• vom 15.11.2018, 22:49 Uhr

Fußball


Nations League

Nur Stückwerk der ÖFB-Elf




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  • Was Österreich gegen Bosnien zeigte, war zu wenig und reichte nur zu einem 0:0.

In der Endabrechnung ist Bosnien (im Bild Duljevi im Duell mit Stefan Lainer) obenauf.

In der Endabrechnung ist Bosnien (im Bild Duljevi im Duell mit Stefan Lainer) obenauf.© reuters/H-P. Bader In der Endabrechnung ist Bosnien (im Bild Duljevi im Duell mit Stefan Lainer) obenauf.© reuters/H-P. Bader

Wien. (klh) So lange ist darüber diskutiert worden, an Stammtischen, in den Internetforen und Zeitungen. Ob David Alaba wie bei Bayern München links hinten in der Viererkette spielen soll. Die Stimmen, die dies befürworteten, waren doch recht laut und nach Jahren der Debatte war es am Donnerstagabend um Punkt 20:45 Uhr im Match gegen Bosnien-Herzegowina so weit: Alaba, der offenbar noch immer eine sentimentale Verbindung zu seiner Lieblingsposition im Mittelfeld pflegt, startete erstmals in der ÖFB-Elf als linker Verteidiger. Und zwar in einem, zumindest von der Papierform her, 4-2-3-1-System, in dem Marko Arnautović als Spitze aufgestellt war (weniger überraschend) und Florian Kainz das offensive zentrale Mittelfeld besetzte (sehr überraschend).

Es war ein Endspiel für die Österreicher: Um noch irgendeine Chance auf den ersten Rang in der Gruppe B3 und damit den Aufstieg zu den im Pool A versammelten Top-Nationen zu haben, musste das ÖFB-Team gewinnen und dabei auch im direkten Duell die 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel in Bosnien wettmachen.


Den Bosniern war aber gleich anzumerken, dass sie nach drei Siegen in ebensovielen Spielen in Gruppe B mit breiter Brust nach Wien gekommen waren. Sie kombinierten selbstbewusst und hatten auch die besseren Chancen, etwa in der 5. Minute durch einen Kopfball von Toni Šunjić (der in der Luft überhaupt eine Macht war, was die Österreicher auch bei eigenen Eckbällen erfahren sollten), in der 25. Minute durch Edin Višća, dessen gut angetragenen Schuss Heinz Lindner parieren konnte oder in der 32. Minute durch einen Flachschuss von Edin Džeko. Und in der 15. Minute hatte die ÖFB-Elf Riesenglück, dass das Timing nicht funktionierte und die Gäste ins Abseits tappten - sonst wäre es eine Hundertprozentige gewesen.

Österreich fehlt die
Durchschlagskraft

Und das Team von Franco Foda? Versuchte es im Nebel, der sich durch die vornehmlich von den bosnischen Fans auf den Rängen gezündeten Bengalen aufs Spielfeld legte, häufig mit Positionswechseln - Kainz rückte immer wieder in die Spitze vor, um dort Arnautović zu verstärken oder damit sich der ganz eng von den Bosniern gedeckte West-Ham-Legionär zurückfallen lassen konnte. Doch die Österreicher lieferten nur Stückwerk ab.

Sie ließen defensiv wie offensiv viel zu viele Räume offen, machten viel zu viele Fehlpässe und kamen so lediglich zu einer Chance, die Arnautovićnach einem Einwurf vorfand. Am wenigstens lag dies aber am linken Verteidiger, Alaba war noch der Aktivste im ÖFB-Spiel. Jedenfalls konnten sich die Österreicher über das 0:0 zur Pause keinesfalls beklagen.

In der zweiten Hälfte kamen die Österreicher mit Xaver Schlager für den glücklosen Kainz und zunächst mehr Schwung aus der Kabine. Das schlug sich gleich in zwei Chancen nieder: einen Kopfball durch Martin Hinteregger und einen gekonnten Drehschuss von Arnautović. Und hier hätte es durchaus Elfer geben können, wenn, ja wenn, nur ein einzelner aus dem schottischen Schiedsrichtergespann bemerkt hätte, dass Šunjić bei seiner Abwehr den Ellbogen zur Hilfe nahm.

In der Defensive machte das Foda-Team den gleichen Fehler wie in Hälfte eins und ließ viel zu viele Räume. Das ermöglichte der Elf des einstigen großen Mittelfeldregisseur Robert Prosinečki erneut gute Chancen. Nach knapp einer Stunde hatten es die Österreicher ihrem Goalie Heinz Lindner zu verdanken, dass sie nicht in Rückstand gerieten, als dieser mit einer großartigen Parade einen Schlenzer von Haris Duljević noch aus dem Kreuzeck fischte.

Und auch in der zweiten Hälfte ging den Österreichern mit den Minuten zusehends ihre Offensivkraft verloren. Foda reagierte mit der Einwechslung von Augsburg-Legionär Michael Gregoritsch und Marc Janko.

Doch auch mit den beiden gelernten Stürmern fehlte Österreich die Durchschlagskraft - und das kristallisiert sich immer mehr als die große Baustelle des ÖFB-Teams unter Foda heraus. Es fehlt der Mannschaft der Zug zum Tor, es fehlen die Abläufe, das Offensivspiel wirkt oft zusammenhangslos. So blieb es in dieser Begegnung beim 0:0, das Bosnien den Gruppensieg und Österreich fix Platz zwei einbrachte.

Für den ÖFB ist damit in der Nations League wenig geschehen: Österreich bleibt auch bei der nächsten Austragung dieses Bewerbs in der Gruppe B und wird bei der nächsten Auslosung für die EM-Qualifikation in Topf zwei sein.




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Dokument erstellt am 2018-11-15 23:01:19



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