Wenn die Niederlande am Samstag im Khalifa International Stadium von Al Rayyan (16 Uhr/Servus TV) zum ersten Achtelfinale gegen die USA bei der Fußball-WM in Katar antreten, haben sie etwas zu beweisen: dass sie ihre Ambitionen, ins Finale einzuziehen und zum ersten Mal Weltmeister zu werden, wahr machen können.

Die Gruppenphase ließ da doch erhebliche Zweifel aufkommen. Zudem ist das US-Team zwar Außenseiter, aber ein brandgefährlicher. Vor allem Bondscoach Louis van Gaal, im Sommer 2021 auf den Trainerposten zurückgekehrt und vor der WM in 15 Spielen ungeschlagen, hatte im Vorfeld die Oranjes starkgeredet. "Wir haben nicht die besten Spieler der Welt", sagte der Coach vor WM-Beginn, "aber ich glaube an Teambuilding und Taktik. Und wir haben Spieler, die den taktischen Plan des Trainers umsetzen können." Nachsatz: "Und wir können bis ins Finale kommen."

Die Gruppenphase war nicht unbedingt dazu angetan, diese Einschätzung zu untermauern. In der eher schwachen Gruppe A war Senegal lange ebenbürtig und wurde erst durch zwei späte Tore 2:0 geschlagen, gegen Ecuador reichte es nur zu einem eher schmeichelhaften Remis, gegen den sportlich nicht konkurrenzfähigen Gastgeber gab es einen Pflichtsieg. Nun müssen die Niederländer liefern, und das gegen selbstbewusste US-Amerikaner.

Wichtig ist für die Oranjes, Stürmerstar Memphis Depay endlich in guter Form zu haben. Der Angreifer des FC Barcelona dürfte eine langwierige Oberschenkelblessur auskuriert haben. Bisher reichte es nur gegen Katar zu einem Einsatz in der Startelf, in den beiden Spielen zuvor wurde er eingewechselt. Die Spielpraxis fehlt. "Ich bin fit. Die Knockout-Phase ist eine ernste Angelegenheit. Wir sind nach der Gruppenphase, wir können es uns nicht mehr leisten auszurutschen", sagte der Goalgetter. Es wird auch an Mittelfeldstar Frenkie de Jong liegen, der bisher nicht die Rolle spielen konnte, die ihm zugedacht war. Van Gaal, bereits zum dritten Mal Bondscoach der Niederländer, weiß, was auf seine Mannschaft mit den US-Amerikanern zukommt. "Ich weiß aus Erfahrung, dass Spiele gegen Länder wie die Vereinigten Staaten und Australien, denen wir 2014 bei der Weltmeisterschaft in Brasilien begegnet sind, immer sehr schwer sind", warnte er. "Ich habe eine Vision gesehen. Ich habe ein Team gesehen, das willig ist, diese Vision umzusetzen. Das ist das Wichtigste. Diese Überzeugung bei den Spielern zu sehen, ist fantastisch." Die bisher starken Spiele des Teams kommen für Van Gaal nicht unerwartet: "Sie haben sich gut und vor allem schnell entwickelt. Typisch amerikanisch, würde ich sagen.

Das US-Team kommt mit viel Selbstvertrauen ins Khalifa International Stadium. In der Gruppenphase blieb es mit Remis gegen die favorisierten Engländer (0:0) und gegen Wales (1:1) sowie einem Sieg gegen den Iran (1:0) ungeschlagen. Man werde in dem Stadion keine Minderwertigkeitskomplexe haben, sagte US-Coach Gregg Berhalter. "Es ist eine großartige Gelegenheit, aber es ist nichts, bei dem wir denken, es ist eine Ehre dabei zu sein", betonte Berhalter. "Wir verdienen es, in dieser Position zu sein."