Wer Geld hat, kann dem vorbeugen und leistet sich einen guten medizinischen Service. Arme Familien haben dieses Privileg nicht. Auch werden den Müttern die Neugeborenen bei der Geburt weggenommen, bis sie ihre Spitalsrechnungen bezahlen.

Lim entschied sich für eine Hausgeburt und löste damit Interesse und einen Hilferuf unter den Schwangeren in der Nachbarschaft aus. Sie erlernte den Beruf einer Hebamme und gründete "Bumi Sehat" ("Gesunde Mutter Erde"), eine Stiftung, die kostenlose und sichere Geburtshilfe ermöglicht. Zunächst boten Lim und ihr Team aus fünf Hebammen Hausgeburten an, 2003 errichtete sie eine Klinik. Von Bali aus wuchs die Organisation, öffnete Zweigstellen in Aceh nach dem Tsunami, im erdbebenzerstörten Haiti sowie auf den Philippinen, nachdem Taifun Haiyan über den Inselstaat getobt war. Demnächst gibt es auch eine Zweigstelle in Indonesiens ärmster Provinz Westpapua. Mehr als 300.000 Patientinnen hat Lims Organisation bereits geholfen, rund 8000 Kinder entbunden.

Klinik in Bali

Für ihren Einsatz würdigte sie der amerikanische Fernsehsender CNN mit der Auszeichnung "Hero Of The Year". Von dem Preisgeld baute sie die "Bumi Sehat"-Klinik in Bali, die in Ubud, im kühlen Hochland, liegt. Ein ruhiger Vorort der Touristenmetropole, mit Einfamilienhäusern, Tempeln und einem Fußballplatz direkt vor der Klinik, auf dem Kinder aus der Nachbarschaft ihre Drachen steigen lassen. 69 Frauen arbeiten dort: Ärztinnen, Hebammen, Krankenschwestern, Sekretärinnen, Putzhilfen und freiwillige Mitarbeiterinnen. Mit Männern arbeitet Lim nicht – aus Prinzip.

Als Lim und die italienischen Spender die Wartehalle betreten, herrscht Freude und Chaos wie auf einem indonesischen Jahrmarkt. Die einzige Attraktion jedoch ist die Übermutter selbst. Wie von einem Magneten angezogen bewegen sich die Menschen auf sie zu. Kinder laufen, gefolgt von Vätern, die versuchen, ihre Kleinen einzufangen, Schwangere, die sich gerade noch dehnten und streckten, und Mütter, in ihren Armen den eigenen Säugling: rot und zerknautscht von der Geburt. Alle haben das gleiche Ziel, die Frau mit den schwarzbraunen Haaren, die ihr bis zur Hüfte reichen. "Ibu", rufen sie, Indonesisch für "Mutter". "Ibu Robin!"

Zur Begrüßung umarmt Lim jeden, der ihr über den Weg läuft. Sie tätschelt Bäuche und Rücken, streichelt Kinderköpfe, fragt Mütter, wie es ihnen geht, und nimmt kleine Geschenke entgegen. Spricht sie, schweigen alle. Dazwischen lacht sie, sodass sich feine Falten um ihre Augen bilden.

Ständig wiederholt sie einen Satz, beendet damit jedes Gespräch, bevor sie Küsse an ihr Gegenüber verteilt – an Frauen und Männer genauso wie an Kinder, vor allem aber an Neugeborene. Ein Satz, der ihr so problemlos von den Lippen geht, wie Gläubigen das Amen im Gebet: "I love you." Ihre Religion heißt Nächstenliebe. Aber auch Lims Liebe hat Grenzen, etwa wohlhabenden Ausländern gegenüber.