Geht es um Mütter und Kinder, schreckt Lim vor nichts zurück. Einmal feuerte sie eine Hebamme einer hohen Kaste, die eine bitterarme Patientin geohrfeigt hatte. Lim fischte in ihren Taschen nach Geld und sagte zu der Hebamme: "Da hast du dein Monatsgehalt. Ich will dich nie wieder sehen. Geh!"

Weiter zieht die Gruppe zu Bumi Sehats neuestem Bewohner: Baby Rey wurde erst vor wenigen Stunden geboren. Seine Mutter wiegt den Kleinen, eingehüllt in ein Tuch, in ihren Armen. "Jeder Mensch verdient eine sanfte Geburt ohne Traumata", sagt Lim.

Für die Übermutter ist das nicht nur die Philosophie ihres Lebenswerks, sondern der Schlüssel, um die Welt zu retten. Ein sanfter Start ins Leben schaffe die Basis für Liebe und Vertrauen. Geburten, wie sie momentan auf der Welt erfolgen, bezeichnet sie als Katastrophe. "Eine gesunde Gesellschaft baut auf liebende und vertrauenswürdige Indivi- duen. Wenn wir überleben und in Frieden leben wollen, brauchen wir mehr Menschen, die ohne Traumata geboren werden."

Neben den grellen Lichtern, lauten Geräuschen und Menschen in Schutzmasken im Kreißsaal ist eines dieser Traumata – und damit für Lim ein Verbrechen gegen die Menschheit – das frühe Durchtrennen der Nabelschnur.

Tägliches Mantra

"Bei uns bleibt das Neugeborene drei Stunden mit der Plazenta verbunden, während die Mutter stillt und enger Hautkontakt besteht. Erst dann kann man sicher sein, dass all das sauerstoff- und eisenreiche Blut an das Kind weitergegeben und damit das Risiko einer leichten Behinderung vermieden wird." Diese Verbundenheit zwischen Mutter und Kind predigt Lim als ihr tägliches Mantra.

"Ibu Robin?", wispert eine junge Indonesierin und streckt ihr ein Buch entgegen. Es ist eines von Lims ersten Werken, "Plazenta, das vergessene Chakra". Sofort wendet sie sich der Frau zu, um das Buch zu signieren. "I love you!"

Tausende Male bereits hat sie darüber gesprochen und Vorträge gehalten, auch wenn das der gängigen Meinung der Mediziner widerspricht, dass nach dem Abebben des pulsierenden Schlags der Nabelschnur kein Blut mehr zugeführt wird – in der Regel nach zwei bis vier Minuten. "In Bali glaubt man: Die Mutter ist der Baum, die Nabelschnur die Wurzel und das Baby die Frucht. Das durchtrennt man nicht, sondern wartet, bis es sich von alleine löst, sonst ist die Frucht unvollständig. Auch meine Nabelschnur wurde sofort durchtrennt, und ich bin mir sicher, dass ich nicht über die mentale Kapazität verfüge, die ich haben könnte."

Heißt das für sie, dass jeder Mensch traumatisiert ist, dessen Nabelschnur zu früh gekappt wurde?

"Sieh nur, wie schlecht die Welt ist", antwortet sie. "Meinst du, Donald Trump hatte eine angenehme Geburt?"