Doha. (rel) Von solchen Sportstätten kann die Stadt Wien nur träumen. Ob Sporthallen, Laufbahnen, Squashplätze, Laboratorien, Krafträume, Schwimmbecken, Schulen oder Wohnheime - mit der 2004 im Westen der katarischen Hauptstadt errichteten "Aspire Academy" kann es kaum ein Sportzentrum weltweit aufnehmen. Wie eine in zwei Hälften geteilte Riesenmoschee thront über der City der "Aspire Dome", 250.000 Quadratmeter groß und damit die größte Sporthalle der Welt. Im Bauch des Monumentalbaus: ein Leichtathletikzentrum, eine Hartplatzhalle, ein olympisches Schwimmbecken und Anlagen für Fechten, Tischtennis, Turnen und Squash.

Das Herzstück des voll klimatisierten Doms bildet die Fußballarena mit nicht weniger als 8000 Sitzplätzen, das sind 2000 mehr, als etwa das (freilich nicht überdachte) Heimstadion von Bundesligist Lask fasst. Und auch im Außenbereich wartet "Aspire" gleich mit zwölf zusätzlichen Fußballfeldern auf. Ein Zufall ist das nicht. Seit Jahren versuchen die katarischen Scheichs, aus ihrem Emirat eine Fußballnation von Format zu machen. Der erste Schritt war mit der "Aspire Academy" gesetzt, die Ausrichtung der Winter-WM 2022 der zweite Streich. Zuletzt galt es nun, auch die katarische Nationalmannschaft, die bisher außer dem Golfpokal und zwei Viertelfinalteilnahmen bei den Asienmeisterschaften nicht viel erreicht hatte, den Nimbus eines Siegerteams zu verleihen. Und tatsächlich scheint auch dieser Coup aufzugehen, wie der erstmalige Einzug der Kataris in ein Asien-Cup-Finale beweist.

Für diese Leistung, die nun im Endspiel gegen Japan am Freitag in Abu Dhabi mit dem ersten Titel gekrönt sein soll, sind nicht nur die offenkundig guten Trainingsbedingungen, sondern vor allem die Spieler und der betraute Trainer Félix Sanchez Bas verantwortlich. Der Spanier, der seit 2017 in Doha als Coach werkt, hat mit seiner Elf alle bisherigen sechs Spiele des Turniers ohne Gegentor gewonnen und hier mit dem jüngsten 4:0-Halbfinaltriumph über die Vereinigten Arabischen Emirate, die als Erzfeind gelten, eine sportliche Duftmarke gesetzt, die noch bis zur WM in drei Jahren wirken könnte. Die Tore in Abu Dhabi erzielten nicht gekaufte Top-Kicker, sondern eher unbekannte arabische Namen. Scheinbar versuchen die Scheichs, im Fußball einen anderen Weg zu gehen als im Handball, wo man mit einer Migrantentruppe 2015 Vize-Weltmeister wurde. Dass das funktionieren kann, zeigen die jüngsten Ergebnisse: Im laufenden Turnier hat Katar Südkorea oder Saudi-Arabien eliminiert und auch im Vorjahr die meisten Testspiele - gegen China, Ecuador oder die Schweiz - gewonnen. Dem Viertelfinalisten bei der EM 2016, Island, trotzte man immerhin ein 2:2 ab.

Allerdings, allzu sicher sollten sich die Kataris nicht fühlen, wartet doch im Finale am Freitag mit Japan ein ungleich schwererer Gegner. Bereits vier Mal hat der WM-Ausrichter von 2002 den Asien-Cup gewonnen, zuletzt fertigte Nippon mit Salzburg-Legionär Takumi Minamino den Iran im Semifinale mit 3:0 ab.

Im Stadion fliegen die Schuhe

Wie auch immer das Endspiel gegen Japan ausgehen wird, ein Problem wird Katar selbst durch den Einsatz von viel Geld wohl nicht so rasch lösen können: seine politische Isolation in der Golfregion. Seit bald zwei Jahren wird Katar von Saudi-Arabien, Bahrain und den Emiraten wegen seiner Nähe zum Iran und des Verdachts, den internationalen Terror zu unterstützen, wirtschaftlich und diplomatisch boykottiert.

Die angespannte Situation war daher auch beim jüngsten Halbfinalspiel gegen die Emirate in Abu Dhabi deutlich spürbar. Nach dem 0:4 des Gastgebers flogen von den Rängen Schuhe, immerhin katarische Fans kamen nicht zu Schaden. Sie waren, obwohl die beiden Länder nur 500 Kilometer auseinander liegen, im Stadion nicht anwesend - weil nicht erwünscht. Für eine sichere, politisch stabile und fröhliche WM 2022 sind das nicht gerade die besten Ausgangsbedingungen, aber es ist ja auch noch etwas Zeit.