• vom 15.12.2010, 18:56 Uhr

Doping

Update: 16.12.2010, 14:16 Uhr

Die Angst der Windhunde




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  • Doping in Spanien seit 2007 im Strafrecht verankert.
  • Ermittlungen auf Hochtouren.
  • Madrid/Wien. (sir) Es ist schon viereinhalb Jahre her, als auf einmal ungewohnte Begriffe die Berichterstattung über den Radsport prägten. Von Blutbeuteln war die Rede, von Reinfundierung, von Weichmachern für das Blut und natürlich von der "Operación Puerto". Die Razzia der spanischen Guardia Civil hatte einen international agierenden Dopingring um den Arzt Eufemiano Fuentes gesprengt.

Mehr als 50 Radprofis wurden in dieser mit dem passenden Namen "Gebirgs pass" versehenen Operation als Dopingsünder überführt, auch wenn ein paar Namen und Kürzel in wundersamer Weise von einer gefundenen Liste verschwanden. Etwa die Initialen A.C. Sie könnten auf Alberto Contador hinweisen.


Schon damals hieß es, dass auch andere Sportarten betroffen sind, nicht nur der Radsport. Dass etwa bei Hausdurchsuchungen bei Fuentes und seinen Getreuen Trainingspläne für die Leichtathletik-WM 2006 beschlagnahmt wurden.

Gerüchte besagten, dass auch Fußballer Kunden bei dem ehemaligen Gynäkologen gewesen seien. Nichts davon wurde öffentlich. Den schwarzen Peter hatten die Radsportler. Wieder einmal, wie einige Profis damals meinten, sie glaubten, dass andere Athleten, die in die Affäre verwickelt sind, geschützt werden.

Wer ist "Rosa"?

Viereinhalb Jahre später rücken nun die damals im Peloton geäußerten Meinungen der Radler ein Stück näher in Richtung Wahrheit. Wie die Tageszeitung "El País" berichtet, soll sich auf einem der Blutbeutel ein Zettel mit einem verschlüsseltem Code und einer Handynummer befunden haben. Diese soll der Hindernislauf-Weltmeisterin Marta Domínguez gehören, die vor wenigen Tagen als eine von 13 Personen vorübergehend festgenommen und verhört wurde.

Zu Domínguez könnte auch der Codename "Rosa" passen, der damals in den beschlagnahmten Unterlagen gefunden wurde, aber nicht zugeordnet werden konnte. Der Talisman der Läuferin war stets ein rosafarbenes Stirnband, das sie als Kind geschenkt bekam.

Bei der jüngsten Razzia hat die Guardia Civil der Operation den Namen Galgo, also Windhund, gegeben. Diesmal scheint vor allem die Leichtathletik im Visier zu sein. Wie bekannt wurde, befragten die Ermittler in den vergangenen Tagen weitere Sportler, alle mussten Speichelproben abgeben, um ihnen gegebenenfalls via DNA-Test Blutbeutel zuordnen zu können.

Dennoch mehren sich auch diesmal die Stimmen, dass nicht nur eine Sportart von dem Skandal betroffen ist. Spanische Medien berichten - ohne aber konkret zu werden -, dass die Affäre über die Leichtathletik hinausreichen würde, in jedem Fall aber internationale Dimensionen habe.

Das war bei der Operación Puerto nicht anders, in die auch Fahrer wie Italiens Ivan Basso sowie die Deutschen Jan Ullrich und Jörg Jaksche involviert waren. Aber längst nicht alle Athleten wurden der Öffentlichkeit preisgegeben. Der Grund war simpel: Doping war damals kein im spanischen Strafrecht verankerter Tatbestand. Gegen die Sportler wurde deshalb nicht ermittelt, nur gegen die Drahtzieher, auch wenn damals selbst diese kaum belangt werden konnten.

Das ist nun anders, das Gesetz wurde geändert. Zumindest die Chance ist nun da, dass nicht alles unter den Tisch gekehrt wird.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-12-15 18:56:00
Letzte Änderung am 2010-12-16 14:16:00

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