"Europäer denken oft, dass sie bei uns eine Sonderbehandlung bekommen. Das ist Quatsch, wir behandeln alle Patienten gleich. Aber wir bitten alle, die Geld haben, um eine großzügige Spende, um die Armen zu subventionieren." Kürzlich lag eine Französin sechs Tage und Nächte in den Wehen. Nach der Entbindung verschwand das Paar, ohne eine Spende zu geben. Lim kontaktierte sie und bat höflich um einen Beitrag. Sie spendeten vierzig Dollar. Lim rollt mit den Augen und seufzt: "Es kostet uns über eintausend Dollar pro Tag pro Patientin. Ich muss dieses Geld auftreiben, Tag für Tag, damit wir hier kostenlosen Service anbieten können. Wenn sie das nicht verstehen, leben sie in spiritueller Armut."

Hausgeburt für Reiche

Braucht Lim Geld, um ihre Klinik zu erhalten, wendet sie sich an "Nervensägen", wie sie uns Reporter bezeichnet. Sie gibt Interviews, lässt sich fotografieren und redet in Talkshows. "Lange habe ich die Medien gemieden, aber wenn ich im Fernsehen auftrete, spenden die Menschen und wir können unsere Arbeit fortführen."

Oder sie macht Hausgeburten für reiche Leute in Bali und kassiert mehrere Tausend Dollar dafür. "Es ist doch einfacher, in der Klinik zu gebären. Aber ja, bei Hausgeburten können sie in der eigenen Badewanne eine Wassergeburt haben, das ist bei uns gesetzlich verboten. Dafür sollen sie zahlen."

Lims Smartphone, verpackt in einer pinkfarbenen Hülle, klingelt. "Wartet kurz", sagt sie und nimmt den Anruf entgegen. Eine aufgeregte Männerstimme. Besonnen, aber kurz angebunden, antwortet sie: "Schaffst du es, deine Frau herzubringen, oder sollen wir eine Ambulanz schicken?" Während sie spricht, schweifen ihre Blicke über den Boden und entdecken einen klebrigen Fleck, kaum größer als ein Kinderfuß. "Könnt ihr das in Ordnung bringen", sagt sie zu dem Personal in einem Ton, der keinen Widerspruch duldet.

Ihre Erstgeborene Déjà, die zur Welt kam, als Lim selbst noch ein Teenager war, bezeichnete ihre Mutter einst als "Guerilla-Hebamme". Ein Spitzname, den Lim akzeptiert und der sie am besten beschreibt. Die Mutter als "Kriegerin".

In einer heißen Sommernacht weckte sie ein Notruf. Lim schlief nackt, schnappte sich ein Shirt ihres Mannes und eilte in die Klinik, um zwei Menschenleben zu retten. Erst als ihr jemand einen Sarong um die Hüften wickelte, merkte sie, dass sie unten herum unbekleidet war. Seitdem schläft sie im Nachthemd. Ein anderes Mal brachte Lim sechs Kinder innerhalb einer Stunde zur Welt. Alleine, dazu noch mit rudimentären Kenntnissen der Landessprache. "In dieser Nacht habe ich alles gelernt", sagt sie.

Es sind Erfolgsgeschichten wie diese, die sie an ihre Arbeit glauben lassen. Ihre Geschichten enden meist damit, dass die Babys – entgegen aller Erwartungen und Prognosen – gesund zur Welt kommen und zu wundervollen Wesen heranwachsen. Diesen Optimismus schöpft sie aus ihrem Vorbild, der philippinischen Großmutter. "Sie war eine traditionelle Heilerin und Hebamme. Ich wollte immer so werden wie sie."

Sanfter Start ins Leben