Was tun mit gewalttätigen Jugendlichen? Die neue Regierung setzt auf Strafverschärfung bei Gewaltdelikten.

Prävention kann sehr viel. Mich ärgert, dass Unterstützungsmaßnahmen kaum wahrgenommen werden. Es gibt in Österreich seit vielen Jahren Männerberatungsstellen, die ständig darum kämpfen müssen, dass sie mehr Geld bekommen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Auch Männer haben Depressionen. Wenn ein Mann seine Frau umbringt, ist es zu spät. Prävention ist das Wichtigste. Da wird viel von NGOs und Sozialarbeit geleistet. Präventionsarbeit ist Beziehungsarbeit. Wenn sich Eltern um ihre Kinder kümmern, ist schon viel getan. Aber viele Familien werden aufgerieben, weil es ökonomische Zwänge gibt. Mir fehlt auch, dass mehr über Väter und ihre Rolle geredet wird.

Nach dem "Hofstede Index of Masculinity", einem Ländervergleich von Einstellungen zu Rollenklischees, ist das Männlichkeitsbild in Österreich so konservativ wie sonst nur in Japan oder Ungarn. Woran liegt das?

Es gibt Workshops, in denen ich die Jungs frage, was Mannsein für sie ist. Und die Antwort ist oft: Naja, wir haben halt einen Penis und aus. Ganz sanft dringt es auch in die Politik ein, dass sich was ändern muss. Das Männlichkeitsbild der achtziger Jahre ist nicht mehr so dominant. Trotzdem hält sich das alte Männerbild in Österreich immer noch sehr stark durch die Männerbünde. Ich mein nicht nur die Burschenschaften. Aber egal wo - sei es in Parteien oder Gewerkschaften – überall nur Männer. Frauen kommen da nicht rein, außer durch Seilschaften. Männer fühlen sich dann schnell verdrängt und können sich Frauen nicht unterordnen. Da geht es schlicht und einfach um Angst.

Können Sie diese Angst nachvollziehen?

Ja, sicher. Weil ich ein Jugendlicher war, der männlich sozialisiert wurde. Ich kenne das Gefühl, mich einer Frau untergeordnet zu fühlen – einer Chefin oder der eigenen Mutter - und das war anfangs unangenehm. Aber ich habe einen Prozess durchlaufen dürfen, bei dem ich langsam gemerkt habe, dass es ausbalanciert sein muss. Wenn man offen in Situationen hineingeht und einfach schaut, wo liegen die Kompetenzen, von wem kann ich mir was sagen lassen oder sogar was lernen, dann ist das ein Lernprozess.

Sind Sie Feminist?

Bubenarbeit gründet auf Feminismus. Ohne Feminismus gäbe es keine Bubenarbeit. Frauen stoßen nach wie vor Männer an und motivieren sie, sich zu verändern. Männer machen das anderen Männern gegenüber viel zu wenig. Wir sind da in der Minderheit.