Wien. In der vierten Runde des Wiener Fußballcups kommt es heute Abend (19 Uhr) zum Duell zweier Klubs, die für die Stadtgeschichte in verschiedener Hinsicht von Bedeutung sind. SC Maccabi, der einzige jüdische Fußballverein Wiens, trifft auf den ältesten Fußballverein Österreichs, die Vienna. Noch nie haben die Döblinger in ihrer 124-jährigen Vereinsgeschichte gegen Maccabi gespielt. Der Wiener Toto-Cup ist der Pokalwettbewerb des Wiener Unterhauses und wird seit 1988 ausgetragen. In der vergangenen Saison konnte sich der Viertligist Austria XIII im Ernst-Happel-Stadion den Titel sichern.

Gastgeber Maccabi empfängt die Vienna in der Gruabn von WAF Brigittenau. "Wir haben die Gruabn gewählt, weil es ein Fußballplatz mit mehr Charakter ist", sagt Vereinsobmann Hannes Winkelbauer. Die Ligaspiele trägt Maccabi auf der Polizeisportanlage in Kaisermühlen aus. Heute Abend werden mehrere hundert Zuschauer erwartet. "Es ist toll, gegen die Vienna spielen zu können", sagt Winkelbauer, der hofft, dass der Favorit 90 Minuten lang gefordert werden kann.

Jüdische Traditionen


Maccabi wurde 1995 neugegründet. Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, hat damals den entscheidenden Impuls gegeben, damit es in Wien wieder einen jüdischen Fußballverein gibt. In den 50er Jahren konnte die Fußballsektion der Hakoah nicht mehr fortgeführt werden. In den 70er Jahren hielt sich die damalige Maccabi-Mannschaft im Wiener Unterhaus, bis sie nach einer Fusionierung von der Bildfläche verschwand. Nach der Wiederbelebung des Vereins Mitte der 90er feierte Maccabi 1996 ihr Comeback. Seither spielt der Verein im Wiener Unterhaus, aktuell in der siebthöchsten Spielklasse, der Oberliga B.

Jahrelang war in den Statuten festgelegt, dass nur jüdische Fußballer bei Maccabi spielen dürfen. Seit 2014 ist der Verein auch für nichtjüdische Spieler offen. Ungeachtet dessen wird an der jüdischen Tradition festgehalten. Am Shabbat, dem jüdischen Ruhetag der Woche, finden keine Matches statt, gespielt wird bei Maccabi nur an Sonntagen.

Fans verfassen Gedenkheft


Gegen die Vienna soll eine Überraschung gelingen. "Dass es ein Cupspiel bei Flutlicht vor einer tollen Kulisse ist, steigert unsere Motivation zusätzlich", sagt Vinzenz Jager, Mittelfeldspieler und Leiter der Jugendabteilung bei Maccabi. Für ihn wird es auch deshalb ein besonderes Spiel, weil die von ihm gegründete "Football School" die Organisation für das Cupspiel übernommen hat. Mit seinem Projekt arbeitet Jager sowohl mit Maccabi als auch mit der Vienna eng zusammen.