Wien. (may) Kaum hat sie begonnen, neigt sie sich auch schon dem Ende zu: Die im September neu gestartete Uefa-Nations-League geht ab Donnerstag in die entscheidende Phase - jedenfalls, was den Ausgang der einzelnen Gruppen betrifft. (Die vier Poolsieger der obersten Kategorie spielen den Titel ja erst im Juni 2019 aus.) Auch Österreich hat in Gruppe B3 vor den finalen Duellen gegen Bosnien-Herzegowina (Donnerstag, 20.45 Uhr/ORFeins) und Nordirland drei Tage später noch alle Trümpfe in der Hand. Gruppensieg und Aufstieg, Rang zwei und Liga-Verbleib sowie Abstieg in Kategorie C - alles ist für die Elf von Franco Foda noch möglich. Denn nur bei einem Heim-Remis im Prater ist in der Gruppe vorzeitig alles klar.

Die drei Szenarien im Detail:

Gruppensieg: Lukrative Duelle gegen Frankreich, Spanien, England oder Portugal - das brächte Rang eins in der Dreiergruppe für die nächste Auflage der Nations League (voraussichtlich 2020). Und sollte in der regulären EM-Qualifikation im kommenden Jahr kein Platz für die Euro 2020 ergattert werden, gäbe es dann ein Hintertürchen, um sich im Play-off der B-Liga ein Last-Minute-Ticket zu sichern. Grundbedingung dafür ist aber ein Sieg am Donnerstag in Wien mit 1:0 oder zwei Toren Differenz (also etwa 3:1). Denn wie in jedem Uefa-Bewerb entscheidet bei Punktegleichheit das direkte Duell (inklusive Auswärtstorregel), weshalb das ÖFB-Team zunächst die 0:1-Niederlage in Bosnien wettmachen muss.

Danach muss freilich auch im letzten Gruppenspiel in Belfast (Bosnien siegte dort mit 2:1) gewonnen werden, um Rang eins zu ergattern. Letztlich braucht es Tore, Tore, Tore: Zwei 1:0-Erfolge würden beispielsweise nicht reichen, ein 2:0 (Bosnien) und ein 1:0 (Nordirland) sind die Minimalvorgaben. Angesichts der jüngsten Stürmerflaute könnten mindestens drei Tore freilich zu einer Herkulesaufgabe werden.

Gruppenplatz zwei. Gibt es am Donnerstag eine Punkteteilung, dann ist vorzeitig alles klar - Österreich kann von den Nordiren nicht mehr von Rang zwei verdrängt werden. Dasselbe gilt, wenn das Nationalteam daheim verliert, aber auf der Insel punktet. Im Fall einer Heimniederlage reicht sogar eine Niederlage auf der Insel mit einem Tor Unterschied, wenn auswärts getroffen wird.

Platz zwei ist insofern erstrebenswert, weil es nicht nur den Verbleib in der Klasse sichert, sondern es Topf zwei bei der Auslosung der EM-Qualifikationsgruppen am 2. Dezember bedeutet. Überdies könnte der Platz eine Play-off-Chance bringen, falls sich Gruppensieger Bosnien auf regulärem Wege eine Euro-Fahrkarte holt - denn dann würde Österreich nachrücken.

Gruppenplatz drei. Das wäre zwar prinzipiell auch als Dritter möglich, aber dann müssten sich auch die Nordiren fix für die paneuropäischen Spiele qualifizieren. Im schlechtesten Fall gibt es diese Chance nicht, die ÖFB-Truppe rutscht zudem in den dritten EM-Auslosungstopf sowie die C-Liga ab - ein Szenario, das es jedenfalls zu verhindern gilt.

Weshalb schon spannend zu beobachten sein wird, ob Foda gegen Bosnien allerletztes Risiko Richtung Sieg eingehen wird, wenn im Hinterkopf ein unangenehmes Entscheidungsspiel gegen den Abstieg auf der Insel droht, falls man sich gegen Edin Džeko und Co. ein blödes Kontertor fängt. Foda dazu: "Es gibt unterschiedliche Situationen, auf die wir uns vorbereiten werden", meinte er diplomatisch. Nachsatz: "Wir wollen unbedingt gewinnen. Es ist aber auch wichtig, die nötige Geduld zu haben. Wir haben 90 Minuten Zeit, das Spiel für uns zu entscheiden."

Auf der Gegenseite verfügt der bosnische Teamchef und frühere kroatische Team-Star Robert Prosinečki über eine Truppe voller Selbstvertrauen, die bisher in der Nations League nur Siege eingefahren hat. "Die Spieler werden ihr Bestes geben, und wir können ein gutes Ergebnis erwarten", versprach der 49-Jährige auch für die Partie in Wien. "Wir haben eine Serie, die uns eine gute Atmosphäre im Team gebracht hat", stellte Prosinečki fest. Ein weiterer Pluspunkt sei, dass seine Kicker bei ihren Klubs viel zum Einsatz kämen. "95 Prozent von ihnen sind in ihren Vereinen Stammspieler, das hilft uns sehr." Allerdings muss er in Wien auf Goalie Asmir Begović (Daumenverletzung) und Flügelspieler Goran Zakarić (Schulterverletzung) verzichten.

Nicht zu verachten ist, dass den Bosniern im Prater ein halbes Heimspiel bevorsteht: Von den rund 35.000 erwarteten Zuschauern werden gut 15.000 im Lager der Zmajevi (Drachen) stehen - beim Hinspiel in Zenica waren es keine 10.000 gewesen.