei das ohnehin viel schwerer als früher. "Ich finde, ein Blitz macht alles zu einem Tatort." Ein Gespräch mit dem jungen Kollegen entspinnt sich. "Ich fotografiere Wichtiges und Unwichtiges", sagt sie zu ihm. "Das Unwichtige ist auch wichtig." Irgendwann fotografieren sie sich gegenseitig.

Wenn man mit Lisl Steiner unterwegs ist, kann man beobachten: Sie interessiert sich für Menschen. Hört gern ihre Geschichten. Und macht oft Witze, wie etwa mit dem Taxifahrer, einem Sikh aus Indien. Ob er denn mit dem langen Bart unter oder über der Bettdecke schlafe, fragt sie ihn. "Darunter natürlich", pariert er locker. Auch wenn sie jetzt eine betagte Dame mit Stock ist, sie scheint sich leichtfüßig durchs Leben zu bewegen. Begeistert sich für vieles, etwa primitive Kulturen. "Ich möchte am liebsten mit den Händen essen", ruft sie. Oder: "Wie schön wäre es, mit allen, die man liebt, in einem großen Zelt zu leben, so wie im Film ,Wild Horses of Mongolia‘ von Julia Roberts."

Doku in Vorbereitung

Zwei ihrer liebsten Freundinnen, Ingrid Rockefeller und die Schauspielerin Vivian Winther, wohnen weit von ihr entfernt, das sei so schade. Die beiden drehen übrigens schon seit acht Jahren einen Film über sie. "Da wird man mich altern sehen", lacht Lisl. "Ich überlege mir aber lieber, was ich dann am Red Carpet anziehen werde." Nächstes Jahr soll die Doku fertig werden.

Was ihr wirklich wichtig ist: "Ich will nicht zu viel wissen." Schon der wunderbare Paul Klee habe gesagt, beim Zeichnen gehe es ums Weglassen. Und im Leben sei es eben genauso. "Wenn du die Möglichkeit hast, etwas zu vereinfachen, dann tu es." Sie sei unkompliziert, nehme die Dinge, wie sie kommen. "Oder ich lasse sie über mich ergehen."

Wer sich jetzt noch traut, sie zu ihrem 90er um ihre Lebensbilanz zu fragen, hat die Antwort verdient: "Ich ziehe keine Bilanz."