• vom 06.03.2018, 16:08 Uhr

Doping


Radsport

Düstere Wolken am Radler-Himmel




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  • Das Team Sky gerät wegen Doping-Anschuldigungen zunehmend unter Druck. Chris Froome startet trotzdem beim Tirreno-Adriatico.

London/Rom. (apa/dpa) Der frühere Toursieger Bradley Wiggins und sein ehemaliges Sky-Team stehen nach einem Bericht des britischen Parlaments mehr denn je unter Druck. Wiggins ist nicht mehr aktiv, sein Nachfolger Chris Froome fährt noch - trotz erheblicher Erschütterungen um ihn herum. Der viermalige Tour-Champion tritt ab Mittwoch trotz einer drohenden Doping-Sperre bei der Fernfahrt Tirreno-Adriatico an.

Froome und der Spiritus Rector des sagenhaften Sky-Erfolges seit 2012, Sir Dave Brailsford, verweigern beharrlich einen freiwilligen Rückzug. Die von vielen Arbeitskollegen, Teamchefs und dem Weltverbands-Chef David Lappartient empfohlene Suspendierung bis zur Klärung der Vorwürfe um erhöhte Werte des Asthma-Mittels Salbutamol hätte die Froome-Affäre längst beruhigen können. In einem Parlamentsbericht war am Montag ein Rückzug Brailsfords gefordert worden, den der zum Ritter geschlagene Teamchef zurückwies.


Froome wiederholte sein Statement zum Thema vom Saisonstart bei der Ruta del Sol: "Ich bin sicher, dass wir die Sache aufklären können." Der 32-jährige Brite ist weiter unbeirrt auf dem Weg zu seinen Saison-Höhepunkten Giro d’Italia im Mai und Tour de France im Juli. Die exzellent besetzte italienische Fernfahrt Tirreno-Adriatico ist eine weitere Station dorthin.

Der deutsche Topsprinter Marcel Kittel sprach bezugnehmend auf Froome und Wiggins von einem "Super-GAU für den Radsport", der "Erinnerungen an eine Zeit hervorruft, von der wir uns alle so sehr distanzieren wollen". Weil die auffälligen Werte der Kontrolle vom 7. September 2017 noch geprüft werden, darf Froome vorerst weiterfahren. Jegliche Doping-Absichten mit dem Asthmaspray - er wies den doppelten Wert des als Therapeutikum Erlaubten auf - hatte der Seriensieger rigoros von sich gewiesen. Drei Tage nach der folgenschweren Kontrolle in Spanien sicherte er sich zum ersten Mal den Vuelta-Sieg. Froomes Anwälte und Ärzte sollen angeblich ein Nierenproblem für den Anstieg der Werte ausgemacht gemacht haben.

Erinnerungen an Contador
Der Weltverband UCI hat auch sechs Monate nach der Kontrolle auf das bis zu einem Grenzwert erlaubte Präparat immer noch keine Entscheidung getroffen. Referenzen sind vergleichbare Fälle der vergangenen Jahre: Der Italiener Alessandro Petacchi erhielt 2008 zehn Monate Sperre, sein Landsmann Diegeo Ulissi 2014 neun Monate. Froome trifft bei der Sieben-Etappenfahrt in Italien unter anderen auf den Giro-Gewinner Tom Dumoulin, Tour-Sieger Vincenzo Nibali, Vuelta-Gewinner Fabio Aru und seinen Ex-Teamkollegen Richie Porte. Er wandelt auf den Spuren des inzwischen abgetretenen Alberto Contador, der trotz des positiven Doping-Befundes der Tour 2010 zunächst weiter fahren und Siege einheimsen durfte. Nach einem juristischen Marathon war er erst zwei Jahre später gesperrt und sein 2011 errungener Giro-Sieg aberkannt worden. Vielleicht muss auch Wiggins noch um sein gelbes Trikot von 2012 zittern.

Froomes ehemaliger Team-Kollege wies Dopingverdächtigungen gegen ihn erneut scharf zurück. In einem BBC-Interview sprach der 37-Jährige von einer "Hexenjagd" und einer "Hölle auf Erden". In einem Parlamentsbericht hieß es, der fünffache Rad-Olympiasieger habe eine als Medikament verschriebene, leistungssteigernde Substanz dazu genutzt, die Tour 2012 zu gewinnen. Damit habe er zwar nicht gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen, wohl aber gegen die ethischen Prinzipien seines Rennstalls, der 2010 mit einer angekündigten "Null-Toleranz"-Politik gegen Doping angetreten war.

Vor der Tour 2012 hatte Wiggins eine Ausnahmegenehmigung erhalten und durfte das Mittel Triamcinolon zur Behandlung medizinischer Probleme einnehmen. Das Arzneimittel wird normalerweise dazu verwendet, Allergien und Atemwegserkrankungen zu behandeln. Wiggins erklärte, er habe es ausschließlich aus medizinischen Gründen genommen. Auf die Frage, ob er ausschließen könne, jemals in seiner Karriere betrogen zu haben, sagte er: "Zu hundert Prozent."




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Dokument erstellt am 2018-03-06 16:11:37


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