Wenn jetzt schon viele Archive ihre eigenen Strukturen aufbauen, ist es dann irgendwann zu spät für eine gemeinsame länderübergreifende Urkunden-Datenbank?

Es gibt eine Sache, die momentan besonders spannend ist, und die für eine noch größere Datenbank wichtig werden könnte: Viele Archive beginnen, ihre Daten mit einer offenen Schnittstelle, einer sogenannten API, zur Verfügung zu stellen. Das passierte in Deutschland das erste Mal im Rahmen des Archivportals-D. Es könnte also irgendwann einmal der Punkt kommen, an dem wir sagen: Wir brauchen nicht mehr die eine große Datenbank und den Server, auf dem die Bilder sind, sondern wir brauchen eine Infrastruktur, die Daten aggregiert - aus verschiedenen Quellen. Monasterium würde dann die Urkunden aus dem Archivportal-D auswählen und sie zusätzlich über die eigene Seite zugänglich machen.

Wo sehen Sie sich selbst als DH-Forscher in zehn Jahren?

Ich denke, viele der Aufgaben, die sich die Digital Humanities heute stellen, werden so gelöst sein, dass sie selbstverständlicher Teil der geisteswissenschaftlichen Arbeit sind: die Digitalisierung von Quellen und Forschungsliteratur, Suchmaschinen, die in den Quellentexten Informationen und nicht nur Buchstaben erkennen, die Suche nach Stichwörtern in Bildern von Texten, die Darstellung der Informationen in Karten und anderen Visualisierungen. All das wird Menschen, die sich als Forscher - aber auch Privatleute - Originaldokumenten nähern, dabei unterstützen, sich ein informiertes Bild von der Vergangenheit zu machen.