London. Noch einmal, ein letztes Mal, dreht sich alles im englischen Fußball um ihn. Es ist Wayne’s World, ein Heimspiel auf so vielen Ebenen für Wayne Rooney: Am Donnerstag (20 Uhr MEZ) begeht er sein 120. und - zwei Jahre nach seiner bisher letzten Einberufung und mehr als ein Jahr nach seinem Rücktritt aus dem Nationalteam der Three Lions - definitiv letztes Länderspiel; im Londoner Wembley-Stadion und gegen die Auswahl der USA, wo er mittlerweile bei DC United sein Geld verdient. Um seinen Rekord-Feldspieler - an Einsätzen nur übertroffen vom früheren Tormann Peter Shilton - und mit 53 Treffern erfolgreichsten Torschützen aller Zeiten zu ehren, bewirbt der englische Verband FA das Duell gar als "The Wayne Rooney Foundation International", weil dabei Geld für Rooneys Stiftung für benachteiligte Kinder gesammelt werden soll. Dass die FA zuletzt einräumen musste, dass die Einnahmen aus den Kartenverkäufen nicht an diese gehen, sondern sie auf andere Weise unterstützt werden soll, sorgt allerdings dieser Tage für Rauschen im gewohnt nicht zimperlichen Blätterwald der Yellow Press.

Auch das passt irgendwie in Wayne’s World, in der immer alles ein bisschen kompliziert war. Aufgewachsen als Sohn eines Boxers in Liverpool, zeigte Rooney schon in seiner Jugend bei Everton sein Talent, nach nicht einmal zwei Saisonen verpflichtete ihn Manchester United um 31 Millionen Pfund, die zweithöchste Ablösesumme, die bis dahin im englischen Fußball geflossen war. Rooney stieg zum Star auf, brach zahlreiche (Alters-)Rekorde, wurde binnen seiner 13 Jahre bei Manchester United zur Identifikationsfigur, nahm bis zu seinem letzten Turnier, der EM 2016, an jeweils an drei Welt- und Europameisterschaften teil und beeindruckte die Trainer mit seinem Zug zum Tor, seiner Vielseitigkeit ob im Sturmzentrum, am Flügel oder im Mittelfeld und seiner Bulligkeit, gepaart mit technischer Finesse.

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Doch stets schwang bei Rooney auch ein großes "Aber" mit: Da waren Disziplinlosigkeiten, zumindest in seinen frühen Jahren, auf und abseits des Rasens, da waren Zerwürfnisse mit Vorgesetzten und der gar nicht so latente Vorwurf, er habe gerade bei Großereignissen dem (freilich übergroßen) Druck nicht standgehalten.

Bei Turnieren unvollendet


Tatsächlich vermochte es auch der heute 33-Jährige, der mit Manchester United die Champions League, die Klub-WM, die Europa League und fünf Mal die nationale Meisterschaft gewann, nicht, England aus seiner seit der WM 1966 andauernden Titellosigkeit bei Welt- und Europameisterschaften zu führen. Das Höchste der Gefühle waren die Viertelfinal-Teilnahmen bei drei Turnieren, die allerdings alle für ihn persönlich nicht allzu glücklich verliefen. Bei der EM 2004 zog er sich im Viertelfinale gegen Portugal eine Verletzung zu und erlebte das Ausscheiden im Elfmeterschießen daher nur als Zuseher, bei der EM 2012 verpasste er die ersten Gruppenspiele wegen einer Sperre und bei der WM 2006 trat er wegen eines vorangegangenen Mittelfußknochenbruchs nicht zu hundert Prozent fit an und sah im letzten Spiel die rote Karte.