"Was ist Ihr Lieblingsfilm, der mit der Moviecam gedreht wurde?", will ich von Bauer wissen. Seine Augen blitzen auf, die Antwort kommt umgehend: "Eyes Wide Shut". Kubrick drehte ihn mit der kleinen und leichten Moviecam SL, für die Bauer 2001 seinen dritten Technik-Oscar aus den Händen von Salma Hayek überreicht bekam. Der Film sei Bauers Ansicht nach misslungen, Tom Cruise in der männlichen Hauptrolle eine Fehlbesetzung.

Aber die Begegnung mit Stanley Kubrick, der ihn, Bauer, 1998 zum Filmset nach London einlud, war ein echtes Highlight. "Ich bekomme einen Anruf von seinem Schwiegersohn Jan Harlan, Stanley möchte mich kennenlernen", erzählt der Erfinder. "Ich fliege erwartungsvoll nach London, fahre nach Pinewood und warte dort auf ihn, weil er noch das Set für den nächsten Drehtag herrichtet. Für mich ist Kubrick überlebensgroß mit allem, was er gemacht hat - von ,Dr. Seltsam‘ bis ,Barry Lyndon‘. Und dann kommt er und gibt mir einen der sanftesten Händedrucke überhaupt . . ."

Es sei ein sehr netter Abend mit angeregten Gesprächen geworden, erinnert sich Bauer. Und er erwähnt ein verbindendes Element zwischen ihnen, nämlich ihren Hang zum Perfektionismus. "Das hat bei Stanley dazu geführt, dass er Dinge selbst in die Hand nahm - etwa das Ausleuchten -, obwohl er erstklassige Leute dafür hatte. Das war bei mir manchmal auch so", sagt Bauer. Nachsatz: "Ich will mich aber nicht mit dem genialen Stanley Kubrick vergleichen."

Rolle des Technikers

Das führt mich zu einer weiteren Frage. Wenn vom Kino die Rede ist, stehen immer Schauspieler oder Regisseure im Mittelpunkt, aber so gut wie nie Techniker und Erfinder wie er. Wie beurteilt er die Rolle der Technik beim Film?

"Die Technik soll den Kreativen dienen und nicht im Weg stehen bei der Realisation ihrer Ideen", sagt er. "Die Kamera ist die physische Verlängerung eines Bildgestalters und Geschichtenerzählers." Auch wenn es so ist, dass erst die Technik den Film überhaupt ermöglichte - "ohne Technik gäbe es nach wie vor nur Vaudeville-Theater und kein Kino" -, sei die Rolle des Technikers beim Film nicht unterbewertet. Im Gegensatz zu den Kameraleuten. Diese sind für Bauer die "wirklichen Gestalter des Bildes. Im Grunde genommen sind die zumindest so wichtig wie der Regisseur, denn sie übersetzen die Ideen des Regisseurs in das tatsächliche laufende Bild."

Auf dem Kaminsims im Wohnzimmer von Fritz Gabriel Bauer drängen sich Auszeichnungen von Film- und Fernseh-Akademien aus den USA, Großbritannien, Deutschland und Österreich. Der Kamerainnovator wird nächstes Jahr im Sommer 77 Jahre alt. Spitalsärzte und Professoren - als solcher darf er sich übrigens seit 2000 bezeichnen - sind da schon längst im Ruhestand. Aber ein Erfindergeist wie Bauer kennt so etwas nicht. Vor wenigen Jahren hat er ein neues Fokussiersystem für digitale Kinokameras entwickelt, die - anders als Amateurkameras oder Fotoapparate - nach wie vor händisch scharfgestellt werden müssen. Filmproduzenten rund um den Globus zeigen Interesse.

Nur von der Vereinigung der Kameraleute in Hollywood kommt Gegenwind. Bauers Erfindung würde den Berufsstand des Focus Pullers gefährden - das ist jener Kameraassistent, der die Aufnahmeschärfe manuell regelt. Doch diesen Posten kann Bauers Gerät gar nicht überflüssig machen, denn jemand muss es auch bedienen können.