Emmy Werner erhielt bei der Abschiedsfeier im Wiener Volkstheater am 26. 5. 2005 vom damaligen Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien. - © Oczeret
Emmy Werner erhielt bei der Abschiedsfeier im Wiener Volkstheater am 26. 5. 2005 vom damaligen Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien. - © Oczeret

Ich habe gesagt: Ich spiele ohnehin mit, aber ich möchte einfach wissen, ist im Foyer alles sauber? Ich habe auch geputzt in der Courage, ich habe den ganzen Betrieb so geliebt.

Ein Schlüsselsatz in Ihrem Leben dürfte sein: "Ordnung ins Chaos bringen".

Ja, das war schon als Kind so. Ich halte Unordnung ganz schwer aus.

Wie bringt man in einen Theaterbetrieb Ordnung?

Ununterbrochen! Künstlerisch darf es chaotisch sein, aber nicht im Ablauf und im Management. Diese magische Zauberwelt, nicht nur auf der Bühne, sondern auch rundherum, hat mich enorm fasziniert. Das Volkstheater war mit den vielen Nebenräumen und den ganzen bühnentechnischen Maschinerien für mich das reinste Paradies! Ich war süchtig aufs Werkl, aufs Getriebe, das das Ganze in Gang hält. Im Volkstheater hatte ich auch einen geheimen Raum, von dem nur der allerengste Kreis wusste und den niemand betreten durfte.

Was war das für ein Raum?

Eine alte Stiege, die nicht mehr in Betrieb war und die ich ein bisschen hergerichtet habe. Das war dann mein Refugium, dort habe ich mir wieder so ein kleines Reich gebaut wie seinerzeit das Tischtheater.

Das bringt uns zu einem Thema, das sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben zieht: Sie dürften eine große Freude am Renovieren, am Erfinden neuer Räume und Spielstätten haben?

Aus Ruinen etwas zu machen ist eine große Leidenschaft! Ich habe die Ruine Haus gehabt, die Ruine Wohnung, das Theater in der Drachengasse, das ursprünglich ja eine ehemalige Tapezierwerkstatt samt verfallenem Lager war. Beides in katastrophalem Zustand.

Offensichtlich inspirierte das Ihre Renovierungslust, und tatsächlich verwirklichten Sie in der Drachengasse ja erstmals Ihren Wunsch nach einem eigenen Theater, das Sie dann auch von 1981 bis 1987 sehr erfolgreich geleitet haben. Dann kam der Ruf ans Volkstheater. Haben Sie damals keine Sekunde gezögert, dieses Angebot anzunehmen?

Nein.

Sie waren damals die erste Frau, die eine große deutschsprachige Bühne geleitet hat. War Ihnen diese Vorreiterrolle bewusst?

Null! Ich war erstaunt, dass da so ein Hype daraus wurde. Solange ich in der Drachengasse, in dem kleinen Theater war, wurde ich gehätschelt. Kaum war der Kopf einen Stock höher - wusch! Ist es schon losgegangen. Heute würde ich sagen: Um Gottes willen! Aber damals hat mich das alles nicht berührt.

Da waren Sie einfach im Tun?

Und das war so spannend! Mein Lieblingsmotto lautet ja: Der Weg entsteht im Gehen. Das sage ich auch meiner Enkeltochter. Wir haben einmal einen riesigen Berg Schnittholz geliefert bekommen am Land - zweimal so hoch wie ich. Wir standen davor und die Kleine sagte: Nein, das fange ich gleich gar nicht an. Da habe ich gesagt: Wenn du rauf schaust, wirst du es nie schaffen. Du musst jetzt anfangen, ein Stück nach dem anderen zu nehmen und einzuordnen. Und genau so ist es. Man muss einen Schritt machen und wieder einen Schritt.