Auch bei den Döblingern, die in der fünften Liga auf dem zweiten Tabellenplatz überwintern, ist die Vorfreude auf das Spiel groß. Die aktive Fanszene nützt das erste Aufeinandertreffen mit Maccabi dafür, die Aufmerksamkeit auf die jüdische Identität der Vienna zu lenken. Die "Vienna Supporters" haben anlässlich des 80.Gedenktages der Novemberpogrome eine Gedenkschrift produziert. Im Heft ("Vertrieben und ermordet - Jüdische Mitglieder des First Vienna Football Club 1894") sollen die jüdischen Vienna-Mitglieder und -Funktionäre geehrt werden. Außerdem möchte man damit einen Denkanstoß liefern, sich mit der jüdischen Vergangenheit der Vienna auseinanderzusetzen. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Geschichte des Funktionärs Rudolf Grünwald, dem ehemaligen Leiter der Fußballsektion. Grünwald wurde als Jude von den Nationalsozialisten verfolgt und am 1944 im Vernichtungslager von Maly Trostinez ermordet. "Dass die Vienna-Fans dieses Thema aufgreifen, ist eine großartige Aktion", meint Winkelbauer von Maccabi.

Jüdische Geschichte der Vienna


Schon im Sommer wurde von den Fans bei einem Vienna-Heimspiel eine Grünwald-Gedenkchoreographie gezeigt. "Das erste Aufeinandertreffen mit Maccabi ist auch für uns etwas Spezielles", sagt der Obmann der Vienna Supporters, Robert Haidinger. Der Historiker Alexander Juraske hat sich in seinem Buch "Blau-Gelb ist mein Herz" unter anderem mit der Geschichte von Grünwald auseinandergesetzt. "Wenn man an jüdischen Fußball in Wien denkt, werden meistens die Hakoah und die Austria genannt. Die Vienna wird dabei etwas vergessen", sagt Juraske. "Zwischen 1894 und 1938 waren von rund 110 Vienna-Funktionären ein Drittel Juden oder jüdische Konvertiten. Viele jüdische Geschäftsleute waren bei der Vienna aktiv."

Bis 1938 gab es in Wien 80 jüdische Sportvereine. "Es hat ein unglaublich vielfältiges jüdisches Sportleben gegeben." Im Februar wird eine Biographie über Hans Menasse erscheinen. Der Vater von Eva und Robert Menasse war der einzige jüdische Spieler, der nach 1945 für die Vienna gespielt hat.

Auch die Austria kümmert sich anlässlich des Gedenkjahres um das Geschichtsbewusstsein seiner Spieler. Gemeinsam mit Geschäftsführer Markus Kraetschmer und dem Trainerteam hat die Mannschaft am 8. November das Mahnmal am Judenplatz besucht. Am vergangenen Donnerstag wurde zudem das Buch "Ein Fußballverein aus Wien - Der FK Austria im Nationalsozialismus 1938-1945" vorgestellt. Ein Austrianer wird heute Abend auch beim Cupspiel dabei sein. Der israelische Stürmer Alon Turgeman wurde als Ehrengast eingeladen.