• vom 19.12.2018, 07:10 Uhr

Fußball

Update: 19.12.2018, 07:21 Uhr

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Ein Kessel und viele Fragen




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Von Benjamin Schacherl

  • Die Geschehnisse rund um den Polizeikessel vom Wiener Derby werfen Fragen auf, was das Sicherheitskonzept betrifft. Auch andere Gäste-Fans kritisieren den Anreiseweg zu Spielen bei der Austria.

- © Rechtshilfe Rapid

© Rechtshilfe Rapid

Wien. Vor dem Wiener Derby am Sonntag hat die Polizei 1338 Rapid-Fans bei minus 2 Grad stundenlang auf einem Trampelpfad mit matschigem Untergrund festgehalten. Manche mussten dort bis zu sieben Stunden ausharren, das Match sah keiner von ihnen. Die Polizei rechtfertigt die Maßnahme damit, dass es beim Überqueren der Brücke über die Süd-Ost-Tangente zu einem gefährlichen Fehlverhalten einzelner Rapid-Fans gekommen ist. Auf Twitter veröffentlichte die Polizei Hubschrauberaufnahmen, auf denen zu sehen ist, wie Schneebälle auf die Fahrbahn geworfen werden. In einer ersten Aussendung am Sonntagabend sprach die Polizei zudem auch von pyrotechnischen Gegenständen, die auf der Fahrbahn gelandet seien.

Nach der Brücke wurde der Tross gestoppt, und es wurden bei allen Anwesenden Kontrollen und Identitätsüberprüfungen durchgeführt. Das Ergebnis des Einsatzes war eine Anzeige und eine verwaltungsrechtliche Festnahme, noch laufen weitere Ermittlungen. Polizeisprecher Harald Sörös sagt: "Die Verhältnismäßigkeit war aufgrund der Gefährdungslage gegeben." Dass über 1300 Menschen bei minus 2 Grad über Stunden hinweg festgehalten werden, sorgt aber vielerorts für Aufregung. Schon bei der Sicherheitsvorbesprechung am Beginn der Vorwoche, bei der Vertreter von Polizei, Magistrat, Austria und Rapid anwesend waren, soll die Ankündigung gefallen sein, dass niemand ins Stadion kommt, wenn es bei der Anreise Probleme gibt. ("Dann wird es so sein wie bei Slovan Bratislava.") Vertreter unterschiedlicher Parteien äußerten sich gestern zum Vorfall, die SPÖ will im Bundesrat eine Dringliche Anfrage an FPÖ-Innenminister Herbert Kickl richten. Der vergangene Sonntag markiert einen Gipfelmoment in der langen Eskalationsgeschichte zwischen Exekutive und Rapid-Fans. Doch auch andere aktive Fanszenen des Landes berichten von Problemen mit der Wiener Polizei.


Auswärts in Wien
Dass das Sicherheitskonzept der Polizei vorsieht, Auswärtsfans zu Fuß über eine Brücke über die meistbefahrene Straße Österreichs zu schicken, erscheint zumindest fragwürdig. Der vorgesehene Weg für größere Fangruppen führt in der Regel weiter über den besagten Trampelpfad, auf dem die Rapid-Fans am Sonntag festgehalten wurden. Auf Anfrage der "Wiener Zeitung" bezüglich der Anreise von Gästefans heißt es von der Austria: "Die Gästeanhänger-Route zur Generali Arena wurde nach dem Neubau der Osttribüne im Jahr 2008 seitens der zuständigen Behörden definiert." Konflikte gab es in der Vergangenheit etwa bei den Auswärtsspielen von Wacker Innsbruck in Wien, sowohl in Hütteldorf als auch in Favoriten. Am ersten Spieltag gastierte Wacker im Juli bei der Austria. "Wir sind damals erst nach Anpfiff ins Stadion gekommen, weil die Polizeieskorte unserer Busse extrem lange gedauert hat", erzählt Martin von der Faninitiative Innsbruck. Der Bus ist direkt vor dem schmalen Stück Brachland stehen geblieben. Wie die Rapid-Fans wurden auch die Innsbrucker durch den Pfad geschickt. "Das Gras war im Sommer kniehoch, und wir sind nicht nur verspätet, sondern auch dreckig im Stadion angekommen", erinnert sich Martin. "Das ist kein Weg, auf dem Fans anreisen sollten", meint er. "Das ist eine Frechheit."

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Dokument erstellt am 2018-12-18 18:28:54
Letzte Änderung am 2018-12-19 07:21:45



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