Die meisten Kenntnisse habe ich mir autodidaktisch angeeignet. Dennoch war ein Uni-Kurs die Initialzündung: Ich besuchte einen Kurs von Manfred Thaller in den 90er Jahren, in dem ich die Software Clio kennenlernte - eine Software speziell für Historiker. Es handelte sich um eine Datenbank, die man mit lateinischen Befehlen abfragen konnte (schmunzelt). Aus der Sicht der Informatiker mache ich garantiert viele Dinge falsch, aber die DH-Szene lebt - wie die Web- und Hackerszene überhaupt - von Leuten, die sich die Dinge selbst sozusagen zusammenlernen.

Dafür muss man aber ein gewisses Talent mitbringen . . .

Bei meinen Studierenden fällt mir auf, dass es immer wieder Leute gibt, denen algorithmisches Denken leicht fällt. Das bedeutet, ein Problem so zu sehen, dass man es in Prozesse oder ein Regelwerk zerlegen kann, die dann reproduzierbar sind und so einen gewissen Generalitätsanspruch bekommen. Wer so denken kann, dem fällt es leicht, eine Programmiersprache zu erlernen, um damit neue geisteswissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen.

Ich würde noch gerne über eines der wichtigsten DH-Projekte sprechen, an dem Sie bisher beteiligt waren. Es handelt sich um "Monasterium", das weltweit größte Urkundenportal. Erzählen Sie uns, worum es sich dabei handelt, und wie Sie dazu kamen?

Das Portal Monasterium wurde 2002 von Thomas Aigner, dem Leiter des St. Pöltener Diözesanarchivs, gegründet, um die Urkunden der niederösterreichischen Klöster in einer Datenbank für breitere Nutzerschichten zugänglich zu machen. Sein Argument den Klöstern gegenüber war damals, dass es gar nie ausreichend Öffnungszeiten geben könne, um der Nachfrage von Nutzerseite gerecht zu werden. 2005 gab es eine Konferenz in Wien, auf der ich zum technischen Direktor von Monasterium bestellt wurde. Seither bin ich im Hintergrund technisch beratend tätig sowie für die Entwicklung von Standards und den Bereich der Datenmodellierung zuständig. Für mich war und ist Monasterium wie eine Spielwiese, auf der vieles ausprobiert werden kann.

Was ist das Besondere an Monasterium?

Erstens ist es die einzige Datenbank, die nicht nur nach dem Motto agiert: Ich und mein Archiv. Monasterium liegt das Bestreben zugrunde, mehrere Bestände zusammenbringen. Zweitens sticht Monasterium durch die schiere Zahl an verwalteten Dokumenten heraus. Es gibt nur ein Projekt im Bereich mittelalterlicher Urkunden weltweit, das älter und auch relativ groß ist, das DEEDS-Projekt in Toronto. Aber selbst dieses hat nicht die gleichen Dimensionen - und es ging nicht von den Fotografien der Urkunden, sondern von Texten aus.

Viele DH-Projekte verschwinden rasch wieder in der Versenkung. Warum konnte Monasterium so lange überleben?

Viele DH-Projekte sterben rasch wieder, weil nur einmal etwas probiert oder bewiesen werden sollte. Monasterium hat diese Anfangsphase überlebt und ich denke, das liegt hauptsächlich an der guten Vernetzung der Projektverantwortlichen. Es ist gelungen, immer mehr Archive zu motivieren, ihre Bestände über Monasterium zu veröffentlichen - das Ganze hat eine enorme Eigendynamik entwickelt. Es gibt jedoch auch Archive, die sagen: Monasterium ist nicht unser Weg, und die eine eigene Infrastruktur aufbauen.