• vom 23.12.2017, 07:00 Uhr

Doping


Fußball

Kosmetische Eingriffe




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  • Witali Mutko steht wegen der Doping-Vorwürfe offenbar vor einem Rücktritt als russischer Fußballverbandschef. Sein Einfluss im Hintergrund wird aber bleiben.

Gesenkter Daumen von Wladimir Putin (sitzend) für seinen Intimus Witali Mutko (dahinter)?

Gesenkter Daumen von Wladimir Putin (sitzend) für seinen Intimus Witali Mutko (dahinter)?© Nikolsky/ap Gesenkter Daumen von Wladimir Putin (sitzend) für seinen Intimus Witali Mutko (dahinter)?© Nikolsky/ap

Moskau. (art) Er war russischer Sportminister, ist aktuell Vizeregierungschef und einer der mächtigsten Sportpolitiker der Welt. Als Präsident des russischen Fußballverbandes dürfte er aber bald Geschichte sein: Witali Mutko steht offenbar vor seinem Rücktritt. Der Verband RFS hat für kommenden Montag eine Sitzung anberaumt, auf der es laut Medienberichten auch um die Ablöse des 59-Jährigen geht. Noch vor zwei Wochen hatte Mutko - wegen seiner Verwicklung in den Staatsdoping-Skandal lebenslang von Olympia verbannt - einen freiwilligen Rückzug kategorisch ausgeschlossen. "Mögen andere Leute zurücktreten. Ich bleibe bei den Sportlern", hatte er trotzig erklärt. Auch der Weltfußballverband Fifa hat die Affäre hinsichtlich der kommenden WM im Sommer 2018 mit nichtssagenden Worten kommentiert: Man nehme die Entscheidung des IOC zur Kenntnis, sie habe aber "keine Auswirkungen auf die Vorbereitung des 2018 World Cup", war am Tag danach auf der Homepage zu lesen.

Hinter den Kulissen dürften die Drähte zwischen der Fifa-Zentrale in Zürich und Moskau aber doch ziemlich heiß gelaufen sein - und wohl auch Machtworte Wladimir Putins gefallen sein. Denn Schatten über den WM-Vorbereitungen könnten auch sein Ansehen vor seiner geplanten Wiederwahl als Präsident beeinflussen. Wohl nicht zufällig hatte er seine erneute Kandidatur ausgerechnet am Tag nach der Entscheidung über einen Beinahe-Komplettausschluss russischer Athleten des IOC verkündet, Russland dabei als Opfer einer Verschwörung durch den Westen inszeniert, mit dem Ziel, den Zusammenhalt im Land selbst zu beschwören.


Bisher hatte er, auch unter diesem Narrativ, an Mutko festgehalten. Zwar hatte dieser seinen Posten als Sportminister im Oktober des Vorjahres räumen müssen, als durch den Bericht des Welt-Anti-Doping-Sonderermittlers Richard McLaren klar war, dass er das - von Russland bestrittene - Staatsdoping kontrolliert, wenn nicht gar orchestriert hatte, allerdings folgte die Beförderung zum Vizeregierungschef. Doch die Vorwürfe wurden immer lauter, während des Confed Cups im Sommer kam auch die russische Fußballmannschaft vermehrt ins Doping-Gerede. Auch im McLaren-Report waren 33 Fußballer genannt worden.

Sollte Mutko nun als Verbandschef gehen (müssen), wäre dies aber vor allem ein kosmetischer Eingriff. Als Nachfolger im Gespräch ist dessen langjähriger Intimus Alexej Sorokin. Und auch, ob er gleichzeitig seine Agenden als Chef-Organisator der WM abgibt, ist derzeit nicht absehbar. Für die Fifa freilich wäre dies das komfortabelste Szenario, doch auch sie steht wegen des eher laxen Umgangs mit der Doping-Thematik in der Kritik. Zwar hatte der Fifa-Chef-Mediziner Michel D’Hooghe zuletzt betont, die Dopingproben von der WM würden von internationalen Spitzenkräften entnommen und bearbeitet, eine komplette Auslagerung wird es aber nicht geben. Der deutsche Verbandspräsident Reinhard Grindel hat diesbezüglich eine Änderung gefordert. "Ich kann mich nur wiederholen, dass die Dopingproben außerhalb Russlands in der kompletten Kontrolle der Wada vorgenommen werden müssen, außerhalb des Einflussbereichs von Fifa und Russland", sagte er. "Ich kann nicht verstehen, warum (Fifa-Präsident, Anm.) Gianni Infantino diesen Weg zu gehen nicht bereit ist", betonte Grindel.




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Dokument erstellt am 2017-12-22 16:17:06


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