• vom 05.11.2018, 16:15 Uhr

Fußball

Update: 05.11.2018, 16:31 Uhr

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Das Ende einer fabelhaften Reise




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  • Vom jüngsten ÖFB-Kapitän zum mehrmaligen Meister: Andreas Ivanschitz.

- © apa/Jäger

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Wien. (may) "Andi verkörpert die neue Fußball-Generation, die wir in Österreich brauchen. Das ist die beste Lösung. Ich sehe nicht ein, warum es immer ein Älterer sein muss." Also sprach Hans Krankl, warum er einen Spieler mit erst vier A-Team-Einsätzen zum Spielführer der ÖFB-Auswahl machte - Andreas Ivanschitz war im Herbst 2003, als er beim 2:3 in Tschechien die Kapitänsschleife übernahm, exakt 19 Jahre und 361 Tage alt. Ob die Binde für die große rot-weiß-rote Nachwuchshoffnung nicht mehr Hemmnis als Antrieb war und der als übergroßes Talent gepriesene Burgenländer letztlich im Teamdress daran zerbrochen ist, darüber ließe sich nun wieder trefflich streiten. Denn Ivanschitz lieferte am Montag einen aktuellen Grund dazu - seinen Rücktritt nach 19 Jahren im Profifußball, 69 Länderspielen und etlichen Highlights bei Klubs quer über den Globus. Der ganz große Schritt zu einer österreichischen Fußballlegende, zu einer herausragenden Spielerpersönlichkeit ist dem 35-Jährigen in seiner zweifelsfrei erfolgreichen Karriere aber nicht geglückt.

Nachdem er seit dem Sommer vereinslos war und auch im ÖFB-Team vor dem Test gegen Schweden im September offiziell verabschiedet wurde, setzte Ivanschitz nun diesen Schritt. Kein Geheimnis ist, dass er gerne noch die eine oder andere Profi-Saison angehängt hätte, wäre ein entsprechendes Angebot eingetrudelt. "In den letzten Monaten habe ich viel nachgedacht und realisiert, dass der schwierigste Part im Profisport das Loslassen ist", erklärte Ivanschitz am Montag. Nicht ohne Wehmut ergänzte er: "Der Fußball hat mir so viel gegeben, dass man nicht einfach so sagt: ‚Das war’s‘, dennoch ist für mich heute dieser Tag gekommen", so der einstige Rapid-Wunderknabe. Das Loslassen sei für ihn nun "völlig o.k., und ich habe diese Zeit, jedes einzelne Spiel, jedes Training unheimlich genossen. Ich hatte das große Glück, meinen Kindheitstraum, Profi zu werden, zu verwirklichen, und habe diesen Traum gelebt."


In seiner letzten Saison absolvierte Ivanschitz bei Viktoria Pilsen nur noch Kurzeinsätze, holte mit den Tschechen aber den Meistertitel. So wie zuvor mit den Seattle Sounders in den USA (2016) und im Karrierefrühling bei Rapid (2005). Ein besonderes Highlight für den Burgenländer. Denn Österreichs Fußballer des Jahres 2003 wurde - nach der Ausbildung bei seinem Heimatverein ASK Baumgarten - im Nachwuchs der Hütteldorfer groß und gab vor fast genau 19 Jahren am 26. Oktober 1999 mit 16 im Cup sein Profidebüt für Grün-Weiß. 2006 erlag er den Rufen des neuen Ligakrösus Red Bull Salzburg, was zu Auseinandersetzungen mit der Klubführung und Anfeindungen in der Fanszene führte - Stichwort "Judaschitz". Sportlich glücklich wurde Ivanschitz, der aus einer musikalischen Familie stammt und mit der Oboe umzugehen weiß, während seiner halben Saison in der Mozartstadt aber nicht. Nach dem Vizemeistertitel verließ er Österreich - für immer: Er kickte in der Folge für Panathinaikos Athen (2006-2009), FSV Mainz (2009-2013), Levante UD (2013-2015) und Seattle, eher er ab Jänner 2017 seine Karriere in Pilsen ausklingen ließ. "Es war eine fabelhafte Reise", beschrieb es Ivanschitz nun rückblickend - mit den internationalen Highlights der Champions-League-Gruppenphase mit Rapid und Panathinaikos.

Unter Koller aussortiert
Seine Teamkarriere indes litt auch am Pech der frühen Geburt: Denn just zu seiner Hochzeit machte die ÖFB-Auswahl eine schwere Krise durch - in der Erfolgsära Marcel Koller wurde Ivanschitz zunächst reaktiviert, dann aber langsam aussortiert; seinen letzten Teameinsatz hatte er im Juni 2014 beim 2:1-Erfolg in Tschechien. Fast sechs Jahre lang - von 2003 bis 2009 - und damit auch bei der Heim-EM 2008 führte er das Team als Kapitän aufs Feld. In seiner Bilanz stehen auch zwölf Treffer.

Genaue Zukunftspläne äußerte der dreifache Familienvater zwar nicht, er möchte aber dem Fußball verbunden bleiben. Zuletzt war er als Co-Kommentator für den Streamingdienst Dazn tätig.




Schlagwörter

Fußball, Andreas Ivanschitz

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-05 16:25:07
Letzte Änderung am 2018-11-05 16:31:05


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