• vom 06.12.2018, 07:00 Uhr

Fußball


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Der 1. FC Kaiserslautern kämpft um seine Zukunft




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Von Tamara Arthofer

  • Zur wirtschaftlichen kommt die sportliche Misere - bei der Mitgliederversammlung muss sich die Vereinsführung unangenehmen Fragen stellen.

Bei den roten Teufeln geht es derzeit heiß her. Von den eigenen Zielen ist man meilenweit entfernt. - © Reuters/Kai Pfaffenbach

Bei den roten Teufeln geht es derzeit heiß her. Von den eigenen Zielen ist man meilenweit entfernt. © Reuters/Kai Pfaffenbach

Kaiserslautern. Auf der Homepage des 1. FC Kaiserslautern prangt ein Adventkalender, der "Betzekalender". An jedem Tag bis zum Heiligen Abend gibt es Rabattaktionen oder kleine Devotionalien zu gewinnen. Das vorerst schönste Geschenk für den pfälzischen Verein aber verbarg sich nicht hinter einem der rot-weißen Türchen, sondern in einer schnöden Pressemitteilung vom Dienstag: "DFB bestätigt wirtschaftliche Leistungsfähigkeit", hieß es dort. Im Nachlizenzierungsverfahren habe der deutsche Fußballbund dem Traditionsverein die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit für die Spielzeit 2018/19 ohne Auflagen bestätigt, damit sei die laufende Saison durchfinanziert.

Wie es danach aber mit Kaiserslautern weitergeht, wagt derzeit niemand seriös zu prognostizieren. Auf einer Mitgliederversammlung am 16. Dezember sollen anstehende Themen besprochen werden. Dass es dabei für die roten Teufel vom legendären Betzenberg heiß hergehen wird, ist allerdings eine nicht allzu gewagte Prognose - zumal nicht nur die wirtschaftlichen, sondern auch die sportlichen Ziele wohl oder übel einer ordentlichen Revision bedürfen. Dabei hatte man schon nach der vergangenen Saison gedacht, schlimmer könnte es ohnehin nicht mehr werden. Nicht nur dass die höchst erfolgreichen Zeiten des vierfachen deutschen Meisters - die Ära des weltmeisterlichen Stadion-Namensgebers Fritz Walter aus den Fünfzigern und die Renaissance in den Neunzigern mit dem bisher letzten, damals als Aufsteiger erreichten Meistertitel 1998 -, lange der Vergangenheit angehörten, musste der Verein den schweren Gang in die sportlich wie finanziell wenig attraktive Drittklassigkeit antreten. Es war sportlich der Tiefpunkt in der Historie des 1900 gegründeten Traditionsklubs, der 1963 als eines der 16 Bundesliga-Gründungsmitglieder deutsche Fußballgeschichte mitgeschrieben hatte.

Information

Das wurde aus den Bundesliga-Gründungsmitgliedern:

Der 1. FC Kaiserslautern ist eines von 16 Gründungsmitgliedern der deutschen Bundesliga; daneben gehörten der ersten Saison 1963/64 auch der erste Meister 1. FC Köln, der Meidericher SV, Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund, VfB Stuttgart, HSV, 1860 München, Schalke, der 1. FC Nürnberg, Werder Bremen, Eintracht Braunschweig, der Karlsruher SC, Hertha BSC, Preußen Münster und der 1. FC Saarbrücken an (Rekordmeister Bayern München stieß erst 1965 dazu), die allesamt eine wechselhafte Geschichte durchmachten. Am längsten ganz oben hielt sich der HSV bis zum erstmaligen Abstieg am Ende der vergangenen Saison in die zweite Liga. Heute spielen sieben der Gründungsmitglieder in der ersten Liga; der HSV und Köln sind auf Aufstiegskurs in der zweiten Liga, in der außerdem MSV Duisburg (früher Meiderich) spielt. Eine Etage tiefer sind - nach vielen Turbulenzen - auch 1860, Karlsruhe, Preußen Münster und Eintracht Braunschweig (als Tabellenschlusslicht) angekommen. Saarbrücken spielt aktuell in der Regionalliga Südwest.


Finanzielle Probleme

Zudem war der Klub nach der Ära des jetzigen DFB-U21-Trainers und früheren Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz wirtschaftlich ins Straucheln geraten. Erst Mitte der Vorsaison wurde die Ausgliederung des Profibetriebs in eine Kapitalgesellschaft durchgeführt, mit der man hoffte, die Probleme, die sich durch die 2019 fällig werdende Rückzahlung einer Sechs-Millionen-Euro-Fananleihe noch verschärfen, aus dem Weg zu räumen. Doch wie das gelingen soll, ist derzeit ebenso offen wie die Frage, wie lange die ohnehin schon verschuldete Stadt dem Verein in Sachen Stadionmiete noch entgegenkommt. Zwar zieht der 1. FC Kaiserslautern immer noch und lockt einen Zuschauerschnitt an, den beispielsweise in der obersten österreichischen Bundesliga nur die absoluten Top-Vereine haben. Doch angesichts der Tristesse auf dem Rasen ist es mehr Leidensfähigkeit denn die bekannte Leidenschaft, die die Vereinstreue der Fans prägt. Vom sofortigen Wiederaufstieg, den die Vereinsführung als Ziel ausgerufen hatte, kann ohnehin beim Tabellenzwölften derzeit keine Rede mehr sein; für den neuen, erst zu bestimmenden Trainer ist Schadensbegrenzung das primäre Ziel.

Allerdings: Spätestens mit dem 0:5 bei Unterhaching am Freitag, das die Demissionierung des im Jänner geholten Coaches Michael Frontzeck zur (logischen) Folge gehabt hat, ist die Messlatte tiefer gelegt. Schon davor hatte Frontzeck gemeint, man müsse sich wohl mehr "mit dieser Liga identifizieren und alte Erfolge" hinter sich lassen. Bei dem Duell mit den nach 17 Runden um zwei Plätze und einen Punkt vor Kaiserslautern liegenden Würzburger Kickers geht es für die Mannschaft, die interimistisch vom bisherigen Co-Trainer Alexander Bugera und Torwartcoach Gerald Ehrmann betreut wird, in erster Linie darum, den Anschluss an die Spitze nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Es wäre zumindest ein erster, wenn auch kleiner Schritt zur ersehnten Trendumkehr, sollten sich hinter dem achten Türchen im Adventkalender drei Punkte verbergen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-12-05 16:55:43
Letzte Änderung am 2018-12-05 18:30:25


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