Al Ain. (art) Stell dir vor, es ist WM, und kaum jemand nimmt Notiz - zumindest in Europa nicht und bis zum Semifinale nicht, für das die Topmannschaften, die den Titel dann für gewöhnlich auch unter sich ausmachen, einen Freifahrtschein haben. Alle Jahre wieder naht um diese Jahreszeit nicht nur Weihnachten mit Riesenschritten, sondern auch die Fifa-Klub-WM - und damit ein Bewerb, dessen Sinn zumindest in der ersten Turnierphase immer wieder aufs Neue angezweifelt wird. Insofern ist es nicht überraschend, dass der Weltfußballverband Fifa stets neue Pläne wälzt (und manche davon auch umsetzt), den Wettbewerb global gesehen attraktiver zu gestalten. So radikal wie diesmal waren sie allerdings noch nie. Gehen die Vorschläge von Fifa-Präsident Gianni Infantino durch, könnte die Klub-WM 2018, die am Mittwoch in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit dem Spiel von Al Ain gegen den neuseeländischen Klub Wellington beginnt (16.30 Uhr MEZ), eine der letzten nach dem aktuellen Format sein, nach dem die Sieger der Kontinentalmeisterschaften sowie ein Vertreter des Gastgeberlandes im K.o.-Modus den Klub-Weltmeister ermitteln.

Wie ein etwaiges neues Format aussehen könnte, soll bis März von einer Task Force mit Fifa-Vizegeneralsekretär Zvonimir Boban an der Spitze sowie mit Vertretern der sechs Konföderationen evaluiert werden. Das neue, auf 24 Mannschaften ausgeweitete Turnier soll Teil eines Pakets sein, mit dem die Fifa "gewisse Rechte" an Investoren abtreten würde, wie Infantino jüngst erklärte.

Saudi-Arabien als Verbündeter?

Seit Monaten geistert eine ominöse 25-Milliarden-Dollar-Offerte durch die Medien, so viel soll demnach eine Sponsorengruppe über den Zeitraum von zwölf Jahren für den neuen Klub-Bewerb sowie eine ebenfalls erst einzuführende globale Nations League mit einem alle zwei Jahre stattfindenden Final-Turnier für acht Mannschaften bieten. Doch die Skepsis ist groß - vor allem im Europaverband Uefa, der mit seinem Premiumprodukt Champions League den Klubfußball bisher beherrscht, aber auch in anderen Konföderationen. Zu wenig hat Infantino bisher über die potenziellen Geldgeber preis gegeben, laut übereinstimmenden Medienberichten bestehen aber starke Verbindungen zu Saudi-Arabien.

Dazu passen würde freilich, dass Infantino immer wieder Vorstöße unternimmt, das WM-Teilnehmerfeld schon 2022 und nicht, wie bereits festgelegt, erst 2026 auf 48 Teams auszuweiten. Denn weil Katar, das unter bis heute nicht restlos geklärten Umständen 2010 den Zuschlag für die Endrunde erhielt, eine noch mehr aufgeblasene WM unmöglich alleine durchziehen könnte, bringt Infantino als möglichen Co-Gastgeber ausgerechnet Saudi-Arabien ins Spiel, dessen Verhältnis zu Katar - euphemistisch formuliert - mehr als angespannt ist. "Vielleicht ist Fußball der Weg, um Brücken zu bauen", sagte Infantino vergangene Woche zur englischen Zeitung "Guardian". Kritiker orten indessen bestenfalls eine Brücke in sein eigenes Börsel. Denn sollte es mit seiner angestrebten Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten im kommenden Jahr nichts werden, könnten sich die Investoren anderwertig erkenntlich zeigen, so der Verdacht. Die Diskussionen darüber werden abseits des Rasens wohl auch diese Klub-WM bestimmen.

Glamour erst im Halbfinale

Vorerst aber trifft Al Ain, dessen prominenteste Gesichter der umstrittene kroatische Trainer Zoran Mami sowie der schwedische Stürmer und WM-Viertelfinalist Marcus Berg sind, in der ersten Runde auf das von Jose Figueira gecoachte Team Wellington. Der Sieger bekommt es mit dem afrikanischen Vertreter Espérance Sportive De Tunis zu tun, das zweite Viertelfinale bestreiten Kashima aus Japan und CD Guadalajara aus Mexiko. Der spanische Topklub und Titelverteidiger Real Madrid und der argentinische Verein River Plate, der erst am Sonntag unter skandalösen Begleiterscheinungen die Copa Libertadores gewonnen hat, greifen dann in den Halbfinalspielen am kommenden Dienstag und Mittwoch ins Geschehen ein. Zumindest dann wird man auch in den Kernmärkten in Europa und Südamerika mitbekommen, dass der Ball gerade bei einer WM läuft.