Sie haben selbst schon zwei Enkelkinder. Sind Sie selbst ein traditioneller Opa?

Nein, ich bin kein traditioneller Opa. Ich bin jetzt 61 Jahre und gehöre selbst schon zu der Gruppe, über die ich immer spreche. Ich lebe mein Alter so, wie ich es auch in meinen Büchern und Vorträgen propagiere: aktives Altern mit Reflexion der eigenen Biologie. Ich bin zum Beispiel nicht der Typ, der übermäßig viel Sport betreibt. Aber ich habe viele soziale Kontakte, bin interessiert an Neuem in der Wissenschaft und auch sonst.

Ihre Doktorarbeit haben Sie über Kinderpsychologie geschrieben. Wie sind Sie danach auf die Alternsforschung gekommen?

Als ich begonnen habe, gab es das in Österreich noch gar nicht. Psychologie im Alter war noch fremd, und erst später haben immer mehr Kollegen diesen Bereich aufgegriffen. Ich bin sehr an Menschen und an Neuem interessiert - und Alternsforschung war damals etwas Innovatives. Wir werden als Gesellschaft immer älter - und umso wichtiger wird es, dass es Menschen gibt, die sich mit dem Altern auskennen. Die Gefahr ist der sogenannte "Ageism", dass man Menschen, die älter werden, nur noch als alte Menschen sieht und nicht mehr als Menschen. Es kann sein, dass ein Vierzigjähriger "ältere" Bedürfnisse hat als ein Siebzigjähriger. Das macht moderne Alternsforschung aus: Das Zulassen der Individualität und eines breiten Spektrums an unterschiedlichen Alternsprozessen.

Gerald Gatterer