Es ist durchaus eine Fußball-WM der Favoritenstürze. Doch bisher konnten die Favoriten, wie am Mittwoch Argentinien, den Kopf gerade noch aus der Schlinge holen, am Donnerstag erwischte es dann aber erst Belgien und am Abend Deutschland. Und beinahe wären die Spanier auch heim gefahren.

Gegen Costa Rica im abschließenden Spiel der Gruppe E war Deutschland zwar klar überlegen, hatte eine Vielzahl an Chancen und führte zur Pause auch mit 1:0. Aber nach dem Seitenwechsel machte Costa Rica aus eineinhalb Chancen zwei Tore und führte plötzlich. Der Spielstand von 2:1 zu diesem Zeitpunkt schien  eigentlich fast physikalisch unmöglich, aber die Anzeigentafel lügt eben nicht. Für einige Minuten waren die Ticos sogar weiter und mit Deutschland auch Spanien ausgeschieden.

Ball hinter der Linie oder doch knapp nicht?  
- © Reuters / Jennifer Lorenzini

Ball hinter der Linie oder doch knapp nicht? 

- © Reuters / Jennifer Lorenzini

Spanien dank Tordifferenz weiter

Deutschland kam aber zurück, traf noch zweimal durch den eingewechselten Kai Havertz und siegte 4:2 - und vergab dazwischen eine Reihe weiterer hervorragender Chancen. Allein, der Sieg half den Deutschen nicht, weil die ebenso unglückliche wie auch selbst verschuldete Auftaktpleite gegen Japan schwer wog. Vier Punkte waren am Ende genauso viel wie Spanien, das aber dank des 7:0-Sieges gegen Costa Rica weiterkam.

Hätte Spanien gegen Japan gewonnen oder zumindest einen Punkt geholt, wären die Deutschen im Turnier geblieben. Und so sah es auch bis zur Pause aus, denn da führte der Favorit durch ein Tor von Alvaro Morata mit 1:0. Von Japan kam wenig. Das änderte sich aber nach der Pause ganz plötzlich.

Umstrittenes Tor

Innerhalb von drei Minuten traf Japan zweimal, in der 48. und 51. Minute. Der zweite Treffer wurde erst nach Überprüfung gegeben und bleibt wohl kritisch. Denn vor dem Pass in die Mitte schien der Ball mit vollem Umfang aus dem Spielfeld, nach längerer Kontrolle wurde das Tor aber doch gegeben. Es können nicht viel mehr als zwei, drei Zentimeter gewesen sein. Eine Fingerbreite also, die nicht nur Japan die Führung brachte, sondern am Ende auch für Deutschland das Ausscheiden bedeutete.

Ein 2:2 hätte Spanien auf Platz eins gebracht und Japan auf Rang drei fallen lassen. Doch den Spaniern gelang der zweite Treffer nicht, trotz einiger Chancen, kurz vor Schluss auch durch Dani Olmo, der aus guter Position am japanischen Keeper scheiterte. Es sah zwar nicht so aus, als wollten die Spanier nicht treffen und den ersten Gruppenplatz vermeiden, aber als Zweiter haben sie nun im Achtelfinale nicht Kroatien, den Vizeweltmeister, sondern Marokko zum Gegner. Ob das aber die einfachere Aufgabe ist, darf angesichts der bisherigen Auftritte der Marokkaner sowie der Kroaten durchaus bezweifelt werden. (sir)