• vom 13.12.2017, 16:50 Uhr

Doping


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  • Ein positiver Test auf ein Asthma-Mittel bringt Rad-Ass Chris Froome in Erklärungsnot.

Chris Froome ist einer der erfolgreichsten Radsportler der Gegenwart - und nun dopingverdächtig. - © afp

Chris Froome ist einer der erfolgreichsten Radsportler der Gegenwart - und nun dopingverdächtig. © afp

London/Wien. (art) Seine Antritte sind legendär, doch die Dopingvorwürfe ständige Begleiter. Bisher hat sie Ausnahmeradfahrer Chris Froome abgeschüttelt wie seine Gegner, doch nun hat sich der Verdacht, wonach bei seinen Siegen nicht alles nach rechten Dingen zugegangen sein könnte, erhärtet. Nachdem der englische "Guardian" und die französische "Le Monde" am Mittwoch von einem auffälligen Dopingtest während der diesjährigen Vuelta a España berichtet hatten, bestätigten der Radsport-Weltverband UCI sowie Froomes Rennstall Sky den Befund.

Demnach habe eine Urin-Probe vom 7. September die Substanz Salbutamol enthalten. Salbutamol, ein gängiges Asthmamittel, fällt zwar laut dem Code der Welt-Anti-Doping-Agentur nicht unter die unter jeden Umständen verbotenen Dopingmittel, erlaubt ist allerdings nur ein bestimmter Grenzwert. In Froomes Urinprobe - die Gegenanalyse hat den ursprünglichen Test bestätigt - fand sich das Doppelte dieses Werts. Die UCI hielt fest, dass der Fund, den man als "auffällig" einstufte, laut Regularien nicht unmittelbar eine Sanktion nach sich zieht, leitete aber Ermittlungen ein und forderte den Briten zu einer Stellungnahme auf. Dieser erklärte vorerst in einer Aussendung seines Teams Sky: "Es ist bekannt, dass ich Asthma habe. Ich weiß genau, wie die Regeln lauten. Ich benütze einen Inhalator, um meine Symptome zu bekämpfen. Ich weiß, dass ich jeden Tag getestet werde, wenn ich das Trikot des Führenden trage."


"Komplexe
physiologische Probleme"

Am Tag vor dem verhängnisvollen Test hatte er auf der von Stefan Denifl gewonnenen Bergetappe nach Los Machucos viel Zeit auf seine direkten Konkurrenten Vincenzo Nibali und Alberto Contador verloren. Nach der 18. Etappe sprengte der Wert dann - anders als bei den Tests davor und danach, insgesamt waren es 20 - aber deutlich den erlaubten Rahmen. Seine Symptome seien schlimmer geworden, "also folgte ich dem Rat des Mannschaftsarztes, die Dosis zu erhöhen", sagte Froome nun. "Wie immer habe ich aber mit größter Sorgfalt darauf geachtet, dass ich nicht mehr als die zulässige Dosis verwendet habe." Er sei sich allerdings seiner führenden Rolle in seinem Sport bewusst, deshalb befürworte er die Untersuchungen der UCI und werde kooperieren, erklärte er.

Ähnlich äußerte sich sein Team, das nicht von einem Regelverstoß ausgeht. Es gebe "komplexe medizinische und physiologische Probleme, die den Stoffwechsel und die Ausscheidung von Salbutamol beeinflussen können", die man nun klären wolle, meinte Teamchef Dave Brailsford.

Fakt ist allerdings, dass der vierfache Tour-de-France-Sieger und sein Team Sky immer mehr unter Druck geraten. Der britische Rennstall war 2010 angetreten, um eine neue transparentere und sauberere Ära im Radsport einzuleiten. Doch die Dominanz, die die Mannschaft bald entwickelte, wie sie gleich einer gut geschmierten Maschine Sieg um Sieg einfuhr, warf Fragen auf. Auch Bradley Wiggins, neben Froome ein weiterer ehemaliger Sky-Topstar, war in diesem Jahr mehrfach mit Doping-Anschuldigungen konfrontiert, die allerdings keine konkreten Ergebnisse brachten.

Froome zeigte sich zuversichtlich, dass auch seine Entlastungsversuche ausreichen werden - sollte dies allerdings nicht der Fall sein, drohen ihm die Aberkennung seines Vuelta-Sieges sowie eine Sperre. Vom Imageverlust für einen der höchstdekorierten Rad-Profis ganz zu schweigen.

Wissen: Salbutamol

Salbutamol gehört zur Arzneimittelgruppe der Beta-2-Sympathomimetika, die bei Asthma oder Bronchitis eingesetzt werden, um die Bronchialmuskeln zu entspannen und die Bronchien zu weiten. Im Sport kann Salbutamol aber auch leistungssteigernd eingesetzt werden und unterliegt deshalb Beschränkungen. Bestimmte Grenzwerte dürfen nicht überschritten werden. Mögliche Sanktionen sind eine Aberkennung von Titeln und eine Sperre von drei Monaten bis zu zwei Jahren - in extremen Fällen sogar bis zu vier Jahren. Je nach Sachlage ist aber auch ein Freispruch möglich. Im Radsport wurde beispielsweise der Italiener Diego Ulissi aufgrund eines Salbutamol-Befundes beim Giro d’Italia 2014 für neun Monate gesperrt. Sein Landsmann Alessandro Petacchi erhielt für einen auffälligen Salbutamol-Befund beim Giro 2007 eine Sperre von einem Jahr. Weltweit gab es 2016 laut Wada-Statistik in allen Sportarten 172 Fälle mit auffälligen Werten aus der Beta-2-Agonisten-Klasse, 15 davon betrafen Salbutamol. Wie viele Sanktionen nach sich zogen, wurde nicht ausgewiesen.




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Dokument erstellt am 2017-12-13 16:53:05


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