England hat vor dem Gruppe-B-Schlager gegen die USA am Freitag (20 Uhr/ORF1) in Al Khor den vorzeitigen Sprung ins WM-Achtelfinale im Visier. Mit einem Sieg über die Amerikaner hätte der Champion von 1966 das Ticket für die K.o.-Phase schon nach zwei Partien fix in der Tasche. Nicht nur der Turnierstart verlief für die Engländer mit dem 6:2 über den Iran verheißungsvoll, auch die Personalsituation stellt sich rosig dar - Harry Kane und Harry Maguire sind nämlich einsatzbereit.

Der Kapitän und der Abwehrchef hatten zuletzt mit kleineren Wehwehchen zu kämpfen, waren aber im Abschlusstraining am Donnerstag mit von der Partie. Bei Teamchef Gareth Southgate war die Erleichterung groß, dass Kanes Blessur vom Iran-Match nicht so schlimm war wie ursprünglich befürchtet. "Als er zu Boden gegangen ist, habe ich den Atem angehalten. Gott sei Dank ist alles gut", meinte der Coach.

Kane hält derzeit bei 51 Nationalteam-Treffern und liegt damit nur noch zwei Tore hinter der Bestmarke von Wayne Rooney. Doch nicht nur aufgrund seiner Torjäger-Qualitäten ist der Tottenham-Stürmer für die Three Lions unersetzlich, betonte Goalie Jordan Pickford. "Harry ist einfach unglaublich. Er geht voran, er ist der Leader. Wir alle folgen ihm", meinte der Everton-Profi.

Kane ist in Englands Offensiv-Abteilung im Angriffszentrum gesetzt, dahinter gibt es prominentes Gerangel um die weiteren Plätze. Gegen den Iran saßen Phil Foden, Jack Grealish und Marcus Rashford zunächst auf der Bank. "Es ist verrückt, was wir vorne an Qualität haben", erklärte Mittelfeldspieler Jude Bellingham.

Nicht nur der Dortmund-Profi, auch viele Fans in der Heimat glauben mittlerweile an den ersten großen Titel seit 56 Jahren. Southgate hingegen tritt lieber auf die Bremse. "Gegen die USA müssen wir besser sein als gegen den Iran. Sie werden mit Vollgas kommen", warnte der Teamchef.

Seine Auswahl hat acht der bisherigen elf Duelle mit den Amerikanern gewonnen, wartet aber bei einer WM noch auf einen Sieg über die US-Mannschaft. 2010 gab es ein mattes 1:1 - und 1950 sogar ein 0:1 für England. Diese Niederlage gilt im Mutterland des Fußballs bis heute als eine der größten Blamagen.

Im US-Lager glaubt man an eine neuerliche Sensation. "England hat eine großartige Mannschaft, aber es nicht so, dass wir keine Chance haben", erklärte Keeper Matt Turner. Die Amerikaner starteten mit einem 1:1 gegen Wales in die Endrunde, ein Sieg wäre möglich gewesen. "Aber jetzt ist das erste Spiel vorbei, wir haben ein Gefühl für die Atmosphäre entwickelt. Da ist es leichter, seine Nerven zu kontrollieren", beteuerte Mittelfeldspieler Yunus Musah.

Alle Augen auf Iran-Spieler

Im zweiten Gruppenspiel am Freitag (11 Uhr/ORF 1) möchte Österreichs Play-off-Bezwinger Wales mit einem Sieg die Achtelfinal-Chance wahren. Nach dem 1:1 gegen die USA peilen Starstürmer Gareth Bale und Co. im Duell mit dem Iran den ersten Sieg an. Die Perser stehen indes nach der Schlappe gegen England noch mehr unter Druck. Die beiden Teams treffen zum ersten Mal überhaupt in einem Pflichtspiel aufeinander.

Interessant wird es aber auch wieder vor Anpfiff. Zuletzt hatten die von Carlos Queiroz gecoachten Iraner bei der Nationalhymne nicht mitgesungen und damit ihre Unterstützung für die Proteste in der Heimat kundgetan. Zu erwarten ist, dass dies neuerlich der Fall sein wird. Großer Druck lastet also nicht nur sportlich, sondern auch politisch auf dem Team. Wenig Hoffnung macht der Blick in die WM-Vergangenheit - bei bisher fünf Teilnahmen konnte noch nie der Aufstieg fixiert werden, nur eines der jüngsten elf Matches wurde gewonnen.