Wien. (rel) "Wann nimmt Letsch endlich den Hut und geht nach Deutschland?" - "Wann gehst du endlich. Damit wir einen Trainer bekommen, der was kann?" Oder: "Hat der Letsch den Trainerschein im Lotto gewonnen?" Es gibt fürwahr angenehmere Kommentare, die man als Bundesligatrainer von seinen Fans auf den sogenannten sozialen Medien so vorgesetzt bekommt. Im Fall von Austria-Coach Thomas Letsch war die Kost, welche manche User am Freitag unter den Facebook-Stream der violetten Pressekonferenz anlässlich des bevorstehenden Derbys gegen Rapid am Sonntag (17 Uhr) setzten, alles andere als freundlich.

Und das hat einen Grund: Da mag zwar die Austria in der Bundesliga-Tabelle aktuell vier Punkte und drei Plätze vor dem Stadtrivalen liegen. Allein, das Momentum spricht vor dem 328. Wiener Derby am Sonntag nicht unbedingt für die Violetten. Zu sehr liegt vielen Anhängern noch der dürftige Auftritt der Mannschaft bei der 1:2-Niederlage vergangene Woche in Mattersburg im Magen. Allerdings werden in einem Stadtderby oft zusätzliche Kräfte frei - und darauf scheinen auch die Verantwortlichen zu hoffen. In den Worten von Trainer Letsch hörte sich das am Freitag so an: "Wir wollen einen nicht so gelungenen Herbst - das muss man schon sagen - mit einem Erfolgserlebnis im Derby abschließen", betonte er. Immerhin könnte ein solcher Erfolg vier Spiele vor Abschluss des Grunddurchgangs den Abstand zur Play-off-Grenze, die ein Ticket für den Meisterschaftskampf mit sich bringt, von derzeit einen auf vier Punkte vergrößern. Dann wäre wohl auch für Letsch ein violettes Weihnachtsfest gesichert.

Andererseits könnte der Tabellenvierte von Sturm und Hartberg überholt werden und Rapid bis auf einen Punkt an die Violetten heranrücken. Ein Szenario, das so selbstverständlich aber auch nicht ist. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass die Grün-Weißen bereits an die Grenzen ihrer Kräfte gestoßen sind - und dennoch ebenso unter Siegzwang stehen, wollen sie nicht das Play-off vollständig abschreiben. Geht es nach Rapid-Coach Didi Kühbauer, soll die Mannschaft Zuversicht aus dem am Donnerstag fixierten Aufstieg ins Europa-League-Sechzehntelfinale schöpfen. "Es war wichtig für die Köpfe der Spieler", sagte er. Weswegen man auch mit erhobenem Haupt und Selbstvertrauen ins Derby gehe.

Klar ist, dass Rapid nach dem Weiterkommen im Europacup auf einer Euphoriewelle nach Favoriten surft. Letsch wollte sich darüber nicht den Kopf zerbrechen. "Es ist müßig. Wenn ein Derby angepfiffen wird, dann interessiert es nicht, ob sie weitergekommen sind", meinte der 50-Jährige. Und dank des Auswärtssiegs im ersten Derby im Allianz Stadion kann schließlich auch Violett positive Erinnerungen abrufen. "Das gibt uns ein gutes Gefühl."

Für die Austria ist das Derby jedenfalls das erste Duell mit Rapid seit dem Umbau der violetten Heimstätte. Zuvor konnte man an selber Stelle in 38 Partien 14 Erfolge und 16 Remis holen, 8 Mal ging Grün-Weiß als Sieger vom Platz. Eine krachende Niederlage darf sich Letsch freilich nicht leisten. Und das nicht nur mit Blick auf böse User-Kommentare.